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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 24. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 24.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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193 sehen sich höflich an. Kann Einer dem Inden einen Stoß geben, so thut er,«S; er darf aber nicht sagen, er thue eS, «eil r» ein Jude ist. Na, wenn man ein reicher Mann ist dann geht'S noch. Zn anderen Ländern kann «in armer Mann auch ein Hund sein; aber solch ein Hund, wie ein armer Mann in England ist, noch dazu wenn er ein Zud«, da» giebt'S nicht zum zweitenmal in der Welt. Solch einen armen Mann habe ich gekannt. E» war ein hochgewachsener, hagerer Mann. Er wohnte in dem Theil von London, der City genannt wird. Damals war es einem, Judm nicht erlaubt, ein offene» Geschäft in der City zu treiben. „Allein der Mann von dem ich red« — er hieß Zsak Abraham — hatte die Erlaubniß bekommen, eine kleine Bude an der PaulSkirch« zu halten. E» jist eine sehr große Kirche. Ich bin selbst dagewrsen und habe sie gesehen. Bor der Kirche läuft in der Halbrunde ein hohe» Sisengeländer her und dicht an diesem Geländer hatte er seine Bude. Sie war just so groß wie ein Schilderhaus, und er handette mit Peitschenschnürm und St-cken. Er hatte fünf, sechs Söhne, und er ließ st« alle mit Peitschenschnürm und Stöcken handeln. Jeden Morgen händigte er ihnen so und so viele Schnüre und Stöcke ein und sagte: „Sie kosten so u nd so viel; bietet Einer wmiger, so könnt Ihr doch verkaufen; ein Anderer wird kommen und mehr zahlen." Sie liefen alle an der Kirche hemm. Als ich in meiner Zugmd zum ersten Male in London war, habe ich sie selber gesehen. „Der älteste Sohn gefiel dem Vater nicht. Er hatte kein Talent zum Handel, keinen Eifer. Da muß aufgepaßt und geschrieen und festgehalten werdm, da muß man sein wie ein Jagdhund oder wie ein Berzweifelter, der seinen Mann nicht läßt, bi» er sich loskaust. Es gehört Talent dazu, wahrhaftig; aber um e» richtig anznwmdm, muß man den Hunger kmnen und Furcht vor ihm haben. Ephraim, der Aelteste, war gewiß nicht reicher als sein Vater und seine Brüder, und dennoch hatte er keinm Eifer. Er war ein Träumer, ein Nachtwandler, sagte der Vater. Er war darauf verfallen, in die Kirche zu gehen, nicht um der Christm willm, sondern wegm dm Figuren, die da stehen; große Marmorfiguren, zu Ehrm derer, die Schlachten gewonnm habm zu Land oder zu Wasser, und das kann man den Engländern nicht ableugnm, sie habm viel« große Schlachtm gewonnm. Selbst der große Napoleon, der die ganze Welt erzittern machte, und dem die Erd« zu klein war, wer sperrte ihn auf eine Insel, wie in einm Käfig eindie Engländer. ES ward ihnm gegeben. „Nun, der Ephraim hatte eS sich herausgmommen in die Kirche zu gehen, und eines Tages stand er da und besah sich die Figurm, die aufgestellt find zu Ehren Nelson'», ihres Admiral». Ich habe fie selber gesehen. Ein Fraumzimmer, da» England bedeuten soll, führt zwei SchifsSjungm zu der Figur von Nelson hin, und zeigt auf sie in solcher Weise, daß man beinahe hören kann, waS fie sagt. Sie sagt: Geht hin und schlagt Euch und riskirt Arm und Bein und Leben und Tod, dann könnt Ihr auch ein Monummt bekommen wie dieses. Ich Hab« es selber gesehen. Es ist grob; man muß es geftehm. Nun, de» Isak Abraham'» Ephraim stand da und sah sie. Was er dabei dachte, mag Gott wissen. Er war kein Matrosenftud, und der Ruh« war nichts für ihn. Oder hatte er Lust, zur See zu gehm? Er kam zur Seel — aber nicht auf die Art. Hören Sie an: „Während er dastand, kam ein Mann aufi-ih»- ptt ES - war ein Geschäftsfreund seines Vater»,.«in Fellbereiter und — Methodist. Es giebt nämlich in England unzählig viel | Seelen von Christen, und «in« der Sectm heißt die Methodisten. Dir sind die ärgstm Tolefreffer.*) Als der Fellbereiter dm Ephraim in der Kirche sah, ward er von dem Gedanken ergriffen, denselbm zu bekehren. Er führte ihn in der Kirche umher, sprach vorsichtig über Religion, erzählte ihm von anderm Kirchen, die weit bester wären — nämlich die Methodistenkirchen —, und lud ihn zu sich ein. Er hatte ein kleines, freundliches Hau» mit einem Garten und eine hübsche fünfzehnjährige Tochter, ein brave» Kind, wie Sie erfahrm werden; aber Ephraim ward dennoch kein Christ. Der Fellbereiter kam mit seiner Tocheer und besuchte Zsak Abraham'» Familie; er wollte in ein recht frmndliche» verhältniß zu ihnm, treten. Er wollte die ganze Familie bekehren und sprach auch zu Zsak Abraham über Religion. Dadurch erfuhr Zsak Abraham gelegmtlich, daß der Fellbereiter seinm Sohn Ephraim in der Kirche gettoffm hätte. Er begriff sehr gut, daß der Sohn nicht in die Kirche gegangen war, um der Religio» willm, sondern um zu faullenzm, und er züchttgte und schlug ihn deswegm, obgleich er schon siebzehn Jahre alt war, und Ephraim ging auch nicht wieder in die Kirche; aber der Fellbereiter gab seinen Plan mit Zsak Abrahani nicht aus. „Eines Tages, als der Fellbereiter ihn sehr drängte, antwortete Isak Abraham: „Nun, was Euren ZesuS Christus betrifft, so könnm wir schon einig werden. Gegen ihn habe ich nichts. Er war doch, ehe er Euer Erlöser ward, ein kleiner Judmknabe." — Der Fellbereiter ward blaß und sagte kein Wort. „Sie waren Geschäftsfreunde und gewohnt, Wechsel auf einander zu ziehen» kleine Wechsel, selten über zehr/ Pfund Sterling. Weil der Fellbereiter bisweilm auf Reisen war, hatte es sich wohl ereignet, daß der Eine des Andern Accept geschrieben, und es war gut gegangen. Eben war ein solcher Wechsel ausgestellt. Isaak Abraham hatte ihn trasstrt und das Accept deS Fellbereiter» darauf geschrieben. Am Verfallstage» als der Wechsel dem Fellbereiter präsenttrt wurde, antwortete er: „Es ist mein Name, aber ich habe ihn nicht geschrieben." — ES war an einem Sabbath; Zsaak Abraham saß zu Hause bei seiner Familie, als ein Advocat mit einem Gerichtsdiener eintrat und ihm den Wechsel und einen Arrestbefehl vorhielt. Jetzt war es an Isaak Abraham todtenblaß zu werdm. Da ging Ephraim, sein ältester Sohn, auf den Anwalt zu, sah dm Wechsel an und sagte: „Ich habe ihn geschrieben." Da mußten sie den Vater loSlaffeu und dm Sohn nehmen und Ephraim ward vor Gericht gestellt und schuldig gefunden und zu siebenjähriger Deportatton nach Botany-Bay verurtheilt._Fortsetzung folgt. fromme Nerlame. In der Kölnischen Volkszeitung ist folgende fromme Reclamc zu lesen: „Pfälzer Wein. Mein Bruder Val. Weinmanil in Edesheim (Pfalz) versendet gegm Nachnahme Göcklinger 1666 er Wein zu 7 Silbergroschm und DeiqdeSheim 1669er zu 14 Silbergroschm per Liter; ich kann der hochwürdigen Geistlichkeit denselben als rein und echt bestmS eiypfehlen. Bei Abnahme eines größeren Quantum» billiger; >Proben stehen gegen Nachnahme von 12 Silbergroschen zur Verfügung. Georg Weinmann, katholischer Stadtpfarrer in Gerinersheim (Pfalz)." Wol im Zusammenhang mit dieser ReclaMe steht folgende Notiz, welche der „Germania" au» der Pfalz zugeht: „Man kann die Pfarrgeistllchkeit Norddmtschland« nicht genug warnen vor unserm Pfälzer Weinsälschern. Noch vor, Kurzem renommirie rin bekannter Jude und Freimaurer von' hier in einer Gesellschaft mit seinm Kundm, katholischen Pfarrern in ' Schlesien." •) ki tz. Fanatiker; ttiserer ftlr den Sekreujigten.! i

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