Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 22.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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176 Vermittlung des Ministeriums -der auswärtigen Angelegenheiten, welche« die Gelder stet» mit den Regierungsdepeschen befördert hat. Empfangsanzeigen und Quittungsbelege sind richtig angelangt; ein von Mr. Alifon in Aussicht gestellter ausführlicher Bericht über die Art der Bertheilung wird jedoch noch erwartet. Die sonst noch abgedruckten Schriftstück, Consulrrberichte und dergl. enthalten nichts, was nicht bereits bekanm wäre. Doch »heilen wir auS einem Berichte des britischen Consularagrnten in SchiraS an Mr. Alifon einige statistische Details mit. Derselbe zählt, in genannter Stadt unter den Jraeliten: Handelsleute aller Art (incl. Familie) 355, Handwerker und sonstige Arbeiter 475, Bettler und Arm, 1110 Personen, 60 von der letzteren Klasse sind blind und lahm, ine Zahl der Häuser beträgt 225. Schaurig ist folgender Bericht des Reo. Rob. Bruce auSZulfo bei Zsiahan: „Ich habe die Juden vor eben 14 Tagen besucht und wir wahrhaft entsetzt über das, was ich da sah. Cie leben meistens in Höhlen unter der Erde, und wie mir eS schien, waren sie alle dem Hungertod« »ah- Ich sah niemals ein sol cheS Gemälde von Elend, Schmutz und Verkommenheit in meinem Leben. Bei diesen Juden traf ich den persischen Steuerrollector, der mir in Gegenwart der Juden sagt«: ,Herr, ich kann Ihnen versichern, daß ich ihnen die Betten unter dem Körper weg und die Kleider vom Leibe genommen habe, so daß sie gar nichts mehr haben. Was kann ich thun? Ich bin ein Diener und muß gehorchen." Ein Jude, der dabei stand versicherte dem Schreiber, daß der Steuereinnehnier sogar den Weibern di« Kleider vom Leibe gerissen habe." Numänie«.?l«t«rest. 9. Mai (Epilog zu den Zudenhetzen.) DaS im vorgestrigen Moniteur erschienene fürstlich, Decret bringt die Begnadigung deS Rabbiners Brande« und Goldsch!ägers, während die infamirende 3-jährige ZuchthauSsttafe kei den drei anderen Israeliten in einfache zweijährige Gefängüßstrafe verwandelt wird. Der Herr Justizminister Eostaforu hat es für gut befunden, den Vorstellungen der Schutzniächte auf dieser Weise Genüge zu thun. Sein im Moni teer puplicirter Rapport spricht die Begnadigten von aller Schuld frei und versucht es, die anderen Drei der Schuld der Hehlerei zu bezichtigen In welcher Weise ein Rechtsgelehrter wie der Herr Justizminister diese Schuld motioirt, ist in der That überraschend. Er stützt sich namentlich auf dar Geständniß der Verurcheilten, das ihnen unter namlosen Martern, denen sie seitens einiger Agenten der Polizei unterwerfen wurden, erpreßt wurde und welches sie nachher vor dcr Geschwornen auf die formellst« Weise widerriefen. Zudem erklärte noch der Dieb Silbermann zum viertenmale, daß feiner seiner Milbeschuldigten etwas von dem Diebstahle gewußt; er habe diese Israeliten deßhalb in Mitleidenschaft gezogen, weil er einerseits dazu durch Mißhandlungen seitens derselben Polizei-Agenten gezwungen worden und anderseits die Hofmung gehegt habe, von ihnen Geld zu erlangen und dann die Anklage gegen sie zu widerrufen. Dies habe er in Rußland mit gutem Erfolge wiederholt gethan. Der Herr Juftizm inister sagt, daß er die besagten Polizei-Agenten vor Gericht gestellt habe und man also den AuSgang des Processes abwarten müsse um zu sehen, ob Martern wirklich auSgeübt wurden oder nicht. Wir können aber mit ziemlicher Zuversicht den Awrgang jenes Processes Vorhersagen; die Polizei-Agenten sind ihrer Freisprechung gewiß. Der Herr Justizminister sollte dies wissen, und er ist daher kaum zu entschuldigen, daß er die Freiheit dreier völlig unschuldigen Menschen, die seit vier Monaten bereits im Kerker schmachten, von einer solchen „unmöglichen Bedingung' abhängig macht. (N. fr. P.) Wir lassen zur besseren Beurtheilung dieses Verfahren« die stenographirten Aussagen jener Gefangenen vor den Assisen in Buzeu (nach der „Rum. Post") folgen: „Angeklagter Praißman vom Präsidenten befragt, warum er Silbermann zum Diedstahl verleitet habe, antwortet, daß dies nie geschehen sei, er habe keine Ahnung gehabt, daß Silbermann ein so gemeine« Verbrechen beabsichtige, Präs.: Warum haben sie beim Jnstructionsrichter eingestanden; ihn überredet zu Haber, und leugnen nun Alles? Sprechen Sie lieber die Wahrheit, Angekl.: So lange ich den furchtbaren Martern, denen mich der Commiffionäer Pettachi Hristea, mein größter Feind, im Beisein des Translator« Dropulo unterzog, widerstehen konnte, habe ich nie zugegeben, irgend etwas zu misten, erst später, als man mich zwei Rächte hintereinander mit Händen und Füßen an eine Stange gebunden, je 25 bis 3C Mal in einer Höhe von 6 Fuß aufhob nnd plötzlich herabfallen ließ, so daß ich wie todt liegen blieb, daß mein Gehirn gänzlich erschüttert war, daß ich wochenlang nachher nicht anders als auf dem Bauche liegen konnte, und als man mich mit noch größeren Foltern bedrohte, gab ich nach, Alle« zu sagen, was man von mir verlangte. Präs.: Warum haben Sie nicht dem Jnstructionsrichter geklagt, daß Sir geschlagen werden? Angekl.: Wie konnte ich dem Jnstructionsrichter irgend etwa» sagen, da derselbe nicht in seiner Kanzlei, sondern in der Polizei in Gegenwart meiner Peiniger das Verhör vornahm, mich überdies nie zu Wort kommen ließ, sondern unter dem Vorwände, daß ich nicht genug gut rumänisch st räch«, blos durch Vermittlung des Translator» Dropulo mit uns verkchrte. — Später als der Herr Grneral-Procurator mich im Kerkei: aufsuchte, und mich direct in Gegenwart von mehreren Kaufleuten bestagte, wagte ich erst, die ganze Wahrheit zu gestehen. Präs.: Sie nwähnten früher, daß der Eommiffär Prtrachi Ihr ärgster Feind sei; worauf stützen Sie diese Aussage? Angekl. Weil derselbe mir seit 1'/, Jahren eine Summe Geldes schuldet, und ich ihn deswegen mehrere Male beim Polizeimeister, und endlich, a!« die« nichts half, beim Friedensrichter verklagte; — währenddem er mich folterte, hörte ich ihn auch einigemal« sagen: „Dies ist dir Bezahlung meiner Schuld." Angeklagter Hain David vom Präsidenten befragt, warum er« Silbermann zum Diebstahl veranlaßt und die heiligen Gesäße in die Lattinen geioorfen habe, erklärt, in Thränen ausbrechend, daß er von nicht« wistc. Präs.: Worum baben Sie vor dem Jnstructionsrichter erklärt, die Sachen in die Lattinen de« Hanses Pascalovih geworfen zu haben, woselbst sie auch gefunden wurden, und nun leugnm Sie? Sagen Sie die Wahrheit. Angekl.: Sie haben ja schon gehött, wie man uns mit Gewalt Zugeständniss: erpreßte. Bon mir wollte man, ich solle durchaus gestehen, wohin ich die gestohlenen Sachen geworfen. Da ich einerseits die Matter» sürchttte, die mein Compagnon erduldete, und dir ich lxf meiner Schwäche unmöglich erttagen hätte können, anderseits den Ort nicht angeben konnte, weil ich denselben einfach nicht konnte, sagte ich auf gut Glück, ich hätte die gestohlenen Sachen in Praißman's Ofen verstcckt; es wurden dort Nachsuchungen angestellt, natürlich ohne etwa« zu finden; hierauf wurde ich barbarisch mißhandelt; die Barthaare wurden mir mit einem stumpfen Meffer einzeln auSgerissen, eine geladene Pistole wurde mir in den Mund gesteckt, Faustschläge, Hiebe mit flacher Säbelklinge und Ohrfeigen gar nicht gerechnet, und schließlich drohte man mir noch mit denselben Torturer, die man bei Praißman angewendct. — Da lag ich denn weinend und schluchzend neben Praißman, als man (ei war am 3. Abende) den Dieb hereinbrachte. Er stellte sich »eben mich und fragte mich, warum ich weine. „Weil ich sagen soll, wo die Sachen sind, und ek nicht weiß, und nun meiner die fürchterlichsten Qualen watten "war meine Antwort; „wenn Du sagen willst, Du selbst habest sie dotthingclegt, nenne ich Dir den Ott,"sagtt er hierauf;