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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 20. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 20.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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4) dm Eentral-Pensions-Kaffe to CtanrinMfonbel G» Bildet werden, um auf Befürwortung der Local- und BrztrA-- »erbands-Lorfiände subsidiär einzutreten.- Die nähere Ausführung und organische Gestaltung dieser Vorschläge ist besonderen Commissionen zu überweisen." - Diese Resolutionen werden en bloc angenommen. Zn der Nachmittagsfißung referirt vr. Philippson über daS Gemeinde,erfassungswesen. Nach einem historischen Rückblick schlägt er folgende Resolutionen vor: „1) Der Gemeindetag erklärt es für heilige Pflicht aller deutsch-israelitischen Gemeinden, daß sie den einheitlichen Fortbestand der Gemeinden zu erhalten und zn sichern haben; 2) der Gemrindetag gibt dem Ausschüsse auf: a) in allen Fällen, wo in einer deutschen Gemeinde ein ernstlicher Zwiespalt, der zur Trennung führen könnte, ausgebrochen, sich auf gütlichem Wege, ohne sich in die religiösen Parteifragen an sich zu mischen, um eine Aussöhnung angelegentlich zu bemühen; . b) falls sich die gesetzgeberischen Faktoren eines deutschen Staates dazu anschicken, die Gemeindeverfassungen der jüdischen Gemeinden zu ändern, auf jene im obigen Sinne möglichst dahin zu wirken, daß der einheitliche RechtSverband der Einzelgemeinden gewahrt bleibe." Herr Spanier-Herford stimmt mü These a) überein, ist aber gegen den Zwang zur Gemeindeeinheit und trägt auf Ausarbeitung eines Musterstatuts durch den Ausschuß an. Adv. Lehmann dagegen ist für These b), nicht aber für a); eine Einmischung in innere Angelegenheiten der Gemeinden sei bedenklich. Herr Goldzieher stimmt Herrn Spanier-Herford zu; in Hamburg habe die Freiheit keinen Schaden gebracht, vr. Philippson macht darauf aufmerksam, daß 3VO preußische Gemeinden ihn beauftragt, in dev von ihm setzte vorgeschlagenrn Weise vorzugehen. Der Borsitzend« befürwortet noch besonders Punkt a) der Thesen, da die Spaltungen in den Gemeinden nicht immer religiöser, sondern häufig rein persönlicher Natur seien. Prof. LazaruS legt ein warmes Wort für Aufrechterhaltung der einheitlichen Verfassung in den Gemeinden ein. Die gesetzgebenden Faktoren müsien über die wahren Znteressen der Gemeinden aufgeklärt werden; kleine Gemeinden können die Spaltung nicht vertragen. Wie der staatliche, so sei auch der Gemeindezwang nothwendig; der elende Beitrag könne keine Kränkung der Gewiffenssreiheit sein. Sollen wir denn dir Einheit im Leben verbannen, um nur noch die Einheit des Gottesackers zu bewahren? Nach Schluß der Debatte wird die Einleitung der Philippson'schen Anträge einstimmig angenommen, a) gegen 1 Stimme b) gegen 5 Stimmen. Der Antrag Spanier-Herford wird einstimmig angenommen. Adv. Lehmann referirt sodann über die Einordnung des jüdischen Religionsunterrichts in das Bolksschulwesen. Da dir Debatte hierüber, wie wir bereits berichtet haben, zu keinem praktischen Resultate geführt hat, so behalten wir uns vor, auf die Lehmann'schen Resolutionen besonders zurückzukommen. Berichte und Correspondenzen. Hterti«, 25. April (Orig. Corresp.) Zn der gestern Abend stattgehabtrn General-Versammlung des hiesigen Zweig- BereinS der Alliance Israelite Univ. gab der 3. Gegenstand der Tagesordnung: „Organisatton des Zsraelitenbundrs in Deutschland" zu lebhaften Debatten Anlaß. Der Vorsitzende Herr Pros. LazaruS, betonte in einem länger» Bortrage di« Roth» Wendigkeit einer selbständigen Organisation des Zfrael itenbunbe» in Deutschland, welcher gleiche Zwecke wie di« All. Israälits verfolgend, mtt derselben Hand in Hand gehen werde, während jetzt durch die Abhängigkeit von Paris die Thättgkeit gelähmt sei, und die weitere Ausbreitung auf Hindernisse stoße. Eine Einigung sei darüber im Vorstände nicht erzielt worden und deshalb zwei OrganifattonS-Entwürfe, der eine von Herrn Eanitätsrath Kristeller, der andere von Herrn Rechtsanwalt Makower enNvorfen wo.den. Die beiden Herren trugen ihre Entwürfe vor; und zwar war der von Herrn Hakowee ausgearbeitete Entwurf auf eine selbstständige OrganisiUionjbasirt, während Herr Kristeller mehr Anschluß an den französischen Bund bezwecktes Nachdem auch noch Herrn Rektor Monvitz für die Zdee des Vorstandes plaidüt und besonders hervorgehoben hatte, daß durch die jetzige Machtstellung Deutschlands der Tendenz, der Grundlage und dem Zwecke des Vereins gemäß eine selbständige Organisatton des deutschen Israeliienbundes geboten und der Umweg über Paris zu vermeiden sei. sprach auch Herr vr. Zonas, der zuerst hier Mitglieder für die Alliance geworben hatte, gegen dir Abhängigkeit von Paris. Er habe Sitzungen der Alliance in Paris beigewohnt, indcsien hätten die Franzosen stets sich als die Vorkämpfer der Civilisation bettachtet und auf die deutschen Mitglieder wenig Rü.ck- , sicht genommen. Es waren damals in Berlin auch nur 50 Mitglieder gewesen. Nunmehr sprach Herr M. G. Lewy, gegen die Zntentton des Vorstandes, einen Sonderbund zu bilden. Er hob hervor, wie es eine ganz falsche Darstellung sei, von einer französischen, Pariser Alliance zu sprechen und führte die vor einigin Zähren in denselben Räilmen von dem greisen Crämieur gesprochenen Worte an, dir damals mtt rauschendem Beifall ausgenommen worden: „Wir sind keine französische, kein« englische, keine deutsche, wir sind eine Zfraelitische Alliance." Wolle man nun diese Zsraelittsche Alliance nach Nattonalitäten spalten? Denn waS die Deutschen als ein Recht beanspruchen, würden doch auch Oesterreicher, Holländer rc. rc. thun dürfen nnd wo wäre dann das allgemeine Band? ES sei gleichsam eine göttliche Fügung, daß zu derselben Zett, wo religiöse Spaltungen zu einem unheilbaren Bruch sich zu erweitern droben, rin neues Band — und die« sei die Alliance Israölite Universelle — die ganze Zudenheit umschlinge, und nitn wolle man auch dies zerreißen? UebrigenS möge man sich keinm Illusionen hingeben, die deutsche Zudenheit würde nur zum geringen Theile einem solchen ttennenden Bunde sich anschließen, und man hätte dann nur noch einen neuen Riß den schon bestehenden hinzugefügt. Herr vr. Brann schloß sich diesen Ausführungen an und bekämpfte lebhaft jede Sonderbündelek. Auch vom BorstandSttsche erklärten sich Herr SanitätSrath vr. Neumann wie Herr Heymann gegen eine gesonderte Organisation und verlangten nur eine bessere des bestehenden Zsraelüenbundes — der All. Isradlite — in Deutschland. Um dies unzweifelhaft festzustellen, stellte Herr Heywann noch das Amendement hinzuzufügen: „und seines Verhältnisses zur Alliance Israölite Universelle." Da auch die Gegner sich 'damit einverstanden erklärten, wenn eine Einrichtung getroffen würde, die den deutschen Gliedern der All. Isr. den ihnen gebührenden Einfluß auf die Beschlüffe sichere, vom Vorstandstische auch nun die Erklärung folgte, daß in dem Anträge: „Organisatton des Zsraelitenbundes in Deutschland", der bestehende Bund All. Iraölite Universelle gemeint sei; so ward der Antrag des Vorstandes mü de« Amendement bä Herrn

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