Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 24.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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189 de» Islam) sind weder unter '"DJ. noch gar unter iu verstehen, und es giebi ln der Uebung allgemeiner Men» schrnpflichter, keinen Unterschied, ob zwischen Juden und Juden oder zwischen Juden und Christen. Die spezielle Bestimmung über Almosennehmen besprechen wir im nächsten Blatte. Sie giebr ein recht bezeichnende» Beispiel von der eigenthüwlichen Ignoranz der Männer de» Israelit." Heute haben wir dem Vcftr nur noch die lieberschrift zu erklären. Wir haben im ersten Momente daran gebaut, einen „Protest" gegen jene Schreiberei des Israelit aufzusetzeu und zur Unterzeichnung desselben aufzufordern. Doch nein; ein solcher Protest gälte diesmal wirklich nur der Person deS vr. L-, nicht seiner Partei, denn in dieser Beziehung hat er keinen nennenswerthen Menschen hinter sich. Es fiel uns zur rechten Zeit das Midrasch-Gleichniß, welche» al» Motto vorsteht, ein« Wozu Lärm wachen? (Schluß folgt.) Berichte und Correspondenzen. Deutschland. * Leipzig, 31. Mai. Ain 2. Juni begeht die hiesige tsraelittsche Gemeinde das 25. Jubiläum ihres Bestehens. E» ist beschlossen, dasselbe durch einen Gottesdienst zu begehen, ferner hat der Borstand eine kurze Chionik der wichtigeren Vorkommnisse in der Verwaltung und in der Entwickelung de« Gemrindewrsens seit 1847 bis zur gegenwärtigen Zeit zusammenstellen, drucken und venheilen lassen. Die Chronik umfaßt ca. 4 Ouarrseiten, sie beginnt mit der am Vorabend de» 2. Juni stattgehadten ersten Wahlversammlung der sich ronstttuirenden Gemeinde, welche den ersten (der Zeit nach) Vorsteher wählte und schließt mit dem in dieser Woche ge-- faßten Beschluß einer neuen Ordnung der Armenpflege behuss j Beseitigung der Hausbettelei. Aus der Zivijchenzeit heben wir einige Daten hervor: 1847 September 8. l)r. Iellinrk al» Prediger angestelll. 1848 März Abordnung des 1>r. Jul.. Fürst als Drlegirter zum Frankfurter Parlament.. 1854 März 27. Ausnahme einer 4 % Anleihe von 25800 Thlr. zum Synagogenbau. (Später folgten noch mehrere tleiuere Anleihen). 1855 September 10. Einweihung der Synagoge.! Als Beilage dient ein Blatt statistischer Nottzen über die! Zahl der Mitglieder, der Jahresbeiträge und Ausgaben, von , Jahr zu Jahr. Diese Ziffern bettugen 1847/48 33 Mitgl. j — 636 Thlr. 575 Thlr. 1871. 233 — 7010 — 9923. Ferner ist der Jahresbericht der Genieindeverwaltung für 1872 ausgegeben worden, aus dem hervorzuheben sein dürfte, daß die bürgerliche Beglaubigung von Geburten und Verehelichungen (auch Todesfällen, das Wort ist offenbar durch ein Druckversehen ausgefallen) rücksichlich der im Königreich Sachsen sich aufhaltendrn Israeliten für deit Bereich der Kreis-Direktion Leipzig dem dazu eidlich in Pflicht genommenen Sekretär der ifr. Gemeinde vr. E. Samostz übertragen worden ist. Ueber die stattgehabl« Feier berichtet das „Leipz. Tagbl.": * 3. Juni. Die hiesige israelitische Religionsgemrinde beging am gestrigen Bormittag die Feier ihres 25jährigen Bestehens durch einen FestgotteSdienst in der Synagoge. Nach den einleitenden Gesängen, vom Verein „Psalterion" ausgesühn, erörterte Herr Rabbiner vr. Goldschmidt mit beredten Worten den Charakter und die Bedeutung des Tages. Der Predigt war das 5. Buch Mosts, Capttel 27, Vers 9 zu Grund« gelegt. Der Redner erinnerte daran, daß das Bterteljahrhundert, welches die Gemeind« nun durchlebt, zu den bedeutendsten Epochen in der deutschen Geschichte zähle, daß die Gemeind« unmittelbar am Vorabende jener SturmeSperiode entstanden sei, von welcher an die heutige politische Gestaltung Deutschlands sich vollzogen habe. Vergeben solle Alle» sein. ' was vor Begründung der Gemeinde zu Israel gesündigt tu,.U;t. Dankbarkeit wolle man heute allen Denjenigen darbringen, welche den Grund zur Gemeinde gelegt haben. Daß man zu allererst daran dachte, Schule und Gotteshaus zu errichten, das kennzeichne den guten Geist, von dem die Gemeind: von vornherein durchdrungm war. Dank gebühre auch unserer Stadtbehördr für ihr freundliche» Entgegenkommen, und insbesondere für die Urberlassung so schöner Räume zu Ziveckm der Religionrschule. Der Herr Festredner verbreitete sich hierauf ausführlich über die Geschichte der Gemeinde, bezeichnet die Zeit von 1847 —1855 als die Periode der Gründung, dir Zeit von 1856 —1866 als die Periode deinneren Ausbaues und di« Zeit von da ab al» die Periode, in welcher die Gemeind« bei fortdauernder sorgsamer Pflege ihrer eigenen inneren Angelegenheiten begonnen habe, nach außen hin thätig zu sein. Diese äußere Thätigkeit sei bereits so fruchtbringend gewesen, daß die Gemeinde hierin sich den anseren ättesten und berühmtesten Religionsgemeinden ebenbürtig an die Seite stellen könne. Am Schluffe seiner Predigt bezeichnete Hetr Vr Goldschmidt als die fertur zu erfüllenden Aufgaben die fortgesetzte Thätigkeit von Opsermuth und Opferwilligkeit. Gebet und Gesang schlossen die würdige Feier. * 3. Juni. An den Vorstand der hiesigen israelitischen Rrligionsgemeinde ist aus Anlaß der Feier ihres 25jährigen Bestehens nachstehendes Beglückwünschungsschreiben Sellens des Raths der Stadt Leipzig gelangt: „Dir hiesige israelitische ReligionSgemeinde zählt zu ihren Mitgliedern nicht wenige der achtbarsten unserer Mitbürger, welche zum stetigen Gedeihen und Emporblühen durch ihre Intelligenz, Opfer sreudigkell und nationalen Sinn, HandelS- und Gewerbfleiß ein gutes Theil mit beigetrageq haben; die Gemeinde selbst hat sich durch Wohlchun m reichem Maße ausgezeichnet und mit tvahrer Humanllät und Liberalität sich als rin wichtiges Glied in das größere Ganze unserer Stadtgemeinde einzusnaen gewußt, so daß sie von allen Seiten gern und willig als mit letzterer zu gemeinschaftlichem Streben verbunden anerkannt und geachtet wftd. Wir können daher nicht unterlassen, im Namen der Stadt Leipzig der israelitischen Rrligionsgemeinde heute an dem Tage, an welchem dieselbe ihr 25jährige» Bestehen festlich begeht, unseren Glückwunsch darzubringen. Müx^e Dieselbe zu ihrer eigenen Ehre und zum Wähle unserer Stadt mehr und mehr wachsen und erstarken. Mit vorzüglicher Hochachtung zeichnen Der Muh der Stadl Leipzig. Stephani. Leipzig, 2. Juni 1872." B. 3Pof«n, 1. Iani. Das Centralblatt für die gesammte Unterrichtsverwaltung Preußens herausgeben von Stiehl enthält im Märzhefte d. I. eine Frequenz-Ueberstcht der sämmtlichen höheren Lehranstalten des Staates, für das Wintetfcmester 1870 und 71 nach Confessionrn und Pronvinzen geordnet. Die Summen, welche aus den Rubriken resultiren, dürften von Interesse sein, die Schülerzahl betrug: Evang. Kathl. Z»id. 1. In den Gymnasien des preuß. Staate» 39808 14016 5105 2. Zn dm Progymnastm „ „ 1633 1903 303 3. Vorschulenz.Gymnastm „ „ 6293 571 871 4. „ „ Progymn. „ „ 328 42 44 5. Realschulen I. Ordnung „ „ 18248 2749 1946 6. derm Vorschulm ., . „ 3032 249 306