Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 17-18. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 17-18.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-5935003-5935600--1173-5370802
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

135 selfälle wenig. Die Ä. H. Z. erzählt sie in folgenden Worten: „Dr. Rafael Losch wurde am 3. Oktober 1803 in Lisia geboren, besuchte da» altstädttsche Gymnasium in Königsberg und studirte 1822—1826 auf der Albertina Medicin. Durch sein Wissen und seine Geiste-gaben sowohl, wie durch seinen tüchtigen ehrrnfestm Charakter erwarb er sich schon früh« die Hochachtung seiner Commilitonen. Später bildete er sich als Assistent des damals hoch angesehenen Direktor» der chirurgischen Klinik, Medicinal-Rath Unger, zu einem umsichtigen Arzte und geschickten Operateur au». Diese Eigenschaften und die durch die schwer« Zeit der ersten Cholera-Epidemie 1831 gebotene Gelegenheit verschafften ihm schnell eine umfangreiche Praxi», in der er viele Jahre segensreich und vom allgemeinsten Vertrauen getragen gewirkt hat. Erst in den letzten Jahren zog er sich allmählig mehr aus derselben zurück, da ihm einerseits Alter und Kränklichkeit die Strapazen de» ärztlichen Berufe» immer drückender machten, andererseits da» politische Leben seine Thitigkeit immer ausschließlicher in Anspruch nahm." Den Bericht über seine politische Thätigkeit übergehen wir. Gegen den Schluß de» Nekrolog» heißt e»: ,^kosch war Jude und er hing an dem Glauben seiner Väter mit voller Innigkeit, ja mit einem gewissen Stolze, wenn er auch über die Gebräuche und Vorschriften de» jüdischen Cultu» und Gesetzes völlig verurtheilSfrei dachte." Die „Jüd. Pr." knüpft hieran folgende Erinnerung: „Er war der heftigste Gegner der Orgel in der Königsberger Synagoge und motivirte diese Opposition scharf in der VorstandSsttzung und richtig mit folgenden Worten: „Sie, meine Herren, die die Synagoge nicht besuchen, wollen die Orthodoxen, die täglich dahingehen, durch Einführung der Orgel vertreiben. Ist das gerecht?" — Al» langjähriger Vorsteher der Königsberger Chebra-Kadischa. war e» vr. Kosch, der bewirkte, daß diese „fromme" Brüderschaft ihr alljährliche» Festessen koscher einrichtete." Mehrere Blätter erinnern daran, daß vor Jahresfrist am Sarge Twesten's der Jude La»ker und jetzt am Sarge Kosch'» in der Berliner Synagoge der Christ vr. Löwe gesprochen hat. — ä. Werkt», 15. April (Orig. Corrrsp.) In einem Punkte, :m Schulwesen, freuen wir uns eine Wendung zum brsserm constatiren zu können. Bis vor Kurzem nämlich war das Loos der hiesigen jüdischen Commnnallehrer nicht das beneidenswerthefte. Bor einigen Wochen endlich wurde eine durchgängige Gehaltsaufbesserung einstimmig beschlossen. Nach dieser erhalten von jetzt ab die an der jüdischen Gemeinde- Knabenschule angestellten Elementarlehrer da» erste Jahr 400 Thlr., welche Summe alle 2 Jahre um 200 Thlr. vermehrt allmählig bis 800 Thlr. wächst; nach demselben Modu» sind auch die Gehälter der an jene Schule angestellten Literaten von 500 bi» 900 Thalern bemessen. Die bisherigen Lehrer erhalten ihr Gehalt nach Berhältniß ihrer Dienstjahre, und zwar so, al» ob sie die jetzt beschlossenen Progesstonen bereits durchgemacht hätten. — Auch die Gehälter der Lehrerinnen an der jüdischen Gemeinde-Mädchenschule werden wohl in einer der nächsten Sitzungen de» Vorstände» höher besttmmt werden. Wenn diese Gehaltserhöhung auch nicht da» nothwendige Maß erreicht haben, so ist jedenfalls «in Anlauf zum Guten genommen, der Anerkennung verdient. — An einer hiesigen Communalschule ist vr. Emil Breslauer, Israelit, al« Lehrer angestellt. W. g i. Pr., 12. April (Orig. Coresp*) An dem Synagogen-TrauergotteSdtensr für den verstorbenen | Dr. Kosch haben sich die Spitzen der Behörden, der Magistrat und di« Stadtverordneten, die Vertreter der Universität und der Kaufmannschaft, sowie zahlreiche Freunde und Verehrer de» Verstorbenen betheiligt. Die Feier war eine sehr erhebende und die Predigt des Rabbiner» vr. Bamberger machte auf die distinguirte Zuhörerschaft einen tiefen Eindruck allgemeiner Befriedigung. Wir sind Herrn vr. Bamberger für diese Predigt zu großem Danke verpflichtet, da sie dazu beitragen wird, die Achtung vor der Religion des Judenthoriis bei unfern christlichen Mitbürgern wesentlich zu erhöhen. Tie Predigt ist bereit« auf allgemeine» Verlangen in Druck erschienen. Unmittelbar an den Gottesdienst schloß sich das Leichenbegängniß an; nie sah unsre Stadt eine größere Leichenfolge. Wir glauben keine JndiScretton zu begehen, wenn wir hinzufügen daß Herr vr. Bamberger eine Biographie Kosch'» auSzuararbeilen und zu publtciren vorhat. — In unserer Stadt sind durch den Genannten ca. 900 Thlr. für Persien gesammelt und direct nach London gesendet. — (Die hier erwähnte Predigt lieg' un» bereits vor. (Königsberg, Bayer.) Angehängt sind „Watte der Erinnerung am Grabe, gesprochen von dem Landtagsabge ordneten vr. Bender." Wir können nicht umhin unsere Anerkennung der trefflich gelungenen Bamberger'schen Rede Ausdruck zu geben. Wohl war es leicht von dm Verdiensten Kosch's zu sprechm, es mangelte nicht an Stoff! Auch daß da» Richtige hervorgehoben und gut gesagt ist, ist für einen Redner von Fach keines besonderen Lobes werth. Aber es gehört Takt und Festigkeit dazu, in Königsberg die betresfende Red« zu halten. Ein kurzer Satz wird, dmken wir, dm Lesern zeigen, wie wir die» meinen. „Und hier muß es gestattet sein, in einem jüdischen Gotteshause, in dem GotteShause der Gemeind«, der der Verstorbene angehört und als langjähriger Vorsitzender ihrer Vertretung so segensreich gewirkt hat, neben dem Bürger Kosch auch des Juden Kosch zu gedenken." Es ist wohl nur in Königsberg nöthig, diese Entschuldigung vorauszuschicken, aber e» ist nöthig! Und so ist auch das in dieser Beziehung Gesagte trefflich. Es ist der jüdffchen Ueberzeugung und Anschauung nicht vergeben, es sind nicht nur — gleichsam äußerlich — talmudische Sätze schön angewrndet, sondern der Geist der Rede ist jüdisch-religio», hat aber nirgends etwas Exclusives oder gar andere» Verletzentes. Darauf bezieht sich ohne Zweifel auch die Anerkennung unseres sachkundigen Herrn Correspondentm.) Ae«-Stettin, 5. April. (Orig.-Corresp.) Unter dem 28. Februer cr. richtete die hiesige jüdische Gemeinde auf An-, regung und eifrigstes Bemühen des Vorstehers, Herrn W. Löwe, eine Petition an den Magistrat wegen Verlegung des Sonnabend-Wochen Marktes auf einen andern Tag in der Woche, Di« Motivirung derselben bastrt im Wesentlichen auf den gewichtigen Gründen der von Ihnen vor inehreren Jahren verfaßtm und NamenS 36 Gemeinden Pommerns dem damaligen Oberpräsidenten dieser Provinz überreichten Petttion gleicher Intention, welche Sie mir unter dem 10. September v. I. behufs näherer Jnformirung einzusmden die Güte hatten, so zwar, daß wir noch einige Motive localer Natur den von Ihnen un« an die Hand Gegebenen hinzuzufügen für angezeigt hielten. Während nun der Magistrat im 'Vornherein dem Anträge sich abgeneigt zeigte, gab sich in der Mitte der Stadtverordneten eine günstige Stimmung für denselben kund und wäre er auch bei der letzten vielleicht durchgedrungen, *) Wir haben die Feier bereit» in Nr. tü nach der «.HZ. beichrieten und geben au» dem obigen verspätet eingegangenen Berichte nur einzelne Nachträge.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.