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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 27. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 27.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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r 21b ficmeinbc da» Verlangen hervorgerufen, durch gemeinsame» Wirken solcher Schmach entgegenzutreten. Eine am 2. Mai stattgefundene Versammlung angesehener Gemändeglieder hat diesen Gefühlen und Absichten -lu-druck gegeben. Die darin ausgesprochene Ansicht ging mit seltener Ueber- «instimmung dahin, daß zunächst allerdings den verfolgten und beraubten Glaubensgenosse» in den Ländern de» Orient» eine möglichst ausgiebige Unterstützung zu lbeil werde» müsse; daß jedoch das Augen,ittu vorzüglich dahin gerichtet werden solle, hier in Wien ein Eentlalorgan als Mittelpunkt eines zu bildenden Vereine« zu schaffe», der zur Aufgabe sich setze, für den Rechtsschutz der Israeliten in den Ländern des Orients, für ihre gesetzliche Gleichberechtigung mit den Bekenner» der anderen Religionen, sowie überhaupt sür dir bürgerliche und sittlich« Hebung der Glaubensgenossen einzutreten. Beinahe allen Rednern, die in der erwähnten Versammlung da« Wort ergriffen, schwebte dabei die zu Paris bestehende Alliance israälite als Vorbild de» zu gründenden hiesigen Vereinvor. Die beiden Hauptgrundsätze der Pariser Alliance israölite lauten: 1. Ueberall für die Emancipation und den sittlichen Fortschritt der Israeliten zu wirken. 2. Eine wirksanie Stütze Denjenigen zu bieten, die wegen ihrer Eigenschaft als Israeliten zu leiden haben. Um diese großen Zwecke energisch zu unterstützen, sind in jener Versammlung allsogleich namhafte Beittägr gezeichnet worden und allgemein war man der Ueberzeugung, daß in dem weiten Kreise unserer Eultutzgemände entsprechende Beiträge zur Förderung dieser Ziele einfließen werden. Für die Ausführung de» Ganzen wurde von der Versammlung ein Eomitö niedergesetzt, das sich seitdem constt'tuirt und mit Gegenwärtigem die Ehre hat, Ew. mit der Bitte anzugehrn, vorläufig durch Betheiliaung an der Subscriptton die bezeichneten Zwecke zu fördern. Im Sinne der uns gestellten Aufgabe soll ein Theil der jetzt einfließendrn Beiträge zur Linderung des Nothstandes der verfolgten und beraubten Israeliten Rumäniens verwendet, die größere Summe jedoch für die Zwecke des nach dem Muster der Alliance israölite hier in Wien zu bildenden Vereines ,e» servirt werden. Wir haben bereitdas Nöthige eingeleitet, damit die Berthälung der Gaben in Rumimien durch dorttge hochangesehene, competente und mit den verhaltnißen vertraute Personen geschehe — uubeschadet der bei den rumänischen Behörden geltend zu machenden Entschädigungsansprüche. Wir haben sodann aus unserer Mitte ein Special- Comitä mit der Aufgabe betraut, die Statuten des zu bildenden Vereins zu formuliren, die nöthigen Verhandlungen mit einflußreichen Personen zu pflegen, einleitende Schritte sür die zu erwirkende Zustimmung der Regierungsbehörden zu thun und einen Entwurf der Statuten vorzübereitrn, welcher möglichst parallel mit den Bestimmungen der Pariser, Londoner und Berliner Vereine für gleiche Zwecke sich halte, ohne Beeinträchttgung des selbstständigen Wirkens deS hier zu bildenden Eomttö'S. Da» Ergebniß dieser Bemühungen, insbesondere der Etatutrnentwurf, soll eitler einzuberufende» Versammlung aller Genosseu. welche durch Beiträge zur Förderung unserer Zwecke sich berät erklärten, zur BsrrtHeilung und Auuah«« vorgelegt werden. Dieser Versammlung wird dann auch selbstverständlich das Recht zustehen, da» definitto« Eomttö zu wählen. Die sehen, verrhrter Herr, daß cs sich um Erfüllung von Pflichten handelt, die jüdischen Herzen, ja dir allen menschlich mitfühlenden Gemüthern heilig sind. Unserer Mettopole ziemt e», hierbä in die erst« Linie zu treten. Wie» ist schon durch seine geographische Lage berufm, dem Humanitären Wirken unserer Glaubensgenossen im Abevdlande zu Gunsten der lädenden und bedrückten Israeliten in den Ländern de» Osten» gewissermaßen al» Vorort zu dienen. Bereinigen wir Alle», wa» in unserer 'Mitte an Talent und Kenntnißen, an bürgerlicher Stellung und Einfluß in so reich«« Masse vertreten ist, zu einem werkthätigen Bunde, und wir rverden - mit Gottes Hilfe — viel und Nachhaltige» wirken ■ können zur Verbesserung der rechllichen und bürgerlichen! Stellung der bedrückten Brüder unseres Glauben» in de» j Ländern, die sich der Institutionen nicht erfreuen, welche unserem Baterlande zur Ehre und zum Ruhme dienen. Dabei wird der zu begründende Verein auch nicht versäumen, zur Hebung der bürgerlichen und sittlichen Verhältnisse der Israeliten in unserem Baterlande werkthätige Mitwirkung eintreteu zu lassen. Erlauben Sie uns, verehrter Herr, Sie mit dem Worten der heiligen Schrift zum Beiiritt einzuladen: Der Eine viel, der Andere wenig, Jeder nach seinen Kräften. Wien, im Mai 1872. DaS Hilfs-Eomitä für die Isralieten im Oriente: Jacob BrandeiS Annini» Sohn. Moritz Ritter von Solbschmidl. Samuel Soltlicb. Dr. Moritz Güdemann, Rabbiner untz Prediger, vr. Adolph Iellinet, Prediger. Moritz Freiherr von Ksniztzwarter. Dr. Leopold Vr. Jgna, «»randa. »tzotph Neustadt. Lwpotd Popp« Ritter von Podrägh. Bernhard Singer. Dr. Sarl Ritter von Seil, k. k. Hoi- und Ministerialrath. Joseph Ritter von Derlheimer. lkduaid Wiener Ritter von Selten. L). K. Zu» Müßrc», 28 Juni. (Or.-Corr.) Wenn der Wurvl an den Wurzän äner Pflanze nagt, dann pflege, auf änzelnen ihrer Blätter gehämnißvolle Flecken aufzutauchev, die untrüglichen Vorboten baldigen Absterbens. Wenn in einer Gemänschaft von Menschen, äner Veränigung von Gemeinden, in mehreren unter ihnen dieselbe traurige Erscheinung zu Tag« tritt, dann muß ein tteferer Grund vorhanden sän, der jene hervorgetäeben, der aufgesucht und weggeschafft werden muß, wenn nicht völligem Verfalle soll entgegengegangen werdrn. Es muß etwas faul sein im Lande Mähren, denn in mehreren zerstreuten Gemänden sehen wir dir Thatsache wiederholt, daß sie ohne Rabbiner stehen, thäls seit langet' Zät, thäls seit Kurzem, wenn sie ihren Rabbiner ocriorm und einen solchen nicht wieder aumehmen. So Prerau, Butschowitz, Bisenz, Schafa, Austerlitz, in letzter Zät scheint Lundenburg, das kürzlich seinen Rabbiner verloren hat. verbreitäen Gerüchten zufolge, den genannten Gemeinden in der Rabbinerlosigkeit sich anschließcn zu wollen. Was ist die Ursache dieser Erscheinung? Als vor Jahren veßprim in Ungarn den Einfall hatte, der Behörde gegenüber den Rabbiner als „Luxus" zu bezächnen. i>rn sie entbehren wolle, ging Spott und Entrüstung darüber durch alle Gewänden. Heute schäm diese frivole Anschauung in Mähren sich zur Mode durchdrungen zu haben und wo irgend (Gelegenheit sich bietet, wird diese Meinung in'» Thatsächliche übersetzt, so in Schafa, Butschowitz, Austerlitz in jüngster Zeit, sollen wir sagen — auch in Lundenburg? Und doch könnte äne ernste

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