Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 29. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 29.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/5369809-5935003-5935667--1279-5370896
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

229 i \ einer „Einladung zum Abonnemmt"; die in Prag, also immerhin dem Schauplatze näher, erscheinende „Wahrheit" bringt dagegen einen Leitartikel „Ueber allen Wipfeln ist Ruh" und glaubt, daß der ungarische „Froschmüusekrieg" seinem Endenahe. Wir nehmen daö Votum Salomo'» hinzu (S pr. 26, 20) „wo kein Holz, erlöscht das Feuer, und wo kein Aufhrtzrr, schweigt der Zank", und hoffen, daß die „Wahrheit" Wahrheit reden möge. — Allerdings scheint das „Congreßstatut" welche» mit sooielem Geräusch in'» Leben getreten war, ziemlich von allen Seiten aufgegrben und ohne Geläute zu den Todtrn gelegt zu sein. Es ist ja in Oesterreich nicht da« erstemal, daß allerhöchst vollzogene und feierlich publicirte Verordnungen und drgl. ohne Sang und Klang unter die Makulatur wandern — „man spricht nicht gern davon". Wir erfahren weiter erst mit dem Erlöschen des erwähnten Blattes Näheres über die Person seine» Redakteur». Unter dem Blatte und unter den meisten Leitartikeln war der Name „l)r. Freund" zu lesen gewesen, mitunter waren letztere auch mit „Hammerschlag" unterzeichnet Wir hören nun, daß der Mann weder Freund noch Hammerschlag, sondern Ehrenlheil heißt. Da» wäre freilich höchst gleichgültig, es würde nur an „jenen Pollak" erinnern, der, von seiner Kunstreise heimgekehrt, sich rühmte, alle die deutschen Narren zum Besten gehabt zu haben, sie hätten ihm inSgesammt geglaubt, daß er Mose» heiße und er heiße doch Zsaak. Aber diese „Enthüllung" gleicht gar sehr der Enthüllung einer Leiche, auf deren Schulter sich zum Entsetzen der zur Reinigung Erscheinenden «inze igt. Wir haben mehrmal» angegeben, daß ungarische Stimmen laut und öffentlich die Führer dir Schomre hadath bezüchtigt hgben, sie brauchten zu ihren Preßknechten Leute, welche am Äibbath, indem fie für die „orthodoxe Eonfefsion" schreiben, ihr« Eigarre rauchen und am Iomkippur ihr Würstchen verzehren ... Nun ist'« enthüllt -OT, rtlJ ptt. von, „Theil" an irgend welcher „Ehre" kann da keine Rede sein. Auch ein Mitbürger de» Herrn Bischof Ketteler findet jetzt Worte edler Entrüstung. Endlich da» wirklich Wichtige bei der Sache. Oft, seit Jahren, haben wir betont und erwiesen, daß in Wirklichkeit keine Gemeinschaft zwischen den deutschen und ungarischen Orthodoxen besteh«, bestehen könne, daß es daher, wenn man spalten wolle, nicht eine orthodox« Partei gebe, sondern zwei drei und mehr. Da» haben uns di« Blätter derselben stet» sehr übel genommen, «ine» von ihnen wollte sogar über Länder und Berge hin sehen, wie der Redakteur der „Wochenschrift" die Hände darüber reib«. („Der Blick ist ein Ehiddusch l") Nun ist auch das „enthüllt". Zn der vorletzten Nummer hat da»„Trad.Zud." noch einmal einen Leitartikel gebracht, welcher mit folgenden Worten beginnt: „Wir haben un» nicht geirrt I Tausendmal haben wir'» ausgesprochen ..., daß wir die orth. Zuden in Deutschland un» nicht zum Muster nehmen dürfen, wo e» sich um religiöse Fragen handelt. Aber auch die Herren „draußen im Reich" erfaßten wohl die Verschiedenheit, die zwischen den orth. Zuden Oesterreich», Ungarn» und denen Deutschland» obwaltet". Und dann weiter: „Man war sich in Deutschland wohl bewußt, daß dt« Kluft zwischen den dortigen und den tran»leithanifchrn Orthodoxen eine bei weitem größere, eine entschieden weniger überbrückbare ist, al» die Kluft zwischen den dortigen Orthodoxen und Reformern. Nun, mein« Herren?! Da» ist da» Testament de» Organ» der Schomre hadath! Zetzt werden Sie sagen: an diesem Ehrentheil Hab« unsre Ehr« keinen Theil, dieser Freund ist nicht unser Freund. — Nun, dann sei er meinetwegen Mephisto, der nach seiner Weise — abgegangen. Aber er hat gerade diesmal Recht. Wenn Beweise gewünscht werden, so stehen sie zu Diensten. I. Nertt«, 8. Zuli. (Or. Eorr.) Zn Betreff der in Zhrem vorigen Blatte sehr kurz erwähnten Versammlung de» hies. Verein» für palästinensische Angelegenheiten dürfen Sie Zhren Lesern noch berichten, daß der Beschluß, ein Waisenhaus in oder bei Zerusalem zu gründen, mit voller Einstimmigkeit gefaßt ist, und daß alsbald einige erhebliche Beiträge angemeldet worden sind. . Die Einstimmigkeit der Versammlung bezog sich aber auch auf die vorgetragene Schilderung der Roth- und Uebelstände unter der jüd. Bevölkerung Palästina», und dies« Schilderung fußte wesentlich auf der (in Zhrer Red.- Anmerkung im vor. Bl. erwähnten) Denkschrift, welche, von Prof. Grätz und den beiden Herren M. G. und A. Lewy unterzeichnet, nicht veröffentlicht, aber privattm mitgethellt ist. Der Vorstand de» Palästina-Verein», zu dem auch Herr M. G. Lewy gehört, vertrat und vertritt die dort dargelegten Ansichten über die Nothwendigkeit und Dringlichkeit von Maaßregeln zur Abhülfe der Notbständ« in Palästtna. Zum VereinSvorstande gehört auch Herr Rabb. Dr. Hildeöheim er, er ist dessen Vorsitzender; ich kann Ihnen posittv versichern, daß dieser Herr die Denkschrift vorher gelesen und gebilligt hat, diese» natürlich im Allgemeinen, nicht in Beziehung auf jede Spezialität, die nur der Augenzeuge al» eigene Wahrnehmung behaupten und vertreten kann und will. — Damit widerlegen sich denn auch am besten die von mir nicht roeiter zu^ualifictrenden «»«fälle de» vr. Lehmann im „Israelit" gegen jene Denkschrift und ihr« verfaffer. Oder bester: nur gegen die Personen der letzteren. Prof. Grätz hat die Schrift unterschrieben — die« genügt, um die Schale de» „I»rael,t" mit Galle zu füllen und avSzugießen. Doch sei e« um Prof. Grätz, zu dessen Ritter ich mich nicht aufzuwerfen habe und der dem vr. L. wenigsten» Anlaß gegeben hat, ihn zu bekämpfen. Wa« aber will er von den beiden „Kaufleuten"? Er kennt sie nicht, er weiß von ihnen nicht», aber sie haben mit Prof. Grätz gezeichnet, daß genügt wieder, um sie zu verdächtigen und zu verläumdem. Erst verläumden — da» Weitere findet sich. Wie seltsam dazu im Mund« de« Herrn Rabbiner» dieser wegwerfende Ton, mit dem er die „Kaufleute" behandelt. Sie haben, meint er, schwerlich gewußt, wa« sie unterzeichnen.*) Ihre Absicht ist, die Bewohner, die Armen de« heil. Lande» zu verläumden. — Und diese Männer sind in reinster Absicht gereist, und reinste edelste Absicht hat ihr Hex, angetrieben, Vorschläge zur Bessergestaltung zu machen! M. G. Lew« ist dabet ein Mann, der durch seine gediegenen Kenntniffe im Hebräischen, wie in den Fächern der allgemeinen Bildung und durch sein rastlose» Streben und Wirken für all« jüdischen Zntereffen sich hier in eonservativen Kreisen solche Anerkennung erworben hat, daß er, der erst seit etwa 4 Zähren hier wohnhaft, aufgesucht und vorgezogen, unter andern in den Vorstand de» Beth-hamtdrasch und de» Palästina-Verein» gewählt worden ist. Ein in Großgemeinden gewiß seltener Fall und «ine höchst ehrende Anerkennung. Wie kennzeichnet sich nun da« Verfahren de» vr. Lehmann? •) Möchten doch nur meine Herren »mt»,«nossen mit ihren Unterschriften, z. B. unter Bettelbrief, und Prot«»«, so »«sichtig sftn, wie «ausl-ut, p, üderlegen gewohnt find, wa» st« unterschrttdenl X.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.