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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 22. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 22.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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175 meng unb StrnmUung ihrer Angelegmheitm; 2) die rechllichr Stellung der Oberkirchmbehörd«; 3) die Ernennung und Entlassung der Rabbinm; 4) die Abänderung der bestehenden Liechen gemeinde- und Rabiinat»bezirk»eintheilung; 5) da» Recht der Struerumlage auf di« Lirchmgmossmschast; 6) die Aufhebung der Personalsten«; 7) die Strafgewalt der Lirchmvorstehrrämter. Wir stehen hier natürlich davon ab, den ganzen Entwurf 4» besprechen; aber den Lardinalpunkt desselben, dir Gemeindrangehirigkeit, müssen wir doch Hervorbeben, weil von seiner Fassung der ganze Bestand der israelischen Gemeinde- Verfassung abhängt. Der §. 9 lautet: „Die Lirchmgemeindeamgehörigkeit wird durch den Wohnsitz derart bestimmt, daß jeder der israelitischen Religionsgemeinschaft ungehörige Inländer von selbst Mitglied der am Orte seine« Wohnsitze« bestehenden Lirchengemeind« ist x." Aber die Praxis hat gelehrt, daß die Behörde jedem einzelnen Israeliten überläßt, es zu erklären, ob er zur „israelitischen Religionsgemeinschaft angehörig" sich betrachte «der nicht. So ist dem Dissidententhum Thür und Thor geöffnet. Wir kennen Fälle, wo ein Zsraelitr die Lullsteuer in seiner Heimathgemeindr nicht mehr bezahlen wollte und erklärte, er stehe nicht auf dem religiösm Standpunkte seiner früheren Glaubensgenossen, und er wurde von höchster Instanz von jeder Verbindlichkeit freigesprochcn. Ein Anderer entzog sein Lind dem Religionsunterricht der öffentlichen Schule, e< kam zur Llage, der Vater erklärte sich mit den Lehren de« bestehenden JudenthumS nicht einverstanden und der Entscheid erfolgte, da« Lind sei vom Religionsunterrichte diSpenstrt. Unter solchen Umständen ist der ganze Entwurf überflüssig, dann lass« man die jüdische Lirche ihren Auflösungsprozeß ohne Gevatterschaft de« Staate« machen, dazu bedarf man keine« kostspieligen Apparates. Die Gewissensfreiheit ist nicht so aufzufassen, daß e« jedem Individuum freistehrn kann al< ReligionSstister sich zu geriren; der eine au« IndifferentlSmu«, der andere aus Sparsamkeit, well er die Lultkosten scheut, der dritte au« HyperorthodoxiSmu«. Wenn wir daher den einheitliche» Gemeindeverband festgestellt wissen, so können wir den Entwurf ganz oder mit unwesentlichen Modifikationen annehmen; aber ohne Sicherung d«S Gemeindeverbandes, mit dm offenen Hinterthürm demselben an- Indifferenz, ZrlotiSmu« oder Geiz entschlüpfen zu können, ist daS ganze Statut überflüssig." Oesterreich. Mir». Lompert'S Rede am Grab« Moritz Hartmann'»*) „VI« drin ältester Lamrrad, al« Einer, der demselben Lande «nssproffm, denselben Zielm zugewmdet, mit dir da« Lnabm- und Jünglingsalter durchmaß, steh« ich an deinem Grab«, um dir ein letzte« Wort nachzurufm An deinem Grab«! und ein letzte« Wort! Unsagbar, namcnlo« lst da« Weh, da« mich in diesem Augenblicke ergreift. Ich, ich, der ich dich gekannt habe al» dm schönstm Lnabm, der dich aufblühen und »achsm sah in aller Herrlichkeit und Fülle de« Jüngling», ich sage dir dm letztm Gcheidegruß im Lrbm; mir hat da« bittere Geschick e« aufgespart, an deinem Grabe zu stehen! •) H. war am Id. Oktober 1821 zu Deschnick (in Böhmen) geboren unb hatte al» freisinniger Poet fweaen seiner Sedlchtsammlung ,Leich und Schwert") bi« 1848 viele polizeilichen Verfolgungen au«zuftehen. vom Wahlbezirke Leitmeri» in'« Frankfurter Parlament gewöhlt, gehört« er zu der nach Vien gesandte« Deputation, und miglng nur durch eine rechtzeltiae Flucht dem Schicksaal seine« Ämosten Blum, ill» .Unftöter" hielt er sich dann theil» in der Schweiz» thell» in Frankreich und England auf, bi« er 186» wieder nach Vien ging, um sein« journalistisch« rhötlakeil der ,N. fr. Pr.- zuzuwenden. H. war «n Urenkel de» Prag. Rabd. Eleas. Fleckele«s. >.(!>i«d.) Ich sah und stand dabei, und konnte <• erlausch«, wie du ein Dichter wurdest. Du zähltest kaum siebzehn Jahr«! Da entrang sich bereit« dm hochgespannten Saitm deiner Seele ein Gedicht, wie e« nur ein wahrhaft begnadeter Gmiu«, ein Dichter auf den tiefstm Tiefm seine« Wesen« findet. E« nannte sich „Adlerkönig". Ein junger LönigSsohn geht in dm Wald und findet unter einem Baume ein Rest voll junger Adler. Er nimmt e« auf, er bewahrt da« Rest in seinem Helme-und wohin er nur immer geht und trachtet, wa» er sinnt und dentt, die jungm Adler umschwirrm und umflattern ihn — er trägt Adlergedanken auf und in sich und über sich. Der Heldmsohn warst du! Du selbst warst der junge Aar! Adlergedanken dein stete« Gefolge von dm 'tagen der crwachmdm Jünglingskraft an bi« in die letztm Augmblicke deiner in der Blüthe vollständiger Sttebm«- und Schaffm«lust gewaltsam abgebrochmm Manne«hoheit. Al» da« Vaterland noch im dumpfm Banne befangen lag, da litt e« dich nicht in der bemgmdm Atmosphäre. Da hobst du deine leuchtendm Fittige, und sie trugm dich höher, immer höher, dem Lichte, der Sonne, der Freiheit mtgegm! Da« Buch, welche« man die deutsche Literatur nmnt, fühlte und fühlt da« gewaltige Rauschm deine« Gmiu«. Zürnend hattest du da« Land deiner Geburt verkästen; aber dein Zorn war jener heilige Zorn, der die Liebe selbst ist, die heilige, kmsche innige Liebe! Flüchtig und gehetzt, trugm die Fittige dich immer weiter und höher. Aber, ob du auch zuweilm nicht wußtest, wohin dein Flug sich richtm sollte.. . immer bliebst du der junge Aar mit dm Adlergedankm! Immer bliebst du der Sohn der reinen Lüfte; der Schmutz de« Lebm« haftete nicht an dir. Da« zu Bo» dm ziehmdr und am Bodm haftende Wesen bcrechnmdrr Gesinnung blieb dir allezeit ferne Und wie der Dichter de« „Faust" sagm konnte: „Wär' unser Aug' nicht sonnmhast, Wie könnrm wir die Sonne schäum?" so kountm wir von l)r. Moritz Hartmann sagm: Wie wärest du da» gewordm, wa« du warst, wärest du nicht stet« in Glück und im Leid, i» dm Tagm sonnigen Glanze», wie in dm schwersten Heimsuchungen der — Aar geblieben ... ein makelloser, ungetrübter, goldmer, durch und durch trmer Charakter. .. Rach mehr al« 20 Jahrm kehrtest du heim, heim in dwr Vaterland, in dem e< tndeffm lichter und freier und wohnlicher gewordm war. Di« geliebte Stätte lag wieder vor dir, du gründetest dir ein Hau«, wie r« schöner und trauter nicht gedacht werdm kann ... Du wolltest mit un» dich frmen, mit un« ringen und streben um wenn e< galt, wieder leiden und käinpfen! Ach du warst bereit« ein müder gebrochener Aar. Der Tode«- pfeil hatte deine Fittige geknickt, du warst zur Heimath gekommen... um zu sterben! Moritz Hartmann! Du bist todt! Du treuer Lamarad, du edelster Krmnd, du herrlicher Mmsch, du Dichter! Mann ohne Lug und Trug! Du bist todt. und all unser Llagen, all unser unsagbar« Weh' schrumpft in dem Einm Worte zusammm: Leb« wohl! Lebe wohl für immer! Ich, dein ältester Lamarad, ruf« e« dir zu amt dm Tiefm meiner erschüttrrtm Seele! Ich rufe e« dir zu im Namen jener Frau, dir du drinm Schutzgeist auf Erdm nanntest ... deiner Gattin. Ich rufe e« dir zu im Ramm deine« rinzigm Linde«, da» verwaist zurückbleiLt. Ich rufe e« dir zu im Ramm der Heimat!, und de« großen dmtschm Vaterland««, da» dich mit Stolz unter seine Lieblinge zählte. Leb« wohl! Friede, Friede mit deiner Asche!" England. Nach dem in Nr. 20 erwähnten Rechenschaftsberichte de« Londoner Eomitä betrugen die bi« Ende März eingegangenen Spenden für di« persischen Juden 13,642 ß. Davon waren 10,350 »ertheilt und zwar nach, resp. in Teheran, Schira«, Zspahan, Buschir, Urumia, Hamadan, Zezol, Demawend, Gilpaygon und Laschan Suminen von 1783 bi» abstrigmd, zu 850 $. Sodann 300 # nach Bigdad für die dorthin geflüchteten Perser. Di« Gelder nach Persien gingen an Mr. Alison, brtttschen Gesandten in Teheran, dtzrch

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