Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5369809-5935003-5935667--1280-5370897
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

230 AcnN», 9. Juli (Or. Cor.) Das Projekt eines „koscheren Seminars", wie das unselig entschlafene „Trab. Jud." zu sagen pflegte, tritt allmählig an daS Licht, wenn auch nur einer beschränkten Öffentlichkeit. Ich will damit nicht sagen, daß I)r. Hildesheimer diese seine Absicht verborgen hätte, noch weniger will ich sein Streben an sich tadeln; im Gegentheil, Torakenntniß verbreiten ist immer löblich gewesen und ist jetzt doppelt: Tt pD32QH NVV2- Aber es ist doch eiu „Aber" dabei. Man war bekanntlich von Seiten des hiesigen Beth-hamidrasch dem Plane desHerrn vr. H. bereitwilligst entgegengekommen, Statut und Lehrpl. zu einer jüd. theol. Lehranstalt waren fehlt uni gedruckt, als in der letzten Stunde, nachdem die Eröffnung bereits annoncirt war, Dr. H. zurücktrat. Sie haben über die Sache s. Z. verschiedene Berichte gebracht, das Non poMumuä wurde verschiedentlich (?) commentirt — jetzt ist's überflüssig, das Neueste wirft auf das Frühere Licht. Doch darum handelt es sich nicht; zu den Thalsacken also. Die „Jüd. Presie" brachte seitt 17* Monaten eine Serie von 6 großen Leitartikeln über „Jeschiwah, Seminar und FacultäL. Schon die Einleitung des ersten Artikels zeigte jedem eir sicktigen Zwischenzeilen-Leser, wohin das Ganze ziele. Da hieß es: „alle bisher gegründeten Anstalten dieser Art waren n cht zum Heil, sondein zum Unglück für das Zudenthum; so das kaiserlich französische Eollöge raddiniqas, daS kaiserlich österreichische, jüngst selig entschlafene colleginm rabbiniciun in Padua, das Amsterdamer und das BreSlauer Rabbinerseminar. Allen diesen Anstalten ist nicht ein einziger eigentlicher (TOS größtentheils sogar totale JHICI ’ÖP entwachsen und in religiöser Beziehung sind sie — entweder ausgesprochen Reformer oder bis auf die wenigsten Ausnahmen noch schlimmer als dieses." Der Leitartikelschreiber fährt dann fort: „wr müssen vor allem Rechenschaft darüber geben, warum wir für ein solches Institut eintreten." — Mein Lieber! das ist liberflüssig. Wir wissen es längst; es soll gezeigt werden, daß nur einzig und allein vr. Hildesheimer der MesstaS 'st. der das Zudenthum und seine Lehre retten, eine Zeschibah gründen und leiten kann. Nachdem daher die größeren und kleineren Jeschiboch, die noch bis in die neueste Zeit in Deutschland bestanden oder bestehen, abgefertigt sind, wird erzählt, wie 1836 vr. H. eine solche gegründet habe, u. s. w.*) Dcw Schluß kehrt zum Anfang zurück und wünscht und hofft, daß vr. H. diese „einzig die Bürgschaft für die Zukunft bietende Heil-- (oder Heils-?) Anstalt bald und in unfern Tagen ins Leben rufen möge. Nachdem so dieser Elias dem Messias vorangeeilt, versendet Di. H. privatissim« ein Rundschreiben, (vergl. Eorresp. Hamburg. Rü>.) worin er zu Spenden für das von ihm zu gründende Seminar auffordert. Er stellt folgend« Grundsätze auf. 1. „ES muß von der gesetzestreuen Richtung ein Seminar gegründet werden; 2. Daffelbe kan« nirgends ander-, als •) ©«tlgit. donrip. gibt noch weitere Auszüge und Critiken zu jene» Leitartikel». die wir «eglaffen. ES genügt zu sagen, daß mit groher Breite und ganz unnüthiger Gelehrsamkeit, incl. einem B?V7TI> der Beweis gefühlt wird, daß der Rabbiner heutzutage noch mehr als bloß Talmud könner und kennen müsse. Daran zweifelt aber in Deutschland kein vernünftigec Mensch, die Citate und Srcurse find so unnütz, alt ob man auS Schal und PoSkim beweisen zu müssen glaubte, daß e» im Sommer heiß zu sein pflegt — die ^chomre hadath aber werden doch nicht überzeugt und hr Botum und Testament oder Ultimatum steht oben Artikel .Stettin'. Höchst seltsam ist auch die Ansicht, in Sürzburg könne man darum von keiner Jefchiba reden, weil manche der dort .Lernenden' nur dahin ging,», well dort zugleich «ine Uuioerfität sei. (Red.) | in Berlin (???) gegründet werden; 3. an diesem Institut ist nicht Preußen, nicht Deutschland, sondern daS gesummte traditionelle Judenthnm mittelbar, ja unmittelbar betheiligt, da eS im Laufe der Zeiten ja keine anderen Rabbiner, als die auf solcher Anstalt gebildeten, anstellen kann". Nachdem vr. H. dann gesagt hat, ich rechne auf den Beistand meiner Partei", fährt er fort: „ich habe bereits mein Auge auf 3—4 Männer geworfen", welche Lehrer an dem Seminar werden können, nachdem sie noch etwa 2 Jahre sich dazu vorbereitet haben werden. Also Ich, Zch und nochmals Ich! Gebt Geld, Geld, ihr guten Juden und Tröpfe, alles Andere werde Ich besorgen. „Was Ihr vorschlagt — non possumus; überhaupt alles, was sich nicht uns unterwirft, ist vom Uebel, aber habemuj im prompt«". . . so sagt daS andere große Ich oder Wir — in Rom. Und das sind die Leute, die sonst überall von Autonomie reden, denen kein Statut liberal genug sein kann, die überall hierarchische, bureaukrcilische, grüne-Borstands-Tisch-Bestrebungen sehen. Man hat damals, als die Verhandlungen mit dem Beth-hamidrasch sich zerschlugen, hier sehr wohl gewußt oder gemerkt, daß vr. H. kein Euratorium, keinen Vorstand neben sich dulden wolle. Jetzt ist eS mit seinen eigenen Worten schwarz auf weiß gegeben. Und das orthodoxe Judenthum, nicht nur in Preußen, nicht in Deutschland, sondern überall, wird nur Rabbinen anstellen können, auf die vr. H. seine Hände und seinen Geist gelegt hat. Mein Judenthum, was willst Du noch mehr? Er wird ein aeminarinm pueroram gründen, leiten, er stricht: habemus in promptu venerabiles domino8 N. N., und dann wird er Diese seine Erkorenen als Hirten senden. Siehe, liebes Judenthum, dein Papst ist fiH und fertig, babernus papam! — Nun sieh Du zu, wie Du mit ihm fertig wirst! (Das hier erwähnte Eirculair liegt uns vor. ES macht allerdings durchaus den Eindruck, den der Hr. Eorresp. hier geschildert hat. Mit dem Rabbinerseminar will vr. H. auch ein solch»s für Lehrer an höheren israel. Schulen verbinden, „da man für die gnoöhnliche jüdisch« Bürgerschule allenfalls auf die Würzburger und Düffeldorfer Lehrerseminarien blicken könne". Das Hannoverische ist wohl nicht „koscher" genug, weil — der Leiter deffelbcm nicht zu der „Elique" gehört. (Red.) Kök», 1. Juli. Das hiesige Localcomitö der All. Ist. Univ. veröffentlicht seinen Jahresbericht. Seine Thitigkeit ist hauptsächlich der Unterbringung russischer Waisen gewidmet gewesen. Es steht in demselben: „Die Adoptirung von Waisenknaben hat einen namhaften Zuwachs gewonnen, indem die verehrliche Synagogen-Gemeinde in Aachen kürzlich zur Ausführung der schon vor dem Kriege beschlossenen Annahne von acht Waisen schritt, welche nun auch an ihrem Bestimmungsorte angelangt sind. Sohin werden in der Rheinprovinz und zwar in Cöln, Crefeld, Aachen, Bonn, Kreuznach. Goch, Merzig und Saarwellingen 20, von den Herrn Jacob Simon in Düffeldorf, Simon Harff in Dülken, Benjamin in Gladbach und Horn in Mülheim am Rhein je einer, und unter unserer speciellen Obhut und Fürsorge: in Cöln, Wattenscheid, Jülich, Oberstein, Solingen, Düffeldorf und Halzminden 18, von welchen 1 Buchbinder, 2 Schneider, 2 Ciggarenarbeiter, 2 Klempner, 1 Drechsler, 2 Uhrmacher, 1 Mechanicker, 4 Handlungs-Lehrlinge, 2 höhere Lehranstaltm besuchende, also zusammen 42 russische Weisenknaben verpflegt und erzogen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.