Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 26.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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20- Feuilleton. 3n rinrn Postwagen Orzählungni von TO. Voldschmtdt (Ä#n|ftung.) Wahrscheinlich würde man im Postwagen über diese Geschichte viel gesprochen haben, aber der hurtig rollende Wagen sührte uns an einem Handwerksburfchen vorüber, dessen Kleider zerlumpt und dessen Füße nackt, während ein paar Stiefel nn seinem Ränzel angebunden waren. Als er in den Wagen sah, rief er aus: „Da fahre» die verfluchten Juden stolz einher, während unser Eins zli Fuß gehen muß!" — Wenige Minuten später stieg der Weg bergan und wir mußten langsam fahren, so daß uns der langbeinige Bursche wieder ein* holte. Herr Pollock bolte ein Fünsgroschenstück hervor und ,,ab es dem Burschen, der die Gabe mit einem Gesicht empfing, welches einen eulenspirgelartigen Ausdruck hatte, während er offenbar über seine» Fluch beschämt war. Als wir uns wieder von ihm entfernt hatten, sagte Herr Pollock ruhig: „Im Günstigen l'tbtit wird er vielleicht fahre» »nd ich werde gehen müssen, und er wird mich vielleicht zwingen, ihm für eine Gabe zu danke». Aber was man bat, das hat man." Herr Pertsch sagte: „Leine zerrissenen Kleider erinnenl mich an eine Geschichte." „faßt sie hören", sagte Herr Pollock. „In einer bömischen Stadt", Hab Herr Pertsch an, „war ein Rabbi, der das Wort kannte"). Er hatte drei Söhne und als der älteste in die Welt hinaus wollte, erlaubte der Baier ihm einen Wunsch, damit er fein Glück machen könnte. Der Lohn wählt« Schönheit. Wohin er kam, ward er auch von den Weibern geliebt und würde sich glücklich gefühlt haben, hätten ihn nicht die Männer im gleichen Grade gehaßt und verfolgt. Er kehrte daher zum Pater zurück und bat, daß kein Mann ihm Böses anzuthun im Stande sein möchte. Der Pater sagte: „Du nimmst einem Deiner Brüder einen Wunsch weg, hast aber so gefährlich gewählt, daß ich Dir willfahren will. Es sei denn, wie Du bittest." — Der Sohn ging wieder in die Welt und ward wiederum glücklich, bis eines Abends ihm ein Weib aus Eifersucht eine Nadel ins Herz stteß. „Als der zweite Lohn ansziehen wollte, erlaubte der Bater auch ihm einen Wunsch, und er wählte Stärk«. Es geschah auch, daß er überall siegle, wohin er kam. Er schlug aber so viele Menschen zu Krüppeln, daß er jeden Augenblick Gefahr lief, eingekerkert und verurtheilt zu werden, und sich nur init großer Mühe retten konnte. Vergebens bemühte er sich, friedfertig und sanft zu sein: sobald er Einen nur anfaßte, zerbrach er ihm Arm oder Bein. Zulept ging er zu einem klugen Mann und bat um Rath, und der ktuge Mau» sagte, er wolle ihm helfen, zuerst solle er aber schwören, daß er ihm in Allem und Jedem gehorchen wolle. Das gelobte und schwur der Starke. Daraus machte ihn der kluge Mann zu seinem — Hausknecht. „Als der dritte Sohn in di« Welt ziehen wollte, sagte ihm der Vater; „Für Dich habe ich jetzt Nichtübrig und vielleicht ist es besser so, denn Deine Brüder haben gewünscht und es ist ihnen übel bekommen. Gott hat Dir ei» gutes uud dankbare» Herz, gegeben, geh« mit Gott und stehe, wohin er Dich führt." „Der Sohn zog au- und ward ein Handwerksbursche. „Eine- Tages kam er auf seiner Wanderung an «inen Hof oder «in Landhau«,, da» einem Juden gehörte, und er ging hinein, um einen Reisepfennig zu bitten. Der Besitzer war verreist, aber seine Frau zu Hause, und sie hatte eine andere Fron zum Besuch bei sich. Wie es oft geht: in der Gegenwart Anderer wird man wohlthätiger, als man sonst zu sein pflegt, und die Hausfrau gab dem Burschen erst eine Mahlzeit, dann einen Zehrpfennig und als er sich mit Dank verabschiedrn wollte, und ste sein zerlumpte» Kleid sah, sagte sie; „Wartet unmal, ich muß noch einen abgetragenen Rock meines Mannes haben." Sie kam auch bald mit einem blauen Frack zurück, den der Bursche außerordentlich schön fand. Er fürchtete sich nur, daß die Frau die reiche Gabe bereuen könne, zog daher im Vorhof den Frack eiligst an. warf seinen allen Rock von sich und ging. „Die Frauen standen ain Fenster und sahen, als er ihnen den Rück:» kehrt«, daß der eine Schooß des Franks abgerissen ivar, und während es ihnen um den armen Bnrschen leid that, konnten sie jedoch nicht umhin, zu lache». Er hörte ihr Lachen, glaubte aber, es sei nur aus Freude, ihn so glücklich und so geputzt zu sehen, kehrte sich daher um und grüßte mit dankbarem Lachen, was sie noch mehr lachen machte. „So schritt er des Weges einher und wo er Leuten begegnete, lachten sie, was ihn, weil er selbst so froh war. nicht verwunderte. „Er kam durch eine Stadt, wo der Richter am Fenster stand. Dieser Richter litt an einem Geschwür, das die Aerzte nicht heilen konnten. Als er den Burschen im einschößigen Frack so glücklich einherstolziren sah, brach er in ein so heftiges Gelächter aus, daß das Geschwür aufging und er augenblicklich eine große Linderung verspürte. Er sandte einen Bote», der den Burschen einholle und zu ihm führte, und er sagte zu ihm; „Da, nimm einen Gulden, um der guten Wirkung willen, die Dein einschößiger Frack auf mich gemacht hat!" „„Ach", sagte der Bursche „was nützt mir jetzt Euer Gulden? Ihr habt mir die frohen Gesichter aus der Welt genommen und das Beste obendrein: meine Dankbarkeit gegen die Frau, die mir im Frack geschenkt hat." „„War Das Dein Bestes? srug der Richtet. „„Gewiß", antwortete der Bursche. „„Dann bist Du ein dankbarer Mensch und sollst bei mir bleiben, damit ich Dir Gutethun kann. (Fons, folg:.« Die Este und das Fegefeuer. In Irland prüfte neulich ein Pfarrer eine Eonfirmanden- Klasse und fragte: „Was ist das Sakrament der Ehe?" Ein Mädchen, welches zu oberst saß, antwortete: „Das ist ein Zustand der Qual, in den Seelen kommen, um für eine andere, bessere Welt vorbereitet zu werden." Das ist ja die Antwort für das Fegefeuer", sagte der Pfarrer; der Bicar aber schrie hefttg auf: „Setz' dich herunter, setz' dich sogleich zu uaterst in der Klasse!" „Laßt sie sitzen, sprach darauf der Pfarrer, dmn soviel wie wir beide davon verstehen, kann sie ja ganz Recht haben." (I. Tim.) ') Da» Zauberwort, welche« Macht über die Seisterwelt hat.