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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 16. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 16.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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~bigt haben, weil sie in der glücklichen Lage sind nicht schreibe» und lesen zu können. Solche Leute lassen sich oft ein X für «in U vormachen, tanzen vor dem papiernen Kalbe, und darin habem Sie vollkommen Recht, daß solche Zustände in Deutschland unmöglich sind, eS sei denn, wenn die guten Freund« in M. sich zum Import entschließen möchten» wir exportiren schon gern gewisse fromme Leute. Die „ungarische jüdische Wochenschrift" hat mit Nr. 13 zu erscheinen anfgehört, kein rühmliches Zeichen für die Opferwilligkeit der Partei, die sie vertrat. Die am 12. d. Mts. in Pest versammelten Distriktspräsidenten hätten ihre Aufmerksamkeit auch der Herausgabe eines Blattes -uwenden sollen, «- war ja vorauszusehen, daß die durch Amtspflichten sehr in Anspruch genominenen Prediger der Pester Gemeinde ans länger« Zeit sich nicht dieser Mühe unterziehen werden. Aus authentischer Quelle vernahm ich, daß schon im Frühjahre 1873 der Eröffnung der Rabbinerschule stattfinden soll. Möglich, aber nicht wahrscheinlich. Ich komme ein andermal auf die Wichtigkeit dieser Anstalt für die vaterländische Judenheil noch zu sprechen. L Aus Weder-Augur», im April. (Orig.-Corresp.) — Die Vorgänge in Preßburg, dem „Schloßberge" der ungarischen Altorihodoxie, haben gewiß auch die Aufmerksamkeit des fernen Auslandes auf sich gezogen, wie sie denn überhaupt «in Spiegelbild der verlodderten Gemeindeverhältnisse meiner grippegesegneten Heimath abzugeben geeignet sind! Der Zersetzungsproceß, der jetzt dort vor sich geht, hat sich zum Theile schon in den übrigen Gemeinden Ungarns vollzogen und kann auch anderwärts nicht auSbleiben — man will die Gegensätze, die nun einnial vorhanden sind, nicht ignoriren; ein frischer, freier Hauch reicht hin, das lose Gesüge zu zerreißen: Trennung ist die Losung! — Aber mit einer gewissen Befriedigung und Genugthuung kann die Orthodoxie nach Preßburg blicken: „es hat kein Hund seine Zunge gewetzt," als sich ein reformistisch gesinnter Bruchtheil von der Hauptqemeindc loslöste; es ward ihm kein, wie immer geartetes Hinberniß in ben Weg gelegt, sich selbstständig auf Grundlage der Congreßstatuten zu constituiren; während er in fortschrittlichen Gemeinden orthodoxen Minoritäten gegenüber doch anders geschah, und letztere des Schwertes nicht entbehren konnten, während sie die Kelle handhabten! In innigem Zusammenhang« mit diesen Treniiungeii steht die Frage des Schulfonds. Tie Einen wie die Andern machen ihre Ansprüche auf denselben geltend und setzen wir es nur gleich hinzu — beide mit Recht! Haben ja sämmtliche Juden des Landes, ohne Unterschied ihrer religiösen Anschauungsweise und Gesinnung, an demselben partizipirt und haben daher alle, ohne Unterschied, an denselben ein Recht. Historisch — kritische Seelen wollen Analogien mit den Borgängen innerhalb der christlichen Kirche im 16. und 17. Jahrhundert ausstellen. Bon unserem Standpunkte aus könne» wir von ihnen ganz und gar absehen. Die „Ungar, jüd. Wochenschrift" hat mit ihrer jüngsten Nummer zu erscheinen aufgehört. Ihre Principien waren niemals die unsrigen; das hindert uns jedoch nicht, anzuerkennen, daß sie, was Würde und Anstand betrisst, hoch über dem „Trad. Judenth." und dessen Genossen, dem im Zeena ure- «na — Style geschriebenen „8odevetd-^cdim," stand! — Uumäme». Der Prozeß wegen der Judenhetzen aus Ismail und Bilcov soll am 27. d. vor dem Schwurgericht in Plojeschti zur Verhandlung kommen. Auch die der Theilnahme an dem Kirchenraube beschuldigten Israeliten (darunter der Rabbiner) sollen da gerichtet werden. Die Regierung hat den Prozeß in guter Absicht nach Plojeschti tranSferirt; doch wer weiß, ob die armen Israeliten nicht von dem Regen unter die Traufe kommen. ES ist nicht ohne Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß das Plojeschtier Schwurgericht sämmtliche Berbrecher frcisprechen und die angeklagten Israeliten verurtheilen w«:de. Tie Regierung fürchtet dies selbst, ist aber völlig ohnmächtig, das Mindeste dagegen zu thun. (N. fr. Pr.) Die hiesigen Eonsuln haben seiner Zeit an die Regierung i eine identische Rote rücksichtlich der Jsmailer Assaire gerichtet; die Antwort der Regierung haben wir bereits in der Nr. 10 gebracht. Cs dürfte nicht uninr"- -ffant sein, auch den Inhalt der Consular-Note zu kennen; er lautet: „Herr Minister! Ich habe mit Bedauern von den beklaklagenswerthen Scenen gehört, welche jüngst in Ismail und Cahul stattgefunden haben. Die Bevölkerung soll über die I Israeliten hergefallen sein, ihre Wohnungen geplündert haben und Blut soll vergossen worden sein. Ich erlaube mir ohne Zögern die Aufmerksamkeit der fürstlichen Regierung auf^ie ernsten Gefahren zu lenken, welche entstehen könnten, wenn diese Ruhestörungen sich wiederholten oder erweiterten, und auf'die Nothwendigkeil, die Urheber zu strafen. Es liegt in Ihrem Interesse, alle inneren Unruhen und besonders die willkürlichen Gewaltthätigkeiten, denen die Js aeliten so oft zum Opfer gefallen und die wiederholt die Borstellungen der europäischen Mächte veranlaßten, niederzuhalten. | Ich bin überzeugt, daß das gegenwärtige Cabinet durch I seine Energie die Wiederkehr jedweder Belästigung der Juden , zu verhindern wissen und so die Prin.ipien der Humanität und der Civilisation wahren wird." j Unterzeichnet ist die Note von den Gesandten Großbrit- ' taniens, Frankreichs, Deutschlands, Rußlands, Oesterreichs, ' Amerika s, Italiens, Hollands und Griechenlands. — Aus Bukarest wird der „N. fr. Pr." vom 24. v.! Mts. über eine englische Intervention zu Gunsten der Juden; in Rumänien Folgendes geschrieben: „Wie ich aus zuverläs- 1 siger Quelle erfahre, hat sich am 20. d. der hiesige großbrit-! ranische General-Consul zum Premier-Minister Catargi verfügt, | und ihm mitgetheill, daß er eine zweite Depesche von Seiten Lord Granville's erhalten habe, worin die englische Regierung * ihr Bedauern darüber ausspricht, daß bis jetzt noch keine ge- 1 eigneten Maßregeln ergriffen worden sind, um den im rumä-! nischen Bessarabien so unmenschlich behandelten und verfolgten jüdischen Einwohnern Gerechtigkeit und Genugthuung zu ver- I schaffen. Der General-Consul sagte ferner, daß schon ein i Monat verflossen sei, seitdem die Regierung auf die ihr Sei- . tens der hiesigen Consuln zugeschickten ideutischen Note:, ge-! antwortet habe, daß eine specielle Commission an Ort uni; Stelle gesendet worden sei, um den Thatbestand zu untersuch», und daß das Resultat der Untersuchung sofort zur Kenntniß! der Consuln gebracht werden würde Die Commission sei nun i längst zurückgekehrt, habe einen ausführlichen Bericht der Re-! gierung übergeben, welche jedoch weder den Consuln noch auch > der Nation bekannt wurde. — Der Premier-Minister ant-

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