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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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126 sich iitbtffen, wohl schon der späten Stunde wegen, viele Mitglieder, so daß der Antrag auf Ausschluß zwar 73 Stimmen gegen 8 erlangte, damit aber doch nicht angenommen ist, weil die Versammlung eben nicht mehr beschlußfähig war. Nächstenfindet große Gemeindeversammlung statt, und die Sache kommt wahrscheinlich wieder zur Sprache, jedenfalls hat sich herau-gestellt, daß die überwiegende Majorität für entschiedene Maßregeln ist, sich für solche ausgesprochen hat. Von verschiedener. Seiten, und nicht am schwächsten von Herrn Or. Meyer, wurde hervorgehoben, daß alles seine Grenze habe, auch die FriedmSliebe der hiesigen Gemeinde. Ich freue mich sehr, daß ich nun noch etwas recht Gutes berichten und mit solchem schließen kann. Tie Abgangsprüfung in unserem jüdischen Schullehrerseminar hat in diesem Jahre ein glänzendes Resultat geliefert. Vier von den zehn Abiturienten wurden von der mündlichen Prüfung dispenfirt, weil, wie der bekannte Schulrath, Herr Spieker — bekanntlich ein berühmter Fachmann — erklärte, die schriftlichen Arbeiten derselben so trefflich seien, wie er sie selten gesehen. Von den übrigen erhielten 4 das Prädicat gut, 2 genügend. — Aus MeLteuIurg-Schwerin, i. April. (Volks- Zeit.) Nachdem das Bundesgesetz vom 3. Juli 1869 über die Gleichberechtigung der Eonfessionen veröffentlicht war, wurde in der Stadt Strelitz ein Jude, Kaufmann Landers, zum Mitglied« deS dortigen Magistrats gewählt und von diesem kürzlich in den Schulvorstand depurirt. Die Strelitz'sche Lau-! drsrezierung hat aber mit Berufung darauf, daß im Jahre fchen Orthodoxen (alle Achtung vor der ehrlichen schlichteit Frömmigkeit früherer Zeit, die auch noch heutzutage angetroffen wird) aller Lande nach einem Leisten sind, und in der That rechtfertigen ihre Organe diese Behauptung. Der Umstand, daß in Mainz und Berlin alles waS von unserer neuen Confessio» ausgeht, bejubelt wird, zeigt auch, wie diese guten Leut« alle unter einer Decke stecken. In der jüngsten Zeit erhielt das 8odomre hadath --- Blatt Snccurs aus Bayern: ein dortiger Rabbiner will in zwei Ar tikeln noch schomrehadathlischer als unsere Leutchen sein, er redet diesen in's Gewissen, daß sie noch immer nicht frei von Sünd' und Fehl' sind, daß die in Deutschland jeden Tadel verdienen, und kommt endlich zum Resultat, daß ein allgemein orthodoxer Verein einzig und allein Heil bringen kann, Nachher gesteht er, die erste Anregung zu dieser großen Idee aus Mainz erhalten zu haben. Da zeigt es sich ja deutlich, daß gewisie Leute draußen im Reiche unsere neue autonome Confessio» beneiden, und um alles in der Welt einen den unsrigen ähnlichen ministeriellen Erlaß herbeiwünschen. In dein Vordergründe der Ereignisse steht jetzt die Bildung einer neuen Gemeinde in Preßburg. Diese Thatsache dürfte ernüchternd auf die Urheber des unseligen Gedankens der Trennung wirken, der Spieß wendet sich endlich gegen den Eigenthümer; sie haben nichts anderes im Munde geführt als Trennung, und nun haben sie es dahin gebracht, daß man in fortschrittlichen Kreisen auf ihre Intention eingeht; dem neunjehnien Jahrhundert war es beschied n die stolze Roma zur 1868 in Mecklenburg-Strelitz ein Gesetz erlassen sei, wonach >' weltlichen Stadt umwandeln, und auch die alte Glorie des Patronatsrechte über christliche Schulen und Aufsicht und Verj „Schloßberges" schwinden zu sehen. Es muß jeden wahren waltung solcher Schulen von Juden nicht ausgeübt werden! Juden bis lief in die Seele schmerzen, wenn er allehrwürdige dürsten, und daß diese Bestimmung durch das erwähnte Bun-! Geineinden so zerfallen sieht, aber di« 8. dl. setzten ja die desgesetz, welches das kirchliche Gebiet, wozu auch das Patronat und die Schulaufsicht gehör«, nicht berühre, nicht geändert sei, dem Magistrat ausgegeben, dem Senator Sanders die Brtheiligung am Patronat und Vorstand der dortigen Schule zu untersagen und statt seiner ein anderes Magistratsmitglied in den Schulvorstand zu wählen. Der Magistrat hat sich nun mit einer Beschwerde an das Reichskanzleramt gewandt und auf Grund der Art. 4 und 17 der Reichsverfassung dasselbe ersucht, die Zurücknahme der staglichen Verfügung der Regierung zu veranlassen. Rechtsverständige sind hier der Ansicht, daß die Regierung zu jener Verfügung nicht berechttgt war, indem es sich im rorliegenden Falle gar nicht um kirchlich« Angelegenheiten, sondern um eine Einrichtung des Staats handele, die entgegenstehende frühere Sttelitz'fche Verordnung also durch das Bundesgesetz, wonach insbesondere die Befähigung zur Bekleidung öffentlicher Aemter vom religiösen Bekenntniß unabhängig sein soll, aufgehoben sei. Man hofft hier daher, daß das Reichskanzleramt die von großer Intoleranz Zeugniß ableaende Verfügung des Strelitz'sche» Ministeriums, an dessen Spitze der ehemalige welfische Minister Baron von Hammerstein, der Freund und frühere College der „Perle von Meppen" steht, beseittgen werde. Gekrrrrich. dl. 6. Aus Ilugar«, 29. März. (Orig.-Corresp.*) Ihre Ausführungen in Nr. 8 und 9 d. Bl.» daß unsere Zustände sich nicht nach Deutschland übertragen lassm können, möchte ich sehr gern unterschreiben, fürchte aber bei meinen ungarischen Glaubensbrüdern auf Widerspruch zu stoßen. Bei uns wird es als Axiom angenommen, daß die neumodij Pistole auf die Brust, und verkünden es laut: wer nicht mit ihnen ist, hat das Judentbum verlassen. Dieser Satz ist nicht die Erfindung der sogenannten Geonim. deren Sie im Leitartikel Nr. 9 erwähnen, diese hinken nur nach, das Orakel der 8. ll. bat seinen Sitz in Pest, welches allwöchentlich einmal seine Offenbarungen zur allgemeinen Kenntniß bringt, und diesen Orakelhclden verdankt der Satz seine Entstehung Ct!) Wenn diese auch mit den Satzungen des Judenthums auf gespanntem Fuße leben, so behindert sie das nicht alle Welt zu verketzern. Das Beispiel in Preßburg wird Nachahmung finden; bisher sträubte sich die Fortschrittspartei gegen jede Trennung, wo sie in der Minorität waren, umerwarfen sich die fortschreitenden Mitglieder zumeist der Majorität, jetzt aber wird das aufhören, die Lehren der neuen Confessio» sind eben nicht so verlockend um denselben die ererbte Religion der Väter zu opfern.**) Welche Leute ihr aber angehören, das ist bezeichnend. So z. B. gicbt es in Kaschau drei Parteien, die Mitglieder der dortigen 8. ll. zeichnen sich sämmtlich dadurch aus, daß sie noch niemals gegen Grammatik und Orthographie gesün- *) Wir erhielte» diese und die nach folg-»de Korrespondenz zufällig mit derselben Post und lassen sie in ihrer verschiedenartigen Auffassung neben einander abdrucken. Wir scheuen uni, uni persönlich in die Polemik zu mischen, da wir die Angriffe der ungarisch orthodorm Blätter, deren je driNei Wort eine Schmähung ist, zwar nicht fürchten, aber gern und thunlichft vermeiden, unfern Namen in denselben gedruckt z»l sehen. Don Zeit zu Zeit werden wir, wie diiher, über die Vorgänge reseriren und unsere Ansicht objektiv auisprechen. (Red.) ••) Diese Wendung ist offenbar der Parole der .Alt-Katholiken' entlehnt; wir fügen die Bemerkung hinzu, dah wir sie auf jüdisch« Derhältniffe nicht recht paffend finden. <Red.)

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