Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 22.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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177 ich versprach e» ihm; so erfuhr ich den Ort, den ich nun dem Znstruetion»richtrr angab. Nachdem die Dachen gesunde« »aren, führt« man UN» endlich in den Jtatn, ur b die Untersuchung war beeudrt. — Angeklagter Israel Baißmann vom Präsidenten befragt' warum er vor dem Jnstructionßrichter erklärt, daß er um den Diebstahl gewußt habe, sagt: Angrkl.: Ich Hab« nie eine solche Erklärung abgegeben, ich kann rumänisch weder sprechen noch auch lesen oder schreiben und wriß also nicht, was der Translatvr Dropulo in meinem Namen ausgesagt, noch was ich unterschrieben. Und was sagte der Dieb Silbermann, zum vierten Male» in offenem Geständnisse vor dem Gerichtshöfe au«? Hier stnd seine Worte: , Präs.: Wer hat Dich zu diesem Diebstahl verleite»? Angekl.: Niemand. Präs.: Du sagst nicht di« Wahrheit, denn vor dem Instructionlrichter sagtest Du, daß Dich Baißmann und die Anderen dazu überredet hätten. Angekl.: Ich habe bei meiner Gefangennahme in Ehilia sofort in Gegenwart de» Polizelmeistrr» erklärt, von Niemandem verleitet worden zu sein. Wmn ich später beim Jnstruction»richter dies« Leute beschuldigte, von denen ich Goldschläger und den Rabbiner gar nicht einmal kannte, so geschah die» in Folge der Mißhandlungen de» Lommiffär« Petrachi und de» Tran»lat«r» Dropulo, die mir anderseits versprachen, mich zu befreien, wenn ich dir von ihnen gewünschten Personen mitbeschuldigen würde. — Herr Goldschläger hätte ich dennoch nicht angrklagt au» Furcht, ihn bei einer etwaigen Eonfrontiruog nicht zu erkennen, wenn mir der Translator Dropulo nicht versprochen, mich bei Eintreten de» Herrn Goldschlägrr durch ein Zeichen zu verständigen, wa» er auch wirklich that." Vermischte und neueste Nachrichten. Ktetti», 23. Mai. Zn der gestrige» Plenarsitzung de» Reichstage» kam die Lycker Petition zur Verhandlung. Die Petit.-Comission schlug in Anerkennung der vom Reichskanzler bisher in Sachen der Rumänischen Judenverfolgungen getha- »en Schritte Uebergang zur Tagesordnung vor. Dagegen erhob sich Bamberg er. In einer so wichttgen europäischen Frage dürfe der Reichstag keineswegs die Tagesordnung beschließen. Er hätte ursprünglich die Absicht gehabt, in einem selbstständigen Anträge die Sache zur Erörterung zu bringen Er begnüge sich nunmehr mit einem Amendement, das neben der Anerkennung für das bisher In der Sache Grthan« den Reichskanzler auffordert, der Widrrholung solcher Ausschreitungen für die Zukunft vorzubeugrn. Darin sah Miquel eine Anwandlung von ZnterventionS-Gelüsten, welche de» Rum. Juden sowohl wie der fürstlichen Regierung nur schaden könnten. Laster secundirte Bamberger. Der Bundescommissar, geheim. LegationSrath Heyke, der den erkrankten Abeken vertrat, wiederholte waS dieser über den Standpunkt der Regierung in dieser Angelegenheit der Comisston bereits mitgetheilt (flehe den Leitartikel in heuttger Nr.) und fügte über die vermißte Beiheiligung deS Russischen Konsuls an der Collectivnote noch folgendes hinzu: „Die russisch« Regierung hat jedenfalls ihre besonderen, zu würdigenden Gründe gehabt, sich diesen formellen Schritten nicht anznschließen, wogegen sie auf das wännste in mündlicher Weise sich verwendet hat, wie zuerst von unserer Seite auch geschehen ist. Ich glaube die positive Erklärung abgeben zu können, daß für künftige Fälle die Reichsrrgierung in ähnlichem Sinne Vorgehen wird, wie in diesem Falle." Nachdem Bamberger auf Wunsch des Bundescommissars einige Worte in seinem Amendement geändert, wird dieses mit großer Majorität angenommen. — Hterkt«. Sr. Majestät der Kaiser hat den von der! HungerSnoth in Persien Bedrängten, ohne Unterschied der Eon- I fession, 1000 THaler auS seiner CabinetSkasie zugewendet. — Ein „israel. Mtethe-HilfSoerein" hat sich auS jungen Kaufleuten und Studenten dahier gebildet, dessen Aufgabe «S fcitj soll, bei der immer mehr um sich greifenden WohnungSnoth armen jüdischen Familien Beiträge znr Erschwingung der hohen IWohnungSmiethe zukommen zu lassen. (Zsr.) — Dem Fräulein Cassel hat Z. Maj. die Kaiserin in Anerkennung treu geleisteter Dienste al« Kasstrerin der Berliner koscheren Volksküche, welche» Auit Frl. Cassel seit 3 Zähren ununterbrochen verwaltet, außer einem Geldgeschenk eine pracht volle schöne Taffe mit der Ansicht de» kaiserlichen PalaiS in Berlin Allergnädigst überreichen lassen. Die feierlich« Uebergabe fand Sonnabend den 4. Mai, Nachmittag» 6 Uhr, durch den Geheimraih vr. Steinthal in Gegenwart des ganzen Vor stände» im Lokale der koscher» Volksküche statt. (Das.) Krauüfurl a. M. Der Mörder de» greisen HandelSmanneS Hamburger auS Offenbach, Völker, ist zum Tojde verurtheilt. Ebenso ist in Cassel der Tagelöhner Dörrbasim, beian einen Zsraelitrn einen Raubmord verübt hatte, überführr und zum Tode verurtheilt. (Wenn einige Blätter bei dieser, Gelegenheiten darauf Hinweisen, daß «S in Deutschland besser sei, als in Rumänien, so ist die» einfach albern.) Schri««, (Posen.) 15. Mai. Hier ist vr. H^ Tietz (bisher in Neustettin) zum Prediger und Dirigenten der neu eingerichteten ReligionSschule gewähtt worden. $efe. (Schlesien.) Der Vorsteher der hiesigen Gemeinde, der wegen seiner Verdienste als Arzt im jüngsten Kriege der, bairischen Verdienstorden erhielt, H. vr. Reich, ist zun, Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden. Müuche«. Der König hat den Kapellmeister Herm. Lrvi, in CarlSruhe, Sohn de» Rabbiner» zu Gießen, als Ober-Caprllmeister hierher berufen. Zn der Residenz, an, Hoftheater de» königlichen Verehrer» Rich. Wagner'», ein Zude, Obereapellmeister! — Linz, 21. Mai. Hier fand gestern die Einweihung der israellt. Schule statt. Die Sache ist um de» willen erwähncnSwerth, weil da» betr. Schulgebäude da» erst« Grundeigenthum in Oberösterreich seit 400 Zähren ist, welche» von.Zudei, ivieder erworben wurde. Rabb. vr. Ehrenthal hielt die Festrede. — Nekfort. Die israelitischen Kaufleute hier haben an Thier» ein Schreiben gerichtet, in dem sie sich über vie fast vollständige Ausschließung ihrer Glaubensgenossen aus der Liste der zur Wahl de» Handelstribunal» berufenen Notabel« befchiveren. Thiers hat geantwortet, daß die Klage i» ernste Erwägung gezogen und dem Handelsminister überwiesen sei. Zn Htomau (Moldau) ist, (wie ein Zasiyer Zournal meldet) wieder eine Schandthat gegen die Zudeu verübt worden, und zwar auf Befehl des Bürgermeisters und de» Stadtrathe». Diese ließen den Zudenkirchhof, welcher schon Jahrhunderte lang jm Besitze der Zudrngemeinde von Roman ist, zerstören. Aui ihren Befehl tvard die Umzäunung niedergerissen, die Bäume welche den Kirchhof zierten, wurden umgehauen, die Grabstein-: zertrümmert, die Gräber aufgeworfen und die Gebeine der Begrabenen den Hunden überlassen. Die Zudengemeind« von Roman hat sich an den Staatsanwalt gewendet, um'Gerechtigkeit zu erlangen. Alle hier leienden Fremden rznd viele der besseren Rumänen sind entrüstet, mortificirt über die Größe dieser infamen That. Bei den Römern war jcher Fleck Erde, der einen Todten bedeckte, heilig, die trojanischen Rönilinge an der Donau verwandrln einen Gottesacker in eine Viehweide, und die Regierung sieht zu nnd läßt es geschehen.