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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 28. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 28.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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220 gemacht hrbe. Das Allgemeine sei daS Höchst«; e« komme I diese Krage damals gefällte Urthcil über den in den jüdischen darauf an, daß anch daS Zudmthum dam Ganze» sich anschließe u.ch sei« Besonderheit «ssgebe. Reet. Horwitz »andte fich tan» i» «sfWktcher Rede gegen Kleist-Rrtzow, dessen AnstHEn ß» Bezdg auf de» christlichen Staat antiquirt seien, so daß sie einer Widerlegung nicht bedürften. Gleichheit der Rechte bei Gleichheit der Pflichten sei et» »tht »>rhr bestricken er Grnndsatz. Di« Juden wollten eben keine Besonderheit; die Gemeinden schreckte» instinctmäßig vor jeder Organisation zurück. Daß dt« Luden nicht das einzige Bataillon germanischer Pioniere sei«, habe er als srlbstverstö »blich vorausgesetzt und könne den Redner darüber beruhigen, daß nicht ein Baiallion Mesopotamier die Schlachten Deutschlards zu schlagen habe. Aber unterschätzt dürfe der Einfluß dn Juden auch nicht werden. Minister Falk bedauerte den unliebsamen Zwischenfall, auch constatirte dann noch ein liberales Mitglied (Paur), daß auch von den christllcheu Mitgliedern die Anficht vom christlichen Stc ate als antiquirt betrachtet werde und in der Versammlung keinen Auklaog finde. L. R. Meyer erklärte, daß er sowohl das Lob wie den Tadel als unverdient ablehnen müsse. DaS Zudenthum verlange sein volles Recht im Staate, dem eS freudig und willig Alles gewähr«, was der Staat in Bezug auf allgemeine Bildung fordrrn könne, natürlich dabei voraussetzend, daß der Staat in daS Innere seines Glaubens sich nicht einmisch«; wie daS u Hannover auch nie geschehen sei, wo aber auch der christliche Vorsitzende nie Anstand genommen, die Zeugnisse Über jüdische Religion zu unterschreiben. „Verirrungen," wie die vom Redner aus Pommern beklagten, seien doch nicht so fest«. Er habe erst jüngst eine jüdische Elementarschule ifi-i fpicirt, in der nur 7 jüdische Kinder, aber 18 christlich«; und grade aus den besser« Ständen, gewesm sei«. Dagegm sei auch am jüdsschm Seminar zu Hannover ein Christ als zweiter ständiger Lehrer definitiv angestellt. Er könne daher den Vorwurf des Partikularismus ablehnm, müsse aber die Selbstständigkeit des Judenthums wahr«. Er stelle fich auf dm vodm der real« Verhältnisse; und so lange confesstonelle Schul« auf christlicher Grundlage beständen, nammtlich auf dem Land,! und in dm Fleck«, sei auch daS Bedürfniß für jüdische Lehrer vorhanden, dem der Staat abhelfm müsse. In Hannover sei« nach der Statistik von 1868, 80 Wische Schul« gewesm, wovon 89 Elementar- und 21 ReligionSschulm. Das Bediirfniß nach jüdsschm Lehre« fei also größer, als augenomn«. Iüdssche StaatSseminarim würdm aber von dm Juden selbst nicht gewünscht werdm, wie dmn die Gemeind«, namentlich die altpreußsschm, für die zu red« er übrigens durchaus kein Mandat Hab«, allerdings mit ängstlicher Sorgfalt Alles ablehnt«, was ihn» eine exclusiv« Stellung geben timte. Das Richtige sei, daß der Staat dm jüdsschm Seminariin beihelsmd zur Seite stehe, denselben die fidea publica und ihren Lehrern die Rechte der StaatSdiener in Bezug auf Pensionirung u. s. w. gewähre, sie aber sonst als selbstständige, auS dm Gemeind« hervorgehende Anstalt« anerkenne und sein Oberauffichtsrecht durch Delegirung von Schulräthm auSübe. — Es wurden dann noch Berichtigungen von verschiedmen Seit« gegeben, z. B. von Richter: der Borwurf des PartikularismuS sei nicht persönlich gemeint. Bon Horwitz wurde dann auch noch auf die Debatte über die Schulaufsicht in Rakel und auf ')<£ von dem anwesenden Refermtm (Paur) über Religionsbüchern herrschenden universell« Saft hingewiesm. Dm Minister schnitt ein weiteres Eingeh» in diese Details ab setzte, bann in einem überaus lichtvollem Resumö auseinander, baß am» das Bedürfniß Wischer Lehrer und demgemäß auch von Anstalt« zur Bildung derselbm, allgemein anerkannt Hab«; daß der Staaj sich der Wicht und des Rechtedabei mitzuwirkd» nicht «sschlagm könne; daß jüdisch« Staatsseminarim nicht angezeigt seien, aber den zu bildenden jüdisch« Seminari« staatliche Beihülfe, sowohl materiell als ideel, durch Anerkmuung und Gewährung d«S Rechtes zu Prüfung«, zu wünsch« sei, dass die Gründung und EinrichNmg der Anstalt« eine gemischt«, auS der Initiative der Gemeinden und Corporatioum einerseits und deS Staates, bezw. der Provinzialverbände andrersints hervorgehmde, sein müsse, und dabei daS in Hannover gigebene Beispiel Nachahmung verdime. — (Siehe noch unter „Stettin".) Berichte' und Correspondenzen. Devtschtan-. Stettin, 30. Juni. Dem Berichte über die Confermz im Cultus-Ministerirun, dm wir im Leitartikel gegebm Hab«, lass« wir noch einige Notiz« über weiteredaran Geknüpfte folg«. J Die Herr« Honvitz und Meyer warm nebst dm übtigjj Conferenzmitgliedern am 14 zum Diner beim Minister gela? dm und erfteutm fich vielseitiger Aufmerssamkeit und >n«- kenmmg. Eine Episode;- ein Nachtisch-Gespräch, thetlm wir hier inhaltlich nüt, bezeichn« jedoch di« Redewechselnd« nur mst A und B. Gq>en ein Errathen der Ramm haben wir nchts eiuzuwrndm. A. Sie müssen daS abgelehntr Lob doch annehmm, es ist wohlgemeint. —!9. Ich ehre jede Urberzeugung, es glaubt ja ein jeder die Wahrheit zu haben. — A. Es giebt aber doch eine objective Wahrheit. — B. Das müssen wir einem höheren Richter überlassen; wenn Sie aber gesagt haben, es sei sündhaft, und der Staat begehe eine Sünde, wenn er sich um jüdische Lehrer kümmere ... — A. Bitte, da- Hab« ich nicht gesagt. — B. So haben Sie es gedacht! Also ich meine, dann wollm Sie doch bedenk«, daß es, von allem abgeseh«, dem Staate doch liA«r sein muß, wohl unterrichtete und erzogme Zudm zu haben, als rohe und unwissmd«. — A. Damit bin ich ganz einverstandm und Hab« auch wirklich gegen eine StaatShüsse zur Ausbildung jüdischer Lehrer durchaus nichts einzuwmdm. Dr. Meyer hat sich auch bei seiner Vorgesetzten Oberbehörde» dem Ministerium des Inneren, gemeldet. Der Chef war zur Zeit von Berlin abwesend. Ueber das, was er bei dem Unterstaatssecretair und dem speciellen Referent« verhandelt hat, gestatten wir uns, einige Andeutungen zu veriffmtlichen, soweit eS algemein interesstrt und ohne Mißbrauch vertraulich gemachter MIttheilungm angeht. Dies Allgemeine betrifft die künftige Gestaltung der Gesetzgebung über die jüdischen Gemeindeverhältnisse, oder wenn man will: deS Gesetzes von 1847 (obgleich von diesem insbesondere keine Rede war, da eS auf Hannover keine Anwendung hat.) vr. Meyer erhielt die Zusicherung und nahm die Zuversicht mit, daß man über die jüdisch« Gemeindeverhiltniffe nichtbeschließen werde

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