Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 16.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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127 digt haben, weil sie in der glücklichen Lage sind nicht schreiben und lesen zu können. Solch« Leut« lassen sich oft ein £ für *in U vormachen, tanzen vor dem papiernen Kalbe, und darin haben Sie vollkommen Recht, daß solche Zustände in Deutschland unmöglich sind, es sei denn, wenn die guten Freunde in M. sich zum Import entschließen möchten, wir exportiren schon zzern gewiffe fromme Leute. Die „ungarische jüdische Wochenschrift" hat mit Nr. 13 zu erscheinen anfgehört, kein rühmliches Zeichen für die Opferwilligkeit der Partei, die sie vertrat. Die am 12. d. Mts. in Pest versammelten Distriktspräsidenten hätten ihre Aufmerksamkeit auch der Herausgabe eines Blattes zuwenden sollen, es war ja vorauszusehen, daß die durch Amtspflichten sehr in Anspruch genommenen Prediger der Pester Gemeinde auf längere Zeit sich nicht dieser Mühe unterziehen werden. Aus authentischer Quelle vernahm ich, daß schon im Frühjahre 1873 der Eröffnung der Rabbinerschule stittfinden soll. Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Ich komme ein andermal auf die Wichtigkeit dieser Anstalt für die vaterländische Judenheit noch zu sprechen. L Aus Aieder-Ztugarn, im April. (Orig.-Corresp.) — Die Vorgänge in Preßburg, dem „Schloßberge" der ungarischen Altorihodoxie, haben gewiß auch die Aufmerksamkeit d«S fernen Auslandes auf sich gezogen, wie sie denn überhaupt «in Spiegelbild der verlodderten Gemeindeverhältnisse meiner grippegcsegneten Heimath abzugeben geeignet sind! Der Zersetzungsproceß, der jetzt dort vor sich geht, hat sich zum Theile schon in den übrigen Gemeinden Ungarns vollzogen und kann auch anderwärts nicht ausbleiben — man will die Gegensätze, die nun einnial vorhanden sind, nicht ignoriren; ein frischer, fteier Hauch reicht hin, das lose Gefüge zu zerreißen: Trennung ist die Losung! — Aber mit einer gewissen Befriedigung und Genugthuung kann die Orthodoxie nach Preßburg blicken: „es hat kein Hund seine Zunge gewetzt," als sich ein reformistisch gesinnter Bruchtheil von der Hauplqemeinde loslöste; es ward ihm kein, wie immer geartetes Hinderniß in den Weg gelegt, sich selbstständig auf Grundlage der Eongreßstatuten zu constituiren; während eS in fortschrittlichen Ge- : meinden orthodoxen Minoritäten gegenüber doch anders geschah, j und letztere des Schwertes nicht entbehren koiinten, während sie die Kelle handhabten!! In innigem Zusammenhänge mit diesen Trennungen steht! die Frage des Schulfonds. Tie Einen wie die Andern machen j ihre Ansprüche auf denselben geltend und setzen wir es nur! gleich hinzu — beide mit Recht! Haben ja sämmtliche Juden > des Landes, ohne Unterschied ihrer religiösen Anschauungsweise und Gesinnung, an demselben partizipirt und haben daher alle, > ohne Unterschied, an denselben ein Recht. Historisch — kri- I tische Seelen wollen Analogien mit den Vorgängen innerhalb! der christlichen Kirche im J6. und 17. Jahrhundert ausstellen. 1 Von unserem Standpunkte ans können wir von ihnen ganz und gar absehen. Die „Ungar, jüd. Wochenschrift" hat mit ihrer jüngsten | Nummer zu erscheinen aufgehört. Ihre Principien waren niemals die unfrigen; das hindert uns jedoch nicht, anzuerkennen, j daß sie, was Würde und Anstand betrifft, hoch über dem „Trad. Judenth." und deffen Genossen, dem ini 2esna ure- > •ena — Style geschriebenen „Scheweth-Achim," stand! — I i I Rnmamen. Der Prozeß wegen der Judenhetzen aus JSmail und Vilcov soll am 27. d. vor dem Schwurgericht in Plojeschti zur Verhandlung kommen. Auch die der Theilnahme an dem Kirchenraube beschuldigten Israeliten (darunter der Rabbiner) sollen da gerichtet werden. Die Regierung hat den Prozeß in guter Absicht nach Plojeschti tranSferirt; doch wer weiß, ob die armen Israeliten nicht von dem Regen unter die Traufe komnien. Es ist nicht ohne Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß das Plojeschtier Schwurgericht sämmtliche Verbrecher ftcisprechen und die angeklagten Israeliten verurtheilen we:be. Die Regierung fürchtet dies selbst, ist aber völlig ohnmächtig, das Mindeste dagegen zu thun. (N. fr. Pr.) Die hiesigen Eonfuln haben seiner Zeit an die Regierung eine identische Rote rücksichtlich der Jsmailer Affaire gerichtet; die Antwort der Regierung haben wir bereits in der Nr. 10 gebracht. Es dürste nicht unintereffant sein, auch den Inhalt der Consular-Note zu kennen; er lautet: „Herr Minister! Ich habe mit Bedauern von den beklaklagenswerthen Sceneu gehört, welche jüngst in Ismail und Eahul stattgesunden haben. Die Bevölkerung soll über die Israeliten hergesallrn sein, ihre Wohnungen geplündert haben und Blut soll vergossen worden sein. Ich erlaube mir ohne Zögern die Aufmerksainkeii der fürstlichen Regierung au^ie ernsten Gefahren zu lenken, welche entstehen könnten, wenn diese Ruhestörungen sich wiederholten oder erweiterten, und auf'die Nothwendigkeit, die Urheber zu strafen. Es liegt in Ihrem Jntereffe, alle inneren Unruhen und besonders die willkürlichen Gewaltthätigkeiten, denen die Israeliten so oft zum Opfer gefallen und die wiederholt die Vorstellungen der europäischen Mächte veranlaßten, »iederzuhalten. Ich bin überzeugt, daß das gegenwärtige Eabinet durch seine Energie die Wiederkehr jedweder Belästigung der Juden zu verhindern wissen und so die Prin.ipien der Humanität und der Eivilisation wahren wird." Unterzeichnet ist die Note von den Gesandte» Großbritlaniens, Frankreichs, Deutschlands, Rußlands, Oesterreichs, Amerikas, Italiens, Hollands und Griechenlands. — Aus Autarkst wird der „N. ft. Pr." vom 21. v. Mts. über eine englische Intervention zu Gunsten der Juden in Rumänien Folgendes geschrieben: „Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahre, hat sich am 20. d. der hiesige großbrittanische General-Consnl zum Premier-Minister Catargi verfügt, und ihm mitgetheilk, daß er eine zweite Depesche von Seiten Lord Granville's erhalten habe, worin die englische Regierung \ ihr Bedauern darüber ausspricht, daß bis jetzt noch keine geeigneten Maßregeln ergriffen worden sind, um den im rumönischen Bessarabien so unmenschlich behandelten und verfolgten " jüdischen Einwohnern Gerechtigkeit und Genugthuung zu verschaffen. Der General-Consul sagte ferner, daß schon ein Monat verflossen sei, seitdem die Regierung auf die ihr Seitens der hiesigen Consuln zugeschickten identischen Noten geantwortet habe, daß eine specielle Commission an Ort und ' Stelle gesendet worden sei, um den Thatbestand zu untersachn, und daß da« Resultat der Untersuchung sofort zur Kenntniß der Eonsuln gebracht werden würde Die Commission sei nun längst zurückgekehrt, habe einen ausführlichen Bericht der Regierung übergeben, welche jedoch weder den Consuln noch auch der Nation bekannt wurde. — Der Premier-Minister ant-