Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 21.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/5369809-5935003-5935617--1211-5370836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
169 entnehmen wir noch die Notiz, daß erst auf energische- Ansuchen de» Deutschen Consul«, vr. Bährsen, in Gemeinschaft mit mehreren seiner Kollegen, der Generalgouverneur sich zu« Einschreiten bewogen fand, daß aber die Juden am 4. sich noch nicht aus ihrem verbarricadirten Stadtviertel hervorwagten. Vermischte und neueste Nachrichten. Stettin. Ueber das Schicksal der den Lesern durch die TageSblätter bekannt gewordenen Petition der Synagogen-Gemeindr Lyck (die Rumänischen Juden betreffend) berichten wir nach Austrag der Angelegenheit im Plenum des Reichstage», vor dem ja, wie wir bereits gemeldet, auch eine „Interpellation" hierüber zu erwarten steht. Merti». Die bedrängte Lage der Juden in Rumänien hat mehrere hervorragende Finanzmänner unter ihren hiesigen Glaubensgenoffen Beranlaffung gegeben, in ein Comite zusammen zu treten, welchedie Absicht hat, dahin zu wirken, durch «inen Aufruf an fämmtliche europäische Glaubensgenossen die Luden Europa» von jeder Betheilung an rumänischen Finanzoperationen zurück zu hafte». R. A. Z. Desgleichen berichtet die Franks. Pr. auS Irnutfurt «. M. Gestern circulirte an der hiesigen Börse eine Erklärung, durch deren Unterschrift sich die ersten jüdischen Häuser verpflichten, mft dem Staate Rumänien weder irgend welch« Anlehen abzuschlleßen, noch mit demselben sonst irgend welche finanziell« TranSactionen einzugehen. Wie wir hören, findet dieser Schritt in Börsenkreisen die lebhafteste Zustimmung und wir glauben auch, daß diese Lektton, die «an jüdischerseits den rumänischen Rechtsuuterdrückrrn zu ertheileu vor hat, bet dem dekanutea Zustande der rumänische« Fin«^'.n ihr« Wirkung kaum verfthlen dürfte. Hkose», Id. Mai. Die Hostiendiebin in der Dominikanerkirche ist gestern vor dem Schwurgericht zu vier Jahren Zuchthaus verurtheift worden Bekannttich fanden öffentliche Gebete seiner Zeit statt, um die „göttlichen" Strafe», welch« einer solchen That zu folgen pflegen, von der Stadt Posen abzuwenden. (Ostd. Z.) Mie». Moritz Hartmann ist hier am 13. Mai gestorben. An seinem Grab« auf dem isr. Friedhöfe sprach Kompert, sein ältester Kamerad, anknüpfend an H.'s Gedicht „der Adlerköuig", ergreifend«, von Poesie durchhauchte Worte. (Wir Hessen dieselben in der nächsten Nr. mit.) Eia Protest, wie er nicht wirksamer gedacht werden kann, ist dieser Tage — wie nun un» mittheift — von hier aus nach Bukarest abgegangen, der Protest eines Künstlers, der Jude ist. Kapellmeister Sulz er, ein Sohn de» Wiener OberrantorS, wellt jetzt hier «l» Kapellmeister der italienffchen Operngesrllschaft. Fürst Earl ernannte vor längerer Zeit Herrn Sulzer zum Hofkapellmrister mit einem ZahreSgehalte von 150 Dukaten; nun aber sandte Herr Sulzer da» Ernennungsdecret zurück, retournirte die ersten 150 Dukaten, die er bezogen, und erklärte, von einem Fürste», der seine (SulzerS) GlaubenSgenoffen nicht bester zu schützen wiffe, Mt*~ könne er keine Titel und keine Geschenke accepttreo. (P. Z.) Schwelt. Nach der jüngste» Zählung stellt sich die Zahi der in der schweizerischen Eidgenoffenschaft lebenden Juden auf 7037. £*«. Wie die letzte Zählung ergeben hat, wohnm in der Stadt Rom 232,675 Kathollkeu, 4618 Israeliten, 3798 Protestanten und 3402 verschiedenen anderen Religionen Angehörige. Aischex» (Rußland). Es wurden auch hier Hetzplakate gegen die Juden affischirt; der Gouverneur ließ in Folge dessen öffentlich bekannt geben, daß ein Jeder der bei dergleichen Affichirungen ertappt würde, sofort nach Sibirien verbann t werde. Sollten aber wirklich Unruhen dieserhalb ausbrechen, dann folgen der Verbannung noch 8 Jahre Zwangsarbeit. (DaS wirkte I) (P. L.) — Als der russische Kaiser am 23. April in Odessa war, wollte er von der Bevölkerung kein Salz und Brod als Zeichen seiner Gnade annehnien, da er über dieselben wegen ihrer Judenhetzereien sehr aufgebracht ist. (D. Z) Austurest, 14. Mai. Sämmtliche ZSmailer Judenhetzer wurden gestern vom Brailaer Schwurgerichte freigesprochen. — Letzten Sonntag wurde hier ein neuer Diebstahl in der St. Georgskirche versucht; die Uebefthäter wurden in ÜLgranti ergriffen und in Haft gebracht. Sie stellten sich Alle als gut orthodoxe Serben heraus. Trotzdem versucht es ein hiesige» Blatt, mit infamer Bosheit zu insinuire», daß es Juden gewesen seien. Sie sehen, daß die Hetzereien ungeschwächt fortgesetzt werden, und ich weiß nicht, ob der spitzfindige Rapport des Herrn Zustizministers (den wir in nächster Nr. im Auszüge mittheilen. Red.) nicht eher danach angechan ist. die Wuth des Pöbel» aufzustacheln, als zu dämpfen. Das ist der Fluch der halben Maßregel! (N. fr. Pr.) Av«ßa»ti«»pek. Lev. Herold meldet: Die Urheber der Juden hetzen in Smyrna sind in Ketten hierher gebracht worden. Die Regierung will das strengste Beispiel statuireu. Der Sultan sagte: „In meinem Reiche giebt e» nicht mehr Christen, Mohammedaner und Juden mit verschiedrnen Rechten, sondern Staatsbürger mit gleichen Rechten." $ta» Hort. Am Sabbath Haggadol ist «ine neue prächtige Synagoge der Gemeinde Ahabath Chesed eingeweiht worden. Die Versteigerung der Plätze ergab Rrsuftaie, die in Deutschland fast fabelhast klingen. Der höchste Preis betrug 72 l5 Dollar», der 2. 6500. 14 Sitze im Centrum brachten über 18000 Dollars. Feuilleton. Neisedrieft aus dem Grieut. e^iu* mm wt. Nummer. den 4. März, 8 Uhr Abend». Das war ein wechsrlvoller Tag. Um 3 Uhr Nachmittags setzte» wir unS zu Pferde und ritten durch deo Bazar und daS Thor zur Stadt hinaus. So schön Jaffa von ferne ist, so häßlich ist eS im Innern, daS Schönste noch sind die kopfgroßen Orangen, welche haufenweise auf der Straße feilgeboten werden. Und so häßlich die hochragenden Gaffen sind, so lieblich sind die Gärten, ringsum von Cactushecken eingezäunt. Hin und wieder ragt eine Palme hervor, die Hohe auf der Höhe. Ich komme mir wie in einem orientalischen Zaubermährchrn vor. Zum Thor ritt unsere Cavalkade heraus, 14 Pferd« und Maulesel stark. Das kommt zwar theuer, macht flch indeß vompöS. Born der Mukair, dann wir und der Dragoman, und zuletzt S Pferd« und Efel, welche den Koch, die Küche, die Zelte und unser Gepäck tragen. Wir hätten mehr alS die Hälfte Gepäck zu Hause kaffen könne«, auch Empfehlungen brauchte man nicht so viel, nur Bakschisch. Indessen hat Albert Cohn'» Empfehlung uns eine augenehme Stund« bereitet. Etwa 40 Minuten von Jaffa hat nämlich