Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 20.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5369809-5935003-5935615--1200-5370826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vm Berichte darf ander, Herr» femfpMkntat, der Feier b«tgewah»t hat, entnehme» »tr zur Lrnoch folgend« Sätze: „Zuletzt (d. h. bei der Feier, DDr. Philippson und Geiger) sprach Profeffer Lazaru» lige» das Maaß weniger Minuten nicht überschreitende Worte i gewohnter geistvoller Weise. Die Vorredner hätten durch Kader Gegenwatt einen Blick in die geschichtlich« Leraheit geworfen; er wolle in die Zukunft hinau-schauen fragen, was die Hochschule für di« Zukunft bedeute. Er e an den Au-spruch unserer Weisen:,Leder der einen Recht-- > der Wahrheit fälle, der sei ein Genosse Gottebei der Schip- (,« Wer vom ehrlichen und rechtlichm Streben nach Wahrheit Erkenntniß erfüllt sei, der vollbringe eine neue Schöpfung, ' schaffe eine neue Welt de- Geiste-. Ein« solche neue Schöpfung Aistin dieser Stunde vollendet, doch nein — nicht vollendet,sondernnur; 1ug»«en.Deun das machtja eben dieEigenthümlichkeitjeder geistigen;Hlrfett au«, daß sie nie zum Abschluß gelangt, sondern immer erst itzer Beim zu neuen schöpferischen Ideen wird. Dir Wijseo- ^jft werde sich in der neuen Anstalt tagtäglich erneuern nnd Hprrjüngrn, und so rufe er auch den Lehrern zu: D"*ip3^ D"BTm PD1,, erneuert an jedem Morgen werde sich ihre Treue Hingebung erweisen." Verschiedene Empfindungen be- ^herrschen die Männer, die ihr Interesse der Hochschule zünden. Den einen bestimme mehr da» religiöse Moment, der! werde mehr von wissenschaftlichen Motiven gleitet, bei einem kten sei dir Pietät die bewegend« Kraft; einig aber seien alle ’in ernsten rechtlichen Streben, und diese» sichere der Anstalt rf»e segen-reich« Zukunft. — Heute werden die Vorlesungen Ähren Anfang nehmen, zu denen sich bi-her gegen zehn Hörer, ihm» ein katholischer Student, gemeldet haben." Gttrfrktz, 8. Mat. (Orig. - Eorresp ) Ihr geschr Blatt pfat seit geraumer Zeit über hiesige Vorgänge nicht» berichtet, nnd mag wohl die Ruh« und Geräuschlosigkeit, mit der sich gar manche verzeichnen-werthe Fortschritte auf dem Ge- , ßiete. eoannunaler Gleichstellung vollziehen, dir Ursache davon HA», daß diese Ereignisse nicht schon früher den Weg in die ^Oessrntlichkeit gefunden haben. Lassen Sie mich da» Versäumte «chholen. Ihre Leser bekommen so mancherlei über schreiendes Unrecht, Rechtsverletzung, ja auch blutige Gewaltthat, gegen Juden verübt, zu hören, daß e» für sie wahrhaft wohl ähnend sein muß, von den Segnungen, die die entgrgenkom- «rnde Anerkennung unserer Stecht« verbreitet, etwa» zu er« Die fteundlichen Gesinnungen, die von der christlichen . Bevölkerung gegen die jüdische gehegt werden, und die bei der Installation, unsere- Obrrrabbiner» in so eklatantem Maß« -g«« Ausdruck gelangten, dauern in erfreulicher Weise fort. (Ihnen, oder vielmehr dem ihnen zu Grund« liegenden Legali« ktätS» nnd Gerechtigkeitssinne verdanft dir hiesige Gemeinde ^Manchen schönen Fortschritt. So ist die jüdisch« Elementar« Atzule schon seit vielen Jahren städtisch, d. h. sie wird von W Stadt in gleicher Weise wie dir christlichen vollständig Hrferhalten. (Köln hat die» erst vor Kurzem ngch langen Wünschen und unter Hinweisung auf Erefeld erlangt.) Selbstdlich ist e», daß der Herr Obrrrabbiner Inspecwr der Mchule ist. Der Religionsunterricht, den derselbe in den Höheren Schulen ettheilt, wird nach demselben Modu» wie bei <-be» christlichen honorirt. — Reuerdiug» hat sich dieser com- Dpmale über eine blo» passiv« Toleranz hinau-gehende Libera» °Mmn» in schönster Weise docmnentirt. Vor etwa eine« Jahr, wählte der Sradtntth unsere. Herr» Oberrabbiner einstimmig zu« Mitglied« der städtischen Schulcommission. Unser damaliger Eultu-minister, Herr Mühle«, dem dies« Wahl zur Bestätigung vorlag, suchte durch allerlei Mitttlchen dieselbe zu umgehen, mach« verschiedene ganz neue Vorschläge, di« Alle-, nur Nicht» von der Bestätigung jener Wahl enthielten. Die Commune bedankte sich für die ertheitten Rath- und Vorschläge, brharrte aber charaktervoll bei ihrem Beschlüsse, und unmittelbar vor seinem segensreichen Abgänge mußte er JOK 1/T13 sagen. Und so ist unser Herr Oberrabbiner vor einigen Wochen denn auch wirklich in das neue Amt geführt worden. Ueber dir von demselben entwickelte Thätigkeü zur Hebung und Förderung de» Schu'.wesens im Crefelder RabbinatS-Sprengel, sowie über den eigen» zu diesem Zivecke in's Leben gerufenen Verein berichte ich das nächste Mel. (Wir waren stets der Ansicht, daß wenige»' durch Petttionen beim Land- oder Reichstag, als vielmehr durch den Eifer und die Verwendung eines mannhaft aufttettnden Gemeindevorstandes bei den städttschen Behörden, und deren muthigeS und beharrliches Eintreten für die Sache des Rechts und der Gleichberechtigung aller zum Stadtseckel Bettragenden die Parität der jüdischen Elementarschule sowohl wie des jüdischen Religionsunterrichts errungen werden kann. Wir freuen unin Crefeld die volle Verwirklichung derselben zu sehen; wie für Cöln dürfte diese- Beisviel auch für andere «Gemeinden, an deren Spitze thatkräftigr Vorstände stehen, die die paritätische Regulirung ihre- Schulwesen» in die Hand zu nehmen und energisch durchzufahren bestrebt find, von großem Nutzen sein. Red.) München, 19 April. Da» ganze Budget de» CultuSministrriumS fammt alle» seinen Unterabtheilungen und Anhängseln wurde heute in der Kammer der Abgeordneten in einer einzigen, allerdings sechs Stunden langen, Sitzung durchbera« then. Und dabei keinerlei Stteit! Ja, die gegenseittge Toleranz ging noch wetter. Nicht nur die Domherren, Pfarrer und Kooperatoren der Katholiken, die Conflstorialräthe, Pfarrherren und Vikare der Protestanten wurden in ihren Gehalten und Bezügen erheblich aufgebessert sondern zum erstenmal seit e» in Bayern ein Budget giebt wurde auch einePosttion für den israelitischen Cultu» in dasselbe ausgenommen, eine nur kleine Summezwar, bloß zur Unterstützung gering dottrter Rabbinatistellen, aber doch genug um die Gesinnung»« größt dieser edlen Kammer zu documenttren. Hrn. Mahr freilich war diese Neuerung gar nicht recht, aber er hatte heute keinen glücklichen Tag; zuvor schon war er von seinem College» in eocleoia, Hrn. Rudolph Weiß, der bei dieser Gelegenheit al» ein sehr scharfer und schlagfertiger Redner sich bewährte, al» jenor die Zöglinge der Lehrer - Präparandenschulen in seiner Weise kritisirte, unter dem Beifall de« ganzen Hause» heimgeschickt worden. In Summa: alle die zum Ministerium für Kt.chen- und Schulangelegenheiten gehören, vom Minister bi» herab zum letzten Schulgehülfen, Kirche, Wissenschaft, Kunst und der grsammte Unterricht mögen dieses Tage- und seiner Ergebnisse sich fteuen. Die entsprechend« Stelle irr .em Sitzungsberichte laut«: „Dr Frankenburger beantragt zur Aufbesserung der gering dotirten Rabbinatsstellen auf höchsten- 900 fl. die Summ« von bü00 fl. einzustellen, welchen Anttag die Kammer unter Zustimmung de» Cultu-ministerannimmt. Dr. Dölk eonstatirt, daß in Folge der heutigen Bewilligungen auch andere ReligiunSgenossenfchasten künftig Staatszuschüsse werden beanspruchen können, da man doch nicht sage» kann: „da» ist ein«