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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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«. ZU, 1. Mai. Geste« famftwttc sich in raßr eine ganz anßergewöhnliche große Measchen» an Wie ein Flugfeuer hatte sich nämlich die Nachricht Stadt verbreitet, daß der „Allgemeine Almosenkasten" Fl., welche ihm von den Anverwandten de* gestern bel Herrn König»marter zugestellt worden waren, vertheilen Dal Gerücht war wahr und gar Biele erhielten «in von 2 Thlr. oder 2 Gulden. (Fr. Pr.) München. — Ueber die Judenhetze in Rumänien giebt f» sollt« man denken, nur eine Stimme de- Abscheue» allen Parteien und Confesstonen. Aber nein, Herr r, der Redakteur de» ultramontanen „Münchener Bolk»- findet diesen Vorfall ganz in der Ordnung und kann Herhehlen, daß er ihn je eher je lieber in München Nachsehen möchte. Daß die Juden des Kirchmdiebstahl» big waren, versteht sich von selbst, und daß ihnen von empörten Christen die „Judrnnasen" verbläut wurden d<« Justiz fie noch dazu auf etliche Jahre einsperrte, Herr Zander höchst billig und gerecht. Mit großem 1« vernimmt dieser Menschenfreund nun heute, daß die jüdischen Spitzbuben" vom Fürsten Carl begnadigt worfind, und knüpft daran die Bemerkung, „daß dies nur; strikten Befehl von Berlin au» geschah, wird Jedermann lfm, nicht aber, wie man Diebstahl und Kirchenschändung »oiren kann." Xmlct». Am 19. April starb, nur etwa 40 Jahr!, ßr. Herrn. Fränkel, Landesadvocat. Al» armer Knabe er nach Lemberg, studirtr unter Mühen und Entbehrungen ward durch Geist und Redlichkeit groß. Die größten ,1chnungen wurden ihm zu Theil, die Juden wählten ihn 'Vorsteher, die Gesammlbürgerschaft zum Bettreter im Geth und im Landtage. Dabei wurde er auch reich, aber nie, daß er auch arm gewesen, hob die» bei jeder »heit hervor und unterstützt« di« Armen reichlich. (Rach «. 3fr.) V«rf*. Crömieux befindet sich in guter Beffenma und fein Landhaus bezogen. (P. Jsr.) — Die „JtMn. Ztg." hatte unlängst berichtet, Thier» in seinen Concessionm au den Kleru» soweit, daß er rin« Ifen Ed.. Mayer, Unterpräfaetrn in Chütillon (Cöte d'Or) gt habe, weil der Ortspfarrer sich darüber beschwert derselbe besuche die Mess« nicht; da» sei aber ganz denn Mayer sei — Israelit. — „Arch. Jsr. be» hierzu, E. Mayer sei au» Metz «»»gewandert und, er kurze Zeit al» Unterpräfect in CHLtlllon funairt, "ln derselben Eigenschaft nach Montdidier (Somme) versetzt' Ort sei «chenso katholisch, wie jener. Wenn also da»!i» seiner Entfernung richtig sei (die» scheinen die „Arch. ' nicht zu bestreiten) so Hab« jedenfalls Mayer nicht» ver- und der JHeru» nicht» gewonnen Au» MontßäNard berichtet „Lrsuemout": Der Unterhat durch seine Umsicht und Thatkrast einen schwerm »stoß zwischen den Katholiken und Protestantm in «rt zu verhüten gewußt. Diese schon an sich seltsame icht, wird noch piquantrr, wenn man erfährt, daß der Unterpräfekt, Lävytier, ein Israelit«, au» Raney gerdeaua. Der erste Cantor der hiesigen Synagoge, kastro, ist vom llnterrichtsminister für ausgezeichnete ßtzch« im Fache de» öffentlichen Unterricht» zum Officier der Whemie ernannt worden. Wir empfangen von L. Emairuel, «Decretair Board, den letzten, mit Aprll abschließenden Semesterbede» London Committee of Depatie* of the British Jews. größte Theil desselben ist der persischen Unterstützungs» ahrit gewidmet. Die Aktenstücke sind zumeist bereit» Eine Zusammknftrllung der bi» jetzt in Persien ver- Iteu Gelder und einig« statistische Daten im nächsten Blatte. Sir MoseS Montefiorr hatte stch an Lord Granoillr mit gewendet, di« rumänischen Juden gegen fanatische Anwährend der Osterfeiertage schützen zu wollen. Da» ' ge Amt zeigte demselben hierauf an, daß.«in dipSbe- > Maftrag allen britisch« GeneräkeousAtu und Agefit« in den Donaufürstentbümern telegraphisch zuoegangen, und auch in Pari», Berlin, Petersburg, Wim und Rom beantragt ward« sei, ähnlich« Schritte zu thun. (Univ. Jsr.) Mkua. Am 11. Adar ll. ist der Rabbiner Samuel Straschun Im 87 Lebmsjahre gestorben. (Sein Sohn, R. Matttjahu, ist den Literatm bekannt.) (Maggid.) Aonfianttnopek, 6. Mai. Der „Courrier de lDrimt" veröffentlich ein ihm zugegangene» Telegramm aus Gallipoli vom 4. d., wonach auf der Insel Marmara bereit» seit drei Tag« Judenverfolgungen stattfinden, angeblich, weil ein Grieche verschwundm sei Die Synagoge ist demolirt, di« Wohnung der der Juden und die Judmgewölbe werden geplündert, die Rabbiner in» Gefängniß gesetzt. Die verfolgt« jüdisch« Familien flüchten sich in die Häuser der Türken. Zsnüarest. Don den 5 unschuldig verurthrilten Juden sind nur zwei, der Rabbiner und Vorsteher, vollständig begnadigt, dreien ist die Strafe nur gemildert. Wersten. Der Schriftführer des Londoner Verein» zur Linderung der HungerSnoth in Persien veröffentlicht daS folgendr,trauriginteressante Telegramm von dem Gmlecapitän Pierson, d. d. 3. Mai: „Bin glücklich in Teheran eingeiroffen, da ich unter starker Bedeckung reiste; Straße dageg.n äußerst gefährlich für kleine Reisegesellschaft« Zn Hauz-i-Sultan fand ich den vom Großvezir zur Ausrottung der Räuber abgefchickttnr Beamten im Zustande vollständiger Hülflosigkeit, da er selbst bi» aufs Hemd auSgezogen worden war. Die Saaten stehen und Wasser ist reichlich vorhanden, aber dies letzte Stadium der HungerSnoth ist weit schrecklicher anzusehen al» da» erst«. Die Straße ist mit halb aufgezehrten Leichen bedeckt. Au» dm Räumen der Karanwanseraien, in denen ich logirte, hatte ich mehrmals die Leichen herauszuschaffen. Kannibali-mu» ist nicht selten. Aber die Preise sind rasch im Fall« und da» End« der HungerSnoth steht, wie ich hoffe, nahe bevor." ' Mew-Verst. Der Board of delegates hat jetzt auch ein« Aufruf zu Spendm für Persien erlaffen. — Am 11. April feierte die Hehre* beneroleni and Orph&n Asylum Society ha» Jubiläum ihres SO jährigen Besteh«». Die Blätter geben über Geschichte der Gesellschaft und über da» großartig« Fest bogenlcnge Berichte. Feuilleton. Leiseßriefe au» Lew Orient. lFortsetzung.) * Zfttnndrten» den 29. Februar. Nun haben wir dir Alexanderstadt von verschieden« Seiten gesehen. Sie ist ein europätsirte» Asten oder astattstrte» Europa. Auf d« Straß« fahr« die schönst« Equipagm mit Dam«, die nach dem Modejournal gekleidet sind, hinter ihnen trotten Kameele mit häßlichen Führe«, Frauen mit verhüllt« Gesichtern und entstellender Kleidung, halbnackte Gestallt« und Dandy'». Arabisch, französisch, intalimisch und englisch wird durcheinander geschrieen. Palmbäume rag« überall hervor, Rosensträuße werd« angeboten. Kurz e» ist ein bunte» und intereffante» Gemisch, das stch nicht beschreiben läßt. Viel Sehenswerthes haben wir in Augmschein genommen. Den Obelisk de» Thuensti« mit Hieroglyphen bedeckt, die PompejuSsäule, den Mohamwedin-Kanal, die schönen Gärten de» BicekönigS und noch viele Paläste und Hütten. •i Dt« non hier ab folgenden Fragmente find an» Briefen genommen, di« weder an den Herausgeber gerichtet, noch für den Zweck hzp verüssentlichuag geschrieben, sondern un» von dem.Adresiaten, der fich t« Zustimmung des «eisenden sicher weih, gü'igfi Obertassen worden find. Wir lasse» daher alles Persönlich«, anch dt« nielsach den Schreiber «heenden Bemerrurge» und Sesßhlchrnsdrück» «eg und ertaube» m nt nh faKftd Mb «rledw» ah^druckrn. («*.)

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