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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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ohne Vertreter de- Zudmthums zu hören. Mt den bestehenden Verhältnissen der Juden in der Provinz Hannover erklärte der Referent sehr wenig bekannt zu sein, well ihm während seiner Thätigkeit in dieser Branche noch gar keine Acten aus Hannover Vorgelegen hätten, während manche kleine Gemeinden z. B. in der Provinz Posen dem Ministerium, also zunächst ihm, daganze Zahr hindurch zu schaffen machten. Es müsse also angenommen werden, daß die Organisation in Hannover gut und ruhig arbeite. Endlich sei noch erwähnt, daß dem LandeSradbiner Dr. Meyer Reisekosten und Diäten (letztere auch für den 1b. Zuni, „well des Sab baths wegen am 14. Abenddir Rückreise nicht mehr angerretea werden konnte") ausgezahlt worden sind und zwar mit folgendem Vermerk: „Rach der speciellen Bestimmung Er. Ercell. de- Herrn Ehefunter Annahme der Sätze für Generalsuperintendenten festgrstellt". — Daist freilich ein sehr geringfügiger Gegenstand und nicht der Erwähnung werth für denjenigen, der über äußerliche Ehren und Rangvorurtheile erhaben ist. Es ist aber doch möglich, daß einzelne Leser der Anficht sind, esei nicht ganz einerlei, ob der preußische Cultus-Minister .einem Landrabbiner — wenn auch nur in Bezug auf einige Thaler Diäten mehr oder weniger — einem Generalsuperimendenten oder einem Küster u. dgl. an Rang gleichstellt. — — a. Hannover, 30. Zuni. (Or. ttorr.) Dir hiesige israelittsche ReligionSschule befand stch schon seit Zahrm in einem sehr wenig befriedigenden Zustand«, die Ursachen find ^dahier allgemein sehr bekannt, eine öffenllich« Erörterung ist jedoch nicht am Platze. Rach langem Schwanken hat die Ge- -Deindevertretung sich entschieden, durch Anstellung eine« neuen Ober-Lehrers die Schul« zn rrorganisiren. Die Repräsentanten haben einstimmig beschlossen, für den etwa erforderlich werdenden Mehrbedarf die Summe von 2500 Thlr. als Nachtrag zum Etat zu bewilligen, den bisherig»» Oberlehrer, vr. Wiener, mit vollem Gehalt zu penstoniren und den vr. Korest an dessen Stelle zu berufen. Für die Wahl des Letzteren ist dir zu hoher Befriedigung aller Anwesenden ausgefallene Probelection maßgebend gewesen. Daß vr. Wiener, obgleich derselbe weder durch eine sehr lange Dienstzeit, noch conttactlich, oder gar (Gottlob) durch körperliche Znvalidität daraus Anspruch hat, unter so günstigen Bedingungen in Ruhestand versetzt ist, ist ein Fall, der wohl seiner Seltenheit wegen, Erwähnung verdient und ohne Widerrede unsrer Gemeinde zu hoher Ehre gereicht. Daß der hiesige Korrespondent der A. Z. d. Z., der sonst so manche» zu berichten weiß, diese» zu erwähnen vergessen hat, ist den Hiesig« frellich erklärlich. Schwerer erklärlich ist die nicht ganz gerade Darstellung, welch« die jüngst« Eorrespondenz de» erwähnt« Blattes über die Rabbinerwahl in HildeSheim gegeben hat. Der hiesige Landrabbiner hat die interimistisch« Verwaltung des Landrabbinats Hilde-Heim auf Weisung der vorgesetztm Behörde übernehmen müflen; dieses Provfforium in die Länge zu zieh« oder gar zum Defiuitivum werden zu last«, fällt ihm nicht ein, vielmehr hat er, wie alle betheiligten Borsteher u. s. w. wissm, stch bemüht, die Wahl eines Rabbiner» für Hilde-Heim zu fördern und zu beschleunigen. Ebmso» indirect, bei dm Behördm; direct konnte er nicht» dazu beitragen, wie sich von selbst versteht. — G. Lotterg, 27. Zuni. (Or. Corr.) Dem auch in wetteren Kreis« bekannten vr. woä. H. Hirschfeld ist jüngst tu Anbetracht seiner ärzllichw Verdimste um unser Bad und unsere Stadt, besonder» aber für sein« außerordentlich« Thättgkett in dm Krieg-jahr« 1870/71 der Eharakter alt Sanitätsrath von Bungm verlieh« worden. Es verdient hier er. wähnt zu werd«, daß vr. H., obwohl vielbeschäftigter Arzt, ein warme» uns hohe» Zntrrrss« für die Bewegung« des Zudmthum» sich zu erhalt« verstand« hat und seine vielfach in Anspruch gmommenr Kraft auch mtt lobmswerthm Eifer dem Dimste der Gemeind« weiht. — (Herr vr. H. ist auch Mohrl; ich habe ihm einst bei dieser Function zugesehm. Daß rin prakttscher Arzt «ine für ihn so geringfügige, d. h. sehr leichte Operation geschickt vollzieht, ist selbstverständlich; aber es gewährt doch ein wahre» Vergnügen, sie kunstgerecht vorgenommm zu seh«, und ein doppelte», wmn ein jüdischer Arzt dabei religiöse» Gefühl zu erkmnm giebt. Ein Gleicheerfahren wir aus Magdeburg, woselbst der nunmehr pmstonine Oberstabsarzt vr. Rosenthal und vr. Wiesenthal mit Geschick und religiöser Hingebung diese Function« üb«. Red.) T. Heturoktz, 23. Zuni. (Or. Corr.) „Wer dm Bestm seiner Zett gmug grthan, der hat gelebt für alle Zeit«." Wenn dies Dichterwort unzweifelhaft wahr ist, darf man von ihm auch wohl die Anwmdung mach«, daß, wer in seinem Kreise gmug gethan, auch für die Menschheit in seinen Verhältnissen gmug gethan und seine Aufgabe in ihr erfüllt hat. Bon diesem Gesichtspunkte au» werd« Sie — von persönlichen Verhältnissen abgesehen*) — dem Andenken eines Verstorbenen, der freilich weder berühmt geworden, noch sein« Ramm in die Tafeln der Geschichte eingegrabm hat, rin ehrmdes Plätzchen in Zhrem Blatte einräumm, und weil derselbe in sein« Kreis« stch die Anerkmnung und die Bekehrung Aller in ungewöhnlichem Maaße erwarb« hat. Unser thmrer Etadtsecrrtatt B. Oltendorf ist am vorig« Dimstag eine» wiederholt« Schlaganfall erleg« und sanft entschlummert. Er hatte, wie Wmige, seine bürgerliche, social« und materielle Stellung sich selbft geschaffen, ja auch sein« Geistesbildung hatte er dem eigen« Fleiße zu dank«, da er außer der jüdisch« Elementarschule keine wettere Lehranstatt besucht hatte. Au» der bescheidensten Stellung eine- „Schreibers" bei einem Privatmanne, dann bei dem Stadtsyndi«» durch die halb- oder viertelamtliche eine- „Stadtschreibers" — da in der Zeit ein fürstlich lippischer, noch ganz und gar mittelalterlich gestellter „Echutzjude" natürlich keine „Anstellung" erlang« oder auch nur erträum« konnte — stieg er zu der Stufe des Stadtsecretairs auf. Und wenn man auch diese an sich zu unbedmtmd find« möchte, um von eiuer solch« besonder« heutzutage, Aufhebms zu mach«, so wolle man beacht«, daß nicht immer die Stelle dm Man» «acht, fände« auch der Mann die Stelle hebt. DaS galt von Oltmdorf, er gmoß in seinem Post« eines Vertrauen-, um das ihn mancher der Höchstgrstellten auf Erden in ihrer Stellung bmeib« möchtm. Häusliche und öffmlliche Angelegenheiten, Geld und Credit, Ehre und Besitz legten Hunderte getrost in seine Hände u. er verdiente dies Vertrau«; damit ist allegesagt. Und doch nicht alles, denn da» spräche nur von strengster Redlichkeit und Zuverlässigkeit, nicht von der Hingebung, mtt der er Zä>«m zu dimm »nd zu helfen berät war; wie er dabä dir Pflicht« des Dimstes mtt dm Eingebungen änes Herz«», welchegern jedem wohl und niemandem weh thun mochte, zu veränigm verstand« hat, da» wäß — wohl nur Gott. Säne öffentlichen und Nebenämter und Beschäftigung« waren schier zahllos, alle wurdm pünftlich versehen; dabä war er *1 Der Red. betrauert tn dem Heimgegangenen feinen um ein Geringe« älteren „treuen Lameraden" au» frühester.Lindheit u. bi« an» Lade »ärmsten Areunb.

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