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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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232 war, b mutzte die Abwesenheit des Procurators, um mit 10 Gendarmen (Dorubanzen) auf mich loszustürzen. Ich wurde geknebelt, „Jude, Mörder Jesu" genannt und mit Stockschlägen so arg mßhandelt, daß das Blut aus meinen Wunden floß. Ich hatte vollständig die Befinnung verloren. Die mörderischen Beamt« ließen mich für wdt auf dem Platze liegen und machten sich aus dem Staube. Nun ist dieser Konstantin nicht nur nicht bestraft» sondern auch im Amte belassen worden. Ich apellire an die Gerechtigkeit aller Europäischen Mächte! Als alleinige Stütze einer zahlreichen Familie und einer verwittweten Mutter mtt sechs kleinen Kindern, und da ich in einigen Tagen den erhaltenen Wunden zu erliegen glaube, will ich wmix stens diese Thaisachen vor meinem Tode der Würdigung der civilisirtm Welt unterbreiten, damit die Regierungen Eu ropas, wenn die Zeit kommt, diese ewigen Peiniger der Jsraeliten zu bestrafen wissen. — Moritz Moses Weißmann. Attturest. (St. Z.) Der hiesige Nordamerikanische Generalkonsul Peixotto, ist bekanntlich Israelit. Daß die Rumänische Regierung sich im diplomatischen Corps einen „solch« Juden zur excellence" gefallen läßt und sogar von ihm in der Judmftage guten Rach annehmen soll, das ist in den Augen tes „Romanual", des Organs von Branano und Consorten, eine „freche Beschimpfung der Nation". Peixotto hatte sich nämlich „erfrecht", in einer am 6. Oktober v. I. nach Washington gerichteten, jetzt amtlich bekannt gewordenen Depesche zu bemerken: „Zn Bezug auf die Judenverfolgungen fteue ich mich sagen zu können, daß das Vorgehen unserer Regierung bis jetzt den moralischen Einfluß ausgeübt hat, den man von meiner Crnennung zum Consul und meiner Annahme des Postens erhoffte. Wenn es auch unmöglich gewesen ist, die planmäßig meist zu polittschen Zwecken und in einigen Fällen zu Zwecken des Raubes angefachten Voruriheile zu zügeln, so ist doch jeder Versuch offener Gewaltthättgkeit prompt unterdrückt und sind wirksame Maßregeln behufs Verhinderung von Unlril getroffen worden. Das gegenwärtig« Cadinet Sr. Hoheit des Fürsten ist in voller Uebereinstimmung mit seinen humanen und erleuchtenden Gefühlen, während zugleich kinne frühere Legislattve so bestimmte Würdigung einer Frage an den Tag gelegt har, welche die moralischen und materiellenJnteressen des Landes in ihrenLebensnerven angreift". A« tarest, 22. Juni. Die Reise des Ministers Eostaforu nach Kon ta itinopel absorbirt hier noch jegliches Interesse. Der „Romanul" lischt seinen Lesern der Gründe drei auf. Der eine, der ur s der glaubwürdigste dünft, sei hier wiedererzählt. Nach gen uritem Blatte nun, hat die Reise Costaforu's den Zweck, sich über seine Stellung gegenüber dem Jsmailer Vorfälle zu erklären. Herr Eostaforu hat nämlich vor den auswärttgen.Konsuln sich geäußert, daß die Urheberschaft der Unruhen in Besarabien Rußland zuzuschreiben ist, welches absichtlich der rumänischen Regierung Schwierigkeiten bereiten will. Diese Aeußerung ist dem russischen Konsul hinterbracht , worden, dieser wieder hat an den russischen Gesandten bei der hohen Pforte referirt, und die Folge davon war eine äußerst kategorische Note des Generals Jgnatirff an die rumänische Regierung, m welcher Note dieselbe aufgefordert wird, Beweise für die Behauptung Costaforu's beizubringen. Darauf sei die erwähnte Reise beschloffen worden. (F. B.) Nun hitt's der Telegraph verrathen, was der eigentliche Zweck der Reise Costaforu's nach Konstantinopel gewesen. Die „Times" :nt halten folgende telegraphische Depesche aus Konstanttnoprl r om 9. Juli: Der rumänische Minister hat die für den Fürsten Karl nachgesuchte Erlaubnis, einen speciellen Rumänischen Orden einzuführen, nicht erhalten*). Die Pforte hat ferner in dringender Weise den Wunsch ausgesprochen, daß Rumänien, um eine auswärtige Einmischung zu verhindern, die Israel tea auf besseren Fuß stellen möge. Die ifsiziöse „Pressa", das Blatt Costaforn's brachte an der Spitze ihrer Nr. vom 19. Juni folgendes, von der diplomatischen Agentschaft Rumäniens in Berlin herrührrndeS Telegramm : „tmglaud verlangt den Zusammentritt einer Conferenz ■*« Angelegenheit der Juden Rumäniens. Rußland und Oesterreich merdm daran rheilnehmen, damft di« Convention vom 18. September 1858 auftecht erhalten bleibe. Diese Intervention hat keinen anderen Zweck, als unter Mitwirkung der rumänischen Regierung die Lage der Juden in den Donaufürstenthümern zu verbessern." — Hierzu bemerkt das ministerielle Blatt: „Gne Conferenz würde uns sowohl erniedrigen, als auch zu gleicher Zeit in Aufruhr bringen. Nur Diejenigen, welche Rumänien nicht kennen, mögen glauben, daß eine solche Maßregel den Juden nützen wird; nur die Feinde der Juden und die Feinde Rumäniens können auf diese Conferenz dringen, welche ebenso absurd als unausführbar ist. Die Emancipirung der Juden in Rumänien ist unmöglich; diese rein innere sociale Frage muß langsam, sehr langsam von Rumänien und nur durch Rumänien gelöst werden." Ankarrst, 26 Juni. Die Furcht vor der Conferenz, betreffend die Juden in Runiänien, wird der „A. Z." von hier geschrieben, hat sich rasch genug wieder verloren, nachdem die Nachricht eiugetroffen, daß die garantirenden Mächte es zur Beseitigung der Juden-Calamitäten in Rumänien für hinreichend halteu, eine gemeinsame Note an die Bukarest« Regierung zu richten. Eine derartige Note, wie sie in Aussicht steht, macht dem Ministerium Catargiu-Costaforu wenig Sorge, denn die papierenen Vorstellungen thun nicht weh und sind hier auch in dem Falle nicht neu, daß sie einige geharnischte Drohungen enthalten sollten. Vermischte und neueste Nachrichten. Magdetttrg. Di« am 10. d. Mts. im Alter von 82 Jahren verstorbene Wittwe Elbthal hat der hies. Gemeinde 8000 Thlr. zu einer Elbthal'schen Stiftung für jüd. Kranke und Blinde — die Verstorbene war in den letzten Jahren erblindet —, und außerdem kleinere Summen zu wohlthätigen^ Zwecken testamentarisch vermacht. - Altona. — Die israeliiische Gemeindeschule, welche bej kanntlich als solche eingehen soll, hofft man von gewiffer Seilc( noch länger zu erhalten, indem man eine Special-Commission ernannt hat, welche nach allen Richtungen hin die wegen Aufhebung der Schule gefaßten Beschlüsse prüfen und etwaige Entgegnungen dem Aeltesten-Collegium unterbreiten soll. (A. M.) Kamlurg, 9. Juli. Die „Reform" berichttt ausführlicher über „ein königliches Geschenk", nämlich die Uebersendung einer Bibel seitens der Königin Wittwe von Preußen an den Unterküster der deutsch - israelittschen Gemeind«, Herrn Meyer Jsaac, der mtt seiner Gattin die goldene Hochzeit gefeiert hat. In Preuße,: geschieht dies bekanntlich an jedes sonst gut beleumundtte Jubelpaar, jüdische sogut wie christliche, neu (unsers Wiffens) ist nur die Berücksichtigung des nichtpreußischen Hamburg. Der Bericht läßt erkennen, daß die Thatsache dort überrascht hat. Aus Aoustautiuopet wird der N. ft. Pr.-geschrieben: — Die Jnwleranz der Griechen ist allgemriu zur Gmüge bekannt; gradezu skandalös ist ihr Benehmen gegen die hier etablirten spanischen Juden, denn nicht blos in Smyrna, sondern auch in Janina und auf der Mormora-Insel fanden ähnliche Scenen statt. Es sah sich daher der israelittsche Ober-Rabbiner, ein ehrwürdiger Greis, genöthigt, dem ökummischen Patriarch« in dieser Angelegmhett den wohlverdimtm Text zu lesen. Die Regierung hat anderseits die geeigneten Maßregeln ergriff«, um ähnlich« Wiederholung« gehörig vorzub«gm. Ae» Aort. Der Jahresbericht der Hebr. Ssneeolent unä Orpkun asyluw Society ergiebt u. a. folgende Datm: Zahl der gegenwärtig in der Anstalt erzogenen Waism 167 (119 Knab«, 48 Mädchen) davon aus der Stadt 94 (74 Kn. 20 M.) aus dm Verein. St. 23 (16 Kn. 7 M.) aus ftemdm Lände« 50 (29 Kn. 21 M.). Auf Unterstützung« wurdm verwendet 16,552 Doll. Summe der JahreSeinnahm« 65,075 Doll. Ausgab« 65,556 Doll. In letzterer Summe sind jedoch c. 21,000 Doll, inbegriffen, welche zur Erbauung einer Industrieschule verrvmdet find. (Hebr. Lead.) *) Mit diesem Orten wollte wohl der H. Minister die Geschworenen von vuzm zieren?

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