Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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192 im hiesigen Turnvereine ein Jude zum Lurnrathe erwählt und nahmen an seinem Hochzeitszuge die Tunier Theil, auch gab es nichtjüdisch« sogenannte ,^kranzelherren", etwas in N. sehr Seltenes oder noch nicht DagewrseneS. Ktsah. Nach Berichten in „Arch. Jsr." dauert die Auswanderung von Israeliten aus dem Elsaß nach Frankreich fort. Bischweiler war seit ziemlich kurzer Leit durch Industrie, besonders Spinnerei und Weberei sehr emporgekommen; jüdisch« Firmen warm dabei besonders lhätig und betheiligt; der ganze Ort (?die jüdische Gemeinde?) ist zur Auswanderung gerüstet. Die Fabrikm rc. werdm theils nach Ehalons s. M., theilS nach Elbach verlegt. Einer der erwähntm, wie sich dmkm läßt nicht dmtsch-frmndlichm, Bericht« sagt: „Uebrigens sparm die Prmßm weder Bortheile noch Gunstbezeugungm, um die Bevölkerung zu gewinnen. Sie verträum Judm ohne Anstand oft nichtige Aemter im Elsaß an; der Steuereinnehmer in Saardurg ist Israelit, eia Professor vom Straßburger Lyceum ebenfalls, beide allerdings Deutsche, aber nur weil kern Elsässer JSraelite eine Stelle anzunehmm gesonnen war. So bestand auch unter der französischen Negierung eine Hülfsmss: für die jüdischen Euttusbeamim. Der auf di« d«S Oberrheins kommende «ntheil betrug 2000 frcS. Die Prmßen habm dies Jahr aus eignem Antrieb die Summa auf 3000 frcS. erhöht, ungerechnet persönliche Subventionen, welche man fast nur zu erbittm braucht um sie zu erhallm. <Luaem»urg, 20. Mai. Die heutige Lux. Zeit, berichtet ausführlich über die am letztm Samstag in hiesiger Synagoge stattgefundme „erhebende und sinnige" GedächMißfeier für die verewigte Prinzessin der Niederlande. Die Predigt des Rabbiner vr. Blumenstein ist inhaltlich wiedergegebm, der Artikel schließt mit dm Worten: „Wir sind außer Stande die tiefen, in edler Form wiedergegebenen Gedanken hier in kurzem Umriffr auszudrücken und möchten unserem Referate dm Wunsch hinzufügen, genannte Rede möge durch den Druck die weiteste Berbreitung finden". Kaag. Das verftorbme Fräul. Hefter Davidson hat an dir verschiedenen hiesigen Wohlthäiigkeits-Anstaltm folgende Summen vermacht: Israel. Waisenhaus 3500 fl., Alterversorgungsanstalt 5800 fl., isr. Armenschule 1600 fl., Krankenhaus 30000 fl. Haupt-Synagoge 2000 fl. (unter Bedingung jährlich 50 fl. an die Armm zu vrriheiten), Tachrichim-Anstalt 300 fl., Gemiluth Ehasadim 300 st., Tifereth Bachurim 300 fl., für dir Armen :a Palästina 500 fl. In der Autowi«« sind jüngst zwei Israeliten zu Richtern (Adjuncien) ernannt worden. (Lemb. Jsr.) Ter Gemeinderath, welcher den israelitischen Friedhof zerstören ließ, wurde von der Regierung aufgelöst. tz«»K«uti»opet. „Ehabazele:" berichtet: Ein Israelit war seit zwei Jahren an den Beinen gelähmt und der Sprache beraubt. Jüngst befand er sich allein in einem Zimmer, als die Borhänge einer Wiege, in der rin Lind lag, Feuer fingen. Bon Schreck ergrrsten, schnellte er aus seinem Sessel empor und schrie: Hülfe! Feuer! Man eilt herbei, das Kmer ist bald gelöscht, der Gelähmte geht und spricht seitdem wieder. (Man ha: srellich schon Aehnliches gehört, doch macht „Habaz." muumer in Entm.) Univ. Jsr. -terandri««. Zn der Synagoge Lahal Eliahou wurden goldne und silberne heil. Geräthe im Werth« von 20000 Franco gestohlen. Der Lhedivr, dem die Borstrher ihre Llage vorbrachtm, hat dem Gouoernmr zu wisten gethan,! daß er binnen 24 Stunden die Diebe zu mtdeckm Hab«, wi« drigmfalls solle die Stadtkasse den Werth der gestohlmm Gegenständ» erfolgm. (Das.) j London, 7. Funi. Bon Lord Granville wurde gestern eine Deputation empfangen, welche seinm Einfluß zu Gunstm der rumänischen Judm in Anspruch nahm. Granville erklärte dabei, daß dir Regierung sich über diese Frage mit dm übrigm Schutzmächten bereits in Bemehmen gesetzt habe und daß auch Rußland, welches früher gemeinsame Schritte mit den übrigm Mächten zu Gunsten der Judm abgelehnt, jetzt geneigt sei, einem Proteste bei der rumänischen Regierung sich anzuschließen. Derselbe betonte noch seinm lebhaften Wunsch, daß den Judenverfolgungen ein Ziel gesetzt werde. W. T. B. Feuilleton. Za eiae« Postwagen. Erzählungen von M. Äoldlchmidt») l^oriseyung) „Daß sich Gon erbarm,! rief, Herr Pertsch, und der kleine, bleiche Mann, Herr Nathan, wiederholte eS. Nach einer kurzen Weile fuhr Herr Pertsch fort: Uiddauoau «edel Aulom!*) Ein Jude sich erhenken! Wann henkt sich ein Jude? Weiß man nicht den Grund, .Herr Pollock? Hatte er was begangen? Hat man ihn arretirt?" „Dm Grund weiß man", ankwonetk Herr Pollock. „Er war Modewaarenhändler und faß in einem gutm Geschäft. Die Anderen beneideten ihn, und der Zollinspektor war böse und argwöhnisch auf ihn, und es gab eine Schmugglergeschichte, und darin wurde er verwickelt. Er ward verhaftet» aber er war unschuldig nnd wurde wieder losgelassen. Mittlerweile war aber der Handel von ihm gegangen, und er konnte sich nicht wieder in die Höhe bringen. Eines Abends, als er die Sparbüchsm seiner Linder leeren mußte, um Brod zu kaufm, stieg er hinauf unter s Dach und erhenkte sich." Im Allgemeinen, wenn wir vom Ungkück anderer, uns unbekannter Mmschen hören, fällt ein finsterer Schatten über unserm Weg; allein wir schreitm rüstig weiter, durch den Schatten in dm Sonnenschein, der uns noch lächelt, und besten wir zu unserer Lebensthäthigkeit bedürfen. Es kann aber irgend ein Umstand mit einem solchm Unglück verbunden sein, der uns seltsam ergreift und uns in dem trüben Schattm zu weilen zwingt. Ich fühlte mich beinah« weniger von der eigmttichm Lalastrophe ergriffm als von der Scene die in den Worten gemalt war: Er mußte eines Abends di« Sparbüchsm der Linder leeren, um Brod zu kaufm. Ein solches Bild nagmden Lummers und liebmder Verzweiflung stand vor meinen Augen, daß es mir war, als hätte ich dm Mann gekannt und wäre in der nächsten Stube gewesm, ohne ihm helfen zu künnm und der ganze Zweck «einer jetzigm Reise chien uubrdmtmd und ohne Sinn. Meine Reisegefährtm waren vielleicht »och tiefer ergriffen, sahen aber dasselbe Bild und faßtm das Ereigniß mehr als Nationalsache auf. Sie prachen von Unduldsamkeit und Judmhaß; andere Beispiel« wurdm erwähnt, dir mir femer lagen, und ich gab eine Weile auf das Gespräch wmig oder gar nicht Acht, bis ich Herrn Polock mit gehobener Sttmme von England sprechm hörte. „ Ja," sagte er, „in England da ist viel von dem, waS sie Toleranz nennen. Sie hastm einander, aber sie •) Herr der Seit.