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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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129 Hamadan au«, wo — ich sprecht ti mit Schaudern au» — täglich Kinder geschlachtet und anfgezehrt «erden. Die Bemühungen de« dortigen Großveziers, Hadji Hussein Khan, so wie de« Englischen Gesandten Alison, welche Geld und Lebensmittel vertheilen, reichen leider nicht au»; e« gehören kolossale Mittel dazu, um die Roth im ganzen Reiche zu mildern. Merkt». Der Herr Commerzienrath Salomon Lach mann hat die Summe von 10,000 Thirn. dem Kriegsministerium zu dem Zwecke überwiesen, daß die Zinsen alljährlich am Ge» burtrtag» de« Kaiser« an 25 Invaliden (au« den Kriegsjahren 1664, 1866, 1870 — 71) vertheilt werden sollen. Leipzig, 14. April. Heute fand die Eonftituirung de« „israelitischen Gemeindebunde«" statt. Demselben sind bi« zur Stunde 113 Gemeinden beigetreten, von welchen 49 ihre Bertreter zum Gemeindetag gesandt halten. Nach einigen Begrüßungsworlen durch den Vorsitzenden Herrn M. Kohner ging die Versammlung an die Berathung de« den Mitglieder« überreichten gedruckten „Entw u rf'« eines Organisations- Statut«." Zu js. 1, welcher lautet: „Zweck de» deutsch-israelitischen Gemeindebundes ist — unter Ausschluß aller religiösen Parteisragen — die Vereinigung und Organisation der deutsch-israelitischen > Religions-Gemeinden (einschließlich der deutsch - östreichischen) j zur Wahrung ihrer gemeinsamen Interessen, die Pflege und > Förderung ihre« Verwaltung«-, Bildung«- und Unterstützung«- wesen« nach innen, und die Vertretung derselben nach außen, i dem Staate, sowie de» außerdeutschen Glaubensgenossen - gegenüber,"— hat Herr Rabbiner vr. Rahm er (Vertreter der Gemeind« Magdeburg) den Antrag gestellt, statt „der deutsch- ' israelitischen Religionsgemeinden" zu sagen: der israelitischen Gemeinden Deutschland«." Der Unterschied, der durch Vergleichung mit ähnlichen Wortverbindungen, wie! deutsch-katholisch, klar werde, liege auf der Hand. Herr Adooc. , Lehmann replicirt. Orthenau (Fürth) stimmt R. bei. — Vorbehaltlich eine« ausführlichen Berichte« theile ich i noch mit, daß in der BormittagS-Sitzung eine Dank-Adresse ' an Bis mark beanttagt wurde, die ihn zugleich um sein kräftige« Eintreten für die Rumänischen Juden anging. Nachj dem aber Herr vr. Ra hm er, die (unter „Stettin" abgedruckte) j Antwort Bismark's zur Kenntniß der Versammlung gebracht hatte, beschloß diese, die Adresse einer Commission zur noch- ' maligen Redaction zu überweisen. Zn der Nachmittagssitzung wurden Telegramme an die Alliance und an Montefiore beantragt und genehmigt, und Kosch'S Andenken durch Erheben! von den Sitzen gehet. Soeben kommt ein Adreßentmurf! an die Elsaß-Lothring'schen Genieinden zur Ber.rsung. Die Versammlung verwirft ihn. Eingehend wurde dann über die! „paritätische Stellung de« jüdischen ReligionSumerichts an den Volk«- und höheren Schulen" debattirt. Lehmann'« Antrag „die j Gründung von Culturvereinen", kam nicht mehr zur Berathung.! Feuilleton. Neisebnefe aus dem Orient. (Fortsetzung au» Nr. 14.) Nähert man sich Jerusalem, so sieht man zuerst herrliche palastähnliche Gebäude, und da« sind Schulanstalten für Katholiken. Armenier, Griechen, Protestanten, englische Missionsschulen, aber Israel hat außer den in jüngster Zeit durch die Munificenz der Rothschild«, Frau von Lämel, Blumrnthal, gegründeten Schulen, welche dem Bedürfnisse »och nicht ge nügen, keine Anstalten, wie sie durchaus erforderlich sind, so die Bevölkerung der niedrigen Stufe, die un« zur Schmach gereicht, entrisse» werden soll. Hier haben nun die Missionäre ihren Wirkungskreis geöffnet und ihre Netze auigespannt. Leider gelingt e« ihnen nur zu sehr, die unschuldigen Seelen zu fangen, da sie ihren Zöglingen außer Unterricht, noch Kleidung und Speise, ja selbst den Eltern noch alle Freitage Spenden geben. Freilich sind es nur die verkommensten Individuen, die ihr« Kinder den Missionsschulen übergeben, aber: 1VV lt» fKJCT!*6n Was haben die armen Kinder verschuldet- Wären jüdische Anstalten genügend vorhanden, so würden auch die elendesten Juden ihre Kinder nicht der Mission preisgeben. Die letztere führt ihre jüdischen Zöglinge wohlgenährt und gut gekleidet spazieren al« Lockvögel für andere Kinder; meist sind e« Kinder russisch-polnischer Elter», nur höchst selten gelingt eS ihnen ein spaniolischeS Kind in ihre Schlingen zu fangen. Vor mehreren Jahren hatten sie ein solche« dem Vater, einem mauvais sujet, förmlich abgekauft, ein geistreiche« hübsche« Kind, welches sie den frommen Lord« und Ladie«, welche hierherkommtn, als Paradepferd vorfübrten. Der Vater hatte 5 £ dafür bekommen, man wollte das Kind retten und bot dem Vater 10 £, wenn er eS zurückfvrderte, der Schändliche theilte die« den Missionären mit und bekam wahrscheinlich 15 '£. Ter Onkel de« Mädchens, «in braver Mann, führte jedoch beim Zusammentreffen auf d<:m Spazierwege da» Mädchen in da« Hau« des vr. London, (Arzt am Rothschild'schen Hospital), welcher es aufnahm und dem Judenthum erhält. Die Missionäre erhoben Klage beim Pascha. Das Mädchen, 14 Jahre alt, erklärte jedoch vttschieden, Jüdin bleiben und weder zu ihrem Vater noch in die MissionSanstalt zurückkehren zu wollen. Sie befindet sich noch im Hause des Herrn vr. London. Was hier vor allem noch thut, ist die Grüitdung eines jüdischen Waisenhauses Diese so oft in der Tora eingeschärfte Pflicht, die Waisen nicht zu verlassen, hat in Jerusalem noch keine Beachtung gesunden. Hier ist ein Feld für die Vere ne für Palästina! Ohne die bisher von Chaluka Lebenden zit verkürzen — denn was sollten die Armen anfangen? — muß die Jugend dem Elende entrissen werden. Es treten Erscheinungen zu Tage, die ein Herz von Stein rühren können. So war ein armer Waisenknabe, müde des Hungers und der Mißhandlungen, entlausen und voi. einem barmherzigen Fellah vor den Thoren Jerusalems ausgenommen worden; ein Missionair sah den Knaben, frug den Fellah, wie er zu ihni komme und nahm Um mit in die Mission, nachdem er den, Fellah seine Ausgaben bezahlt hatte. Nun liefen die Juden zum Oesterreichischen Consul, der erwiederte ihnen: Ihr habt Euch ja früher nicht um den Knaben bekümmert, — und derselbe blieb in den Händen der Missionäre. Es giebt jedoch nur eine Bedingung unter welcher dergl. Anstalten hier gedeihlich wirken können. Sie müsse» von Europäern errichtet und auch verwaltet werden; Europäische Juden allein, aber nur „goltesfürchlige, uneigennützige Männer" können hier fruchtbringend wirken, sonst ist Geld und Mühe vergeudet. Doch darüber später ausführlicher.

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