Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 19.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Colmar 1× ep/1047872
- Minsk 1× ep/1000754
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153 E. T. 3tarf«fc, 22. April. (Orig. Corresp. aus tan Hebräischen übersetzt.*) .... Als Costaforu von einer Reise nach tan Rumänischen Bessarabien zurückkehrte, gab er — wie ich brieflich erfahren habe — den Juden in Z-mael'tröstliche Zusicherungen, er versprach, alsbald mit dem Fürsten Carl Rücksprache zu nehmen, dieser befand sich gerade in Galah, um den Prinzen Friedrich Carl zu envarten, ertheilte jedoch telegraphisch Befehl, die Derurtheilten frei zu lassen.**) So haben der Fürst und der Minister allerdings vor Europa gezeigt, daß das von der Berfassung dem Fürsten Zustehende (das Recht der Begnadigung) geschehen ist; aber die Berfaffung sichert im Art. II.,auch den Fremden im Lande, (wozu die Juden von den Rothen gerechnet werden) Sicherheit für Leben und Eigenthum zu! Die Erklärung dieses Räthsels wird unS hoffentlich die Zukunft bald lehren, möge sie günstigen Erfolg bringen/' *) Wir laßen den ersten Theil dieser Correspondenz als durch die Ereignisse überhalt fort, und geben nur den Schluß. —) Diese schon am 22. April uni zugegangme Nachricht unsere« Eorr. bringt da« „W. Telegr. 89." erst am 3. Mai als Telegramm. Vermischte und neueste Nachrichten. Zterki«. Die V. Z. schreibt: Bor Kurzem berichteten wir, daß die städtische Schuldeputation den Dr. Breslau als Lehrer bei einer städtischen Gemeindeschule angestellt habe und dies der erst Fall sei, wo ein Jude zu einer derartigen Anstellung gelangt. Diese Mittheilung bedarf insofern der Berichtigung, als der Genannte nicht von der Schul-Deputation und auch nicht für eine Gemeindeschule angestellt, sondern von dem Magistrat für eine höhere städtische Lehranstalt, Hierselbst zum ordentlichen Lehrer gewählt und behufs seiner Bestätigung präsentirt worden ist. Der Fall gewinnt dadurch noch an prinzipieller Bedeutung. — Hier fand den 24. April Abends eine General-Versammlung des hiesigen Zweig-Vereins der Alliance isr. Univ. behufs Berathung einer neuen „Organisation des Jsraelitenbundes in Deutschland" statt. Ueber die lebhaft geführten, prinzipiell wichtigen Debatten können wir, Raummangels wegen, erst in der nächsten Nr. ausführlich berichten. Arankknrt a. M., 27. April. Heute ist Zacharias Königswarter, Mitchef des Bankhauses M. Königswarter an einem Schlaganfalle gestorben. Es ist dies der dritte Todesfall, von welchem diese Familie in den letzten Monaten heimgesucht wurde. Krkangen. 6600 Fl. sind zu einem Denkmal für den verstorb. Professor Herz in Erlangen eingegangen, darunter 2700 Fl. aus New-Iork und Cincinnati. Wie«. (Statistik aus de» Volksschulen.) Nach den neuesten statistischen Date» besuchen gegenwärtig 41,915 Kinder die von der Commune erhaltenen 80 Volksschulen Wiens. Nach dem Glaubensbekenntnisse sind darunter: 39,222 Katholiken, 313 Protestanten beider Bekenntnisse, 2163 Juden, 17 von anderen Bekenntnissen. (N. fr. Pr.) Aus Koflaod. Bei Gelegenheit des am 1. April gefeierten dreihundertsten Jahrestages der Befreiung Hollands aus der Macht der Spanier, haben im ganzen Lande die Juden großen Antheil an der Feier genommen. In den meisten großen Gemeinden gehörten Juden zu den Fest-Commissionen. In Amsterdam ist die Sympathie der Israeliten denn auch allgemein anerkannt worden, und bei der allgemeinen Illumination konnte man Transparente sehen, mit der Inschrift: ,^Hoch leben die Juden!" (Isr.)?«ris. Felix Lazard, Rabbinats»Adjunct in Paris Feldprediger während des Krieges hat die Ehrenlegion erhalten, wie schon vorher sein College in dem Kriege, Herr Oury. — Jacques Felix, der Vater der Rachel, ist 76 Jahre alt gestorben. Samson Cohn, Sohn des vr. Alb. Cohn, Mitglied des Central-Consistoriums ist zum Advocat beim Civilgericht des Seine-Departements ernannt. — Die Wohlthätigkeits-Gesellschaft du patriarode Abra* harn, eine der ältesten in Paris, hat ein neues Bethaus erbaut. Daffelbe ist nicht groß, einfach, aber äußerst geschmackvoll. Am Einweihungstage haben Mitglieder zusammen 15,500 frcs. gespendet. Aber auch sämmtliche Bauhandwerker, haben zu Gunsten der Kasse auf die Gratifikation verzichtet, ja sogar empfangene zurückbezahlt. — Henri Gradis in Bordeaux, von dem unlängst eine Geschichte der Revolution von 1848 erschienen ist, ist zum Richter am Handelsgericht daselbst erwählt worden, j — Die neuen Conststorial - Rabbinate betreffend scheint j es festzustehen, daß Oberrabbiner Lippmann von Metz nach Lille versetzt werden wird; ob auch Levy, Oberrabbiner in Colmar, an das zweite nun zu gründende Consistorium übergehen, und in diesem einen Sitz haben wird, ist noch unbestimmt, Oberrabbiner Aron wird Straßburg nicht verlaffen. Neapel. Die Freimaurerloge in unsrer Stadt .,1a Fede Italien" hat Herrn Emil Hirsch, Secretair der israelitischen Gemeinde, zum zweitenmale einstimmig als „Venerabils" erwählt. — Wir sind seit langer Zeit ohne Rabbiner, unsere Gemeinde würde unter tüchtiger Leitung eines solchen sehr aufblühen. (Arch. Isr.) K«ri«. Die Nachricht von dem beabsichtigten Verkauf der in Bau begriffenen Synagoge ist falsch. (Arch. Isr.) Marscha«. Der verstorbene Leon Löwenberg hat ein Kapital von 70000 Rubel testirt, dessen Zinsen jährlich unter die hiesigen Armen zur Vertheilung kommen sollen; außerdem bestimmte er für den Bau der hiesigen Synagoge 20000 R. unter der Bedingung, daß in dieser keine Orgel aufgestellt werden dürfe. (Hamaggid.) Minsk. (Rußland) N. Jekuthiel Rappoport ist im 73. Lebensjahre gestorben» einer jener leider so selten r Männer, die mit tiefster Talmudkenntuiß und strengster Frö.»- migkeit das Streben nach allgemeiner Bildung vereinige». Er war ei» Hort der Bildung gegenüber dem crassen Chasjidismus, zugleich unangreifbar in seiner Charactergröße und bei seiner Gelehrsamkeit, unterstützt durch seine sociale Stellung als Chef eines bedeutenden Geschäftshauses. Demuth und uubegränzte Wohlthätigkeit waren seine besonderen Zierde». Sein Leicheubegänguiß war großartig und trotz des Freitags- Nachmittags hielt das dazu berufene Oberhaupt der Jeschiba in Walosin eine Trauerrede. K«yr«a, Mittwoch, den 1. Mai. Seitens der hier wohnenden Griechen haben seit gestern Ausschreitungen gegen die Israeliten stattgefunden und zwar anläßlich des Gerüchtes von dem erfolgten Raube eines Kindes. Das Militär ist eingeschritten; es find einige Personen getödtet und verwundet worden. (Nach neuesten Nachrichten ist in Folge der energischen Maßregeln Ruhe und Ordnung wiederhergestellt.)