Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 16.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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128 iDortt« darauf, daß der Bericht der Commission gegenwärtig in's Französische übersetzt werde und in nächster Zeit sowohl den Consuln zugeschickt als auch im „Moniteur" veröffentlicht werden solle. — Der General-Sonsul schloß die Unterredung mit der Mittheilung, daß England, alS eine der garantirenden Echutzmächre, entschloffm sei, die Wiederholung solcher barbarischer Scene» nicht mehr zu dulde». Wie dir „Slum. Post" mittheilt, halber General-Staatsanwalt Dorsch in seinem Bericht die Israeliten von aller Schuld freigesprochen. Allein trotz ihrer erwiesenen Unschuld sollen alle früher verhaftete:: Israeliten (einschließlich des Rabbiners Brand«-) vor ein Schwurgericht gestellt werden, von dem sie nur karge Gerechtigkeit erwarten können. Dagegen find 4L der Haupträdelsführer in Cahul ihrer Haft entlassen, und in Bilkow sind von den 180 verhafteten und schwer belasteten Ruhestörern nur noch 30 in Haft. Vermischte und neueste Nachrichten. Aä»i§»ser-. vr. Losch hat, der „St. H. Z." zufolge, rin vermögen von 130,000 Thlr. hinterlassen, dessen größte Hälfte er zu 64 verschiedenen Legaten verwendet hat; darunter befindet sich eins von 50»X> Thlr., ivelches der KönigSberger Universität alS ein Stipendium für zwei Ctudirende zufällk. Durch die andern Legate sind die verschiedenen in Königsberg bestehenden, wohlthätig wirkenden Vereine bedacht worden. Den Rest von 60,000 Thlr. hat Dr. Losch für eine Stiftung „Zur Unterbringung jüdischer Waisen in Familien" vermacht. Der Crblafler hat bei der letzteren Festsetzung wohl an die Wohlthat gedacht, die er zu der Zeit genoß, als er, arm und verlassen, wie er hierher kam, von wohlwollenden, edlen Menschen ausgenommen und unterstützt wurde. — Folgend« Episode aus dem Leben des verstorbenen vr. Losch wird in der „Elberf. Ztg." erzählt: Als derselbe seine Studien beendet hatte uud sein Jahr abdienen wollte, wünschte er dies ebenso wie andere Mediciner als Compagnie- Chirurg zu thun. Dies wurde ihm abgeschlagen, weil er ein Jude war, und als er sich an der» Lönig Friedrich Wilhelm III. wandte, versagte dieser auch die Erlaubniß, weil er nicht wünsche, daß seine Soldaten von Juden behandelt würden! La«e»ß»rß. (Pommern.) Die „Danz. Ztg." schreibt: Als erfreuliches Gegenstück zu der von uns mitgetheilten Episode aus der Zeit, in der der verstorbene vr. Losch seiner Militärpflicht genügte, wird nns aus Lauenburg (in Pomm.) folgende Thatsache mitgetheilt: „Dem Docenten an der Lgl. Gewerbe-Akademie in Berlin, vr. Z. Hirschwald, Sohn des Kaufmanns Hirschwald in Lauenburg, ist unterm 9. März cr. nachdem er als Vice-Feldwebel bei der Garde-Artillerie den letzten Feldzug gegen Frankreich mitgemacht hat und mit dem eisernen Kreuz 2. Klasse decorirt worden ist, das Patent als Sec.-Lieut. der Reserve der Garde-Artillerie-Brigade verliehen. Im Garde-Corps dürfte die« wohl der erste Fall sein, daß ein Jude zum Offizier ernannt worden ist." M«»che«, 31. März. — Am Grabe des Journalisten Hermann Bauernfreund, das sich so eben schloß» hatten sich, trotz des hohen Festtages und der sehr ungünstigen Witterung, zahlreiche Freunde des Verstorbenen, der zu dm ältesten und geachtetsten Vertretern seines Berufes in unserer Stadt zählte, zusammengefunden. Sie vernahmen einen tief gedachten, geistreichen und ergreifend zu den Herzen redmden Dorttag des Rabbiners der israelittschen Cultusgemeind«, Herrn vr. Perle-, über die hohe Bedeutung und Würde de- Berufes der Vertreter der Tagespresse. ES freute unS herzlich an dieser Stätte erhebende und anerkennende Worte für diejenigen zu vernehmm, deren ivenig dankbare Aufgabe es ist, dem flüchtig vorüberrauscheuden Strome der Tagesereignisse zu folgen. (*. A. Z.) Miiucheu. Die israelitische Gemeindeverwaltung hat am 22. d. folgend« Beschlüsse gefaßt: 1) Die israelitische Gemeinde-Elementarschule ist vom 1. Septeniber d. I. an aufzuheben. 2) Es ist fofon für Errichtung einer israelitischen Reli» gionSschule Sorge zu tragen. 3) Es ist anjustreben, daß In den städtischen Schulen der ReligionSuntericht für alle Confessionm gleichj zeitig ertheilt werde. Arata». Der Stadtrath voi« Krakau hat auf Vor- ' schlag eine» seiner Mitglieder, de- Herrn vr. Samuelsohn, j der jüdischen Gesellschaft zur Versorgung vou Waisenkindern! einen Platz zur (Errichtung eines Waisenhauses geschenkt. — (Hamagid.)! Jftft. Am 20. d. starb der hier in weiten Kreisen bekannte jüdische Gelehrte Herr Gabriel Südfeld im 73. Jahre seines Leben-. Derselbe hat sich alS Verfasser mehrerer hebräischer Werke theologisch-philosophischen und philologischen Inhaltes (wir führen eine theologisch« Abhandlung „Achusath Mereim," eine wissenschaftlich bedeutende hebräische Grammatik, einen Kommentar zuni „Prediger" u. s. w. an) in den betreffenden Fachkreisen einen bedeutenden Ruf erworben. Auch in der deutschen Literatur hat er sich, wenn auch mit geringerem Glücke, versucht und eine Gedichtsammlung sowie ein Drama „Mathilde DouglaS" veröffentlicht. Trotz seiner talmudischm Gelehrsamkeit war er kein Gegner vernünftigen Fortschrittes im Iudenthum. Er wurde hmte unter großer Begleitung zu Grabe getragen. Möge ihm die Erde leicht sein! (P. Ll.) Marsch«». Der hier erscheinende „Israelita" mthält in einer Mittheilung aus dem Städtchen Plonsk nachfolgenden schönen Zug echter Nächstmliebe. Ein jüdischer Hausirer, der eine zahlreiche Familie zu ernähren hatte, sollte bei der letzthin stattgefundenen Rekrutenlosung zum Militär ausgehoben werden. Da erbarmten sich die Baueruwirthe aus dem benachbarten Dorfe Rembow des armen, ihnen wohlbekannten Handelsmannes, veranstalteten unter sich eine Sammlung und überreichten ihm die Summe von 1000 SR., wodurch er in den Stand gesetzt wurde, sich vom Militärdienst loszukaufen. Ktorenz. Am 8. März endete der Tod das sturmbewegte Leben des so hart geprüften Salomo Mortara, Vaters des bekannten Edgar. Körperliche Leiden und noch schwerere Serlenschmerzen, dann zuletzt eine ungerechte Einkerkerung sammt dein unablässigen Schmerz über den Verlust des ihm geraubten Sohnes haben seine Kräfte so aufgerirben, daß er im Alter von 56 Jahren an Erschöpfung starb. Sal. Mortara wird ein geschichtlicher Namen bleiben, ein Märtyrer, eiueS der zahllosen Opfer der Loyoliten. (Corr. Isr.) Die Nachrichten aus lauten im Allgemeinen noch sehr traurig. DaS letzte Telegramm aus Teheran, datirt vom 19. März, sagt, nicht bloS in der Residenz, sondern auch in den Provinzen sei die Sterblichkeit in Folge der Hunger S n o t h enorm; am schlimmsten steht es in den Provinzen