Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 25.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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200 füge ich noch bei, daß Herr Prof. Wolff» wie er bei sämmtlichen feierlichen Gelegenheiten in den unter Nr. 344 genannten Pereinen als Ehrengast «ingeladen, auch schon seit einer Reihe von Zähren erstes und einziges Ehrenmitglied dieser beiden Vereine ist. Loutämev. Bukarest, 3. Zuui. Ter Unterschied zwischen den jüngsten Zudenhetzen in Rumänien und den ihnen vorangegangenen besteht in dem Umstande, daß diesmal erstere in, der ^!erson der Excrdmtm, dem Ausspruche unserer Gerichte unterworfen wurden. Dir Schwurgerichte haben ihr Verbiet darüber abgegeben und die faktisch ausgeübten Hetzen durch die Freisprechung der Excedmtm de jure gutgeheißen. Ein völlig neuer Zug dieser entwürdigenden Ereignisse ist aber, daß auch auf ilichtssageiid« Gründe hin die von den Verfolgungen Betroffenen, die armen Opfer selbst, noch außerdem in den Kerker gesteckt wurden. Wenn früher die Hetzen auf Rechnung der R Gierungen geschrieben werden konnten, welche dieselben direct unterstützten und belohnten, so hat man jetzt dem Minister tzostaforu dm Vorwurf zu machen, daß er die Vrrurtheilung der fünf Israeliten auf seinem Gewissen hat; den es ist eine feststehende Thatsache, daß ihm gesetzliche Mittel zu Gebote standen, die Sache noch im Keime zu unterdrücken, es wäre ihn ein Leichtes gewesen, durch Opofition gegen die chieanöse Ordonanz der Fokschaner Anklagekammer zu verhindem, daß die Zuden in die Krallen der Jury fallen; daß er dies nicht gethan, kann man durch zweierlei Annahmen erklären! entweder wollte er unsere Jury auf die Probe stellen und sie rventuel vor den Augen der Welt völlig compromittiren, oder aber er fürchtete sich die Popularität zu verlierm, wenn er die fünf Opfer der Wuth des Volkes entrisse. Zn beiden Fälle» hat er strafbar und grausam gehandelt, denn es ist ihm weder zu verzeihm, daß er sich der unschuldigen Zuden bediente, um sich eine Institution vom Halse zu schaffen, die ihm allen möglichm Verdrug bereitete, noch auch, daß er aus feiger Anst vor dem Verluste der Neigung einer unwissendm, verderbtm Menge sich scheute, der Gerechtigkeit Sattsfactton zu gewähren. Der grüßte Tadel indessen, der ihn offmbar trifft und ihn unzweidm.ig schuldig macht, ist der Umstand, daß er nur 2 der unglücklichen eingekerkerten Zsraeliten der Gnade des Fürsten empfahl und die andem drei, trotz der Colectv-Note der Consul», trotz der Manifestation der auswärttgm Presse, trotz der Vorstellungm der Regierungen, noch im Gefängnisse schmachten läßt. Dies rechtfertigt die Angriffe, die man gegen den Zustizminister allerorten richtet, und b e Anahme, daß es bei ihm auch nicht ganz geheuer sei. Dieser schwankmden, zweideutigen Haltung des ZusttzministerS, dm Felgen seiner bösen Thal habm wir die infame Entheiligung des Romaner Friedhofes zu verdanken. Ebenso hat er den Zaffyer Municipalrath ermuthig', einperfide Verordnung, welche die Regierung Bratiano's uns vererbt hat und nach welcher es Zudm nicht gestattet ist, christliche Dimer in Kondition zu habm, wieder aufzufrischm und mit Gewalt zu erecuttren. (N. ft. Pr.) Vermischte und neueste Nachrichten. ZierK», 12. Zuni. Zn seiner Rede zur Eröffnung der Berathungen der Volksschulcommisston erwähnte der Kultusminister auch der „Vorbildung der jüdischen Lehrer" alS einer noch »ich: zum Abschluß gebrachtm Frage auf de« Gebiete des Unterrichtswesens. (Herr Falk gedenkt doch wmigstens der jüd. Lehrer, wir wollm sehm, waS er thun wird. Red.) Die „Magdeb. Zeit." berichtet hierüber wie folgt: Unter dem Vorsitze des CultuSministerS vr. F a l k setzte die Conferenz zur Berathung über das Volksschulwesen heute ihreVerhandlungen fort. Znderersten Conferenz hatte derEultusminister darauf hingewiesm, das eS nöthig sein werde, bei der Besprechung über die Lehrerbildung auch die Bildung der jüdischen Lehrer in Betracht zu ziehen. Zu diesem Behufe rinberufen, waren am Freitage in der Conferenz erschienm der Rector vr. Horwicz aus Berlin und der Land-Rabbiner vr. Meyer aus Hannover. Da man noch nicht biS zu dem Eapitel der Lehrerbildung vorgeschritten war, so ging man von der Tagesordnung ab und trat sogleich in die Berathung über die betreffende Materie ein. Die Besprechung, an der sich die beiden jüdischen Sachverständigen durch ausführliche Darlegung des historischen Verlaufs und des thatsächlichen Bestandes in Betreff der Bildung der jüdischen Lehrer vorzugsweise betheiligten, währte über zwei Stundm. Nach einem Resumä des Cultusministers ward in der Fortsetzung der Berathung von Nr. 5 und 6 eingetreten. Aerkin. Die philosophische Facultät der Universität Halle hat dem greism Gelehrten vr. Zunz nachträglich ein Zubeldiplom überreichen lassen. Während der Kriegsperiode wurdm es nämlich 50 Zahre, daß Zunz in Halle promovirt wurde. Königsberg. Der Gerichts-Assessor Alexander ist zum Kreisrichter in Mehrungen ernannt. Das ist im Zustiz-Departement Königsberg der erste Fall, daß ein Jude zum Richter befördert worden. Hläraberg vr. Levin in Zürich ist zum Rabbiner der hies. Gemeinde erwählt. ^est. Dii rumänische Regierung hat das Geschäft der Tabacksmonopol - Verpachtung mit der Franco - Ungarischen Bank dahier abgeschlossen. Oesterreichische, deuffche, französische, englische Banken und Häuser hatten abgelehnt. Die Leiter der genannten Bank sind Zudm und dies verdient dm schärfsten Tadel. Urauteaari, 7. Zuni. Auch bei uns hat da» große Unglück, welches die westlichen Bezirke Böhmen» betraf, dm Wohlthätigkeitssinn der Bevölkerung rege gemacht. Go veranstaltete das Büigermeisteramt eine Sammlung, die 1200 fl. ergab, eine Sairmlung unter den Schulkindern brachte 95 fl. ein, und auf Veranlassung de» Bezirkshauptmannes bildete sich auch ein Dimm-Comitö zu weiteren Sammluugm für die Ueberschwemmtm. Auch dieses Comitö hatte reichliche Spmden zu verzeichnen. Nur bei Einem blieben seine Bemühungm erfolglos — bei dem Seelenhirten unserer Stadt, dem Herrn Dechant P. Thim. Dieser würdige Priester gab dm mit der Bitte uni einm Beitrag sich an ihn wendmden Damen dir Antwort, „es widerstrebe seinen Grundsätzen, einem Comitö, in dem zwei Zülsinnen sich befindm, etwa» zu gcbm"! Feuilleton. Ja eine« postwagea. Erzählungen von M. Goldschmidt. (Fortsetzung.) „ES war viel Zammer und Klage in der Familie, versteht sich, aber Z ak Abraham sagte nichts; er war ein harter Mann. Am letzt:» Abend vor der Abfahrt d«S Schiffe» ging die Mutter weinend und händeringmd durch da» ganze Hau»