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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 15. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 15.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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119 nächst da« 'Zugeständniß abzwang: „Za. mtin'f)c alle wie der alt« Losch wären/' Losch war ein guter Preuße, ein guter Deutscher. Er erkannte, daß Preußen groß geworden durch die Pflege der geistigen Güter und daß eS stets zurückgeqangen war in den Perioden, wo ihm di« geistige Freiheit nicht mehr al» höchste »Errungenschaft galt. Zn diesem Sinne hat Losch noch in den letzten Worben seine- Lebens die große Freude erlebt, de» Staat wieder einen Schritt vorwäi-ts auf dem Wege schreiten zu sehen, an dessen Ziele die geistige Befreiung der ganzen Menschheit liegt. Die llcberzeu gung, daß diese Bahn beschriiten sei, war ihm Trost und Hoffnung in seinen letzten Lebenslagen. — Immer grö'ier war die Zahl seiner peisönlichen freunde geworden, immer fester hatten sie sich um ihn geschaan als um einen edlen und reinen Charakter. Cr par aus dem Kampfe ohne peisönliche Feinde hervoi gegangen, hatte er ihn doch niemals mit Gehässigkeit geführt Zu allen Zeiten war für ihn die Mmschenliebe eine praktische Forderung. Zn ihm ivaltete ein versöhnendes Princio und der Charakter seiner innersten Statar war ein tiefes Strebe» nach Frieden. Das seines irbeitsvollen Lebens war die Befreiung der ganzen Menschhrit und durch sie die Befreiung des ZndividuumS. Und so senden wir denn in diesen Sarg, der seine Urberrestc birgt unsere» aufrichttgen Dank! — Friede seiner Asche!" An diese Rede, welche, wie man allgemein bemerken konnte, mit tiefer Rührung ausgenommen wurde, schloß ssch rin Gebet, gesprochen von Vr. Geiger und ein Schlußgesang. Hierauf wurde der Sarg unter*Borantragung von Lerze» und gefolgt von der anwesenden Menge ans dem.Clotteshause getragen, und wobl die Meisten verließen die Stätte mit dem Gefühle, daß diese Feier einen der weihevollsten Momente in ihrem Leben gebildet Hab«. Lä»ig»terg, 4 April. Heute Bormittag um 11 Uhr fand unter großer Belheiligung der hiesigen Einwohnerschaft ans allen Ständen und Bekenntnissen da» feierliche Ltichenbegängnlß des Abgeordneten vr. meri. R. Losch statt. Rach vollendetem Trauergottesdienst in der Hauptsynagoge, wo der Rabbiner vr. Z. Bambrrger die Gedächtnißrede hielt, setzte sich vom Trauerhausr aus auf dem Paradeplatzc ein langer unabsehbarer Leichenzug in Beivegung, welcher au- Mitgliedern des Magistrat«, der Stadtverordneten-Versammlung, der Universitäts-Fakultäten, der Laufmannschast und der hiesigen israelittschen Gemeind« wie au» vielen College» und Freundm de« verstorbenen bestehend, da« Ehrengeleile hinter dem Sarg« bildete, an das sich eine Reihe von 30 Equipagen angeschlossen hatte. Auf' dem jüdischen Friedhof« angelangt, woselbst sich Tausend« von Menschen «ingefunden hatten, wurde tte Leiche unter den üblichen religiösen Feierlichkeiten zur Erde bestattet. Außer der kurzen Einsrgnungbrede de» Gemeinde-Geistlichen sprach noch am Grabe der christliche Abgeordnete vr. Br nder- Eatharinenhof, während der Lönigsbergrr Sängerverein zwei erhebend« Sieder anststnmte. (ttt H. Z.) M.[£4aciftmfff, 22' März. lOrig.-Corresp.) lieber den leider ungünstigen Erfolg der Petition des hiesigen Eorportion --Vorstandes haben Eie bereit» in der gestrigen Rümmer Zhve» Blatte» eingehend Bericht erstattet. Gestettet Sie mir nur noch/' Ihren Lesern aus der Fülle des Interessanten, welchediese Debatten ttotz der Resultatlosigkeit der lvrrhandluttgen in reichstem Maaße'dsebieten, nach dem nun vorliegenden stenographische»! Bericht «tu Passus aus der Schluß»' rebe. de« RdstrenAn Vr. Pau» «itzutheilm, derstchirllch der westesten Verbreitung würdig ist. Es find warme Worte der Anerkennung für Juden und Zudasthnm, wir fit in Preußen an solcher Stelle wohl noch nie vernommen worden find. Zch schicke di« Bemerkung voraus, daß die Lehrbücher, von denen Herr vr. P. spricht, die Religionslehre von Herrhrimer und der Leitfaden von David Cassel sind, und last; nun den Wortlaut der qu. Aeußerung folgen: ' „M. H., ich konnte nicht unterlaffen, um doch nicht wie der Blind« von den Farben zu sprechen, mich etwas genauee nach dem Religionsunterricht in dem Gymnasium zu Schneidemühl umzusehe». Zch Hab« mir die zwei dort eingesührten Leitfäden zusenden lassen: sie haben also meiner Einsicht vargelegen. Sie sind beide gedruckt — der eine in der zwanzigsten Auflage — und waren also auch der Lgl. StaatSregierunz zu jeder Zeit zugänglich, so daß sie genau wissen konnte, um was es sich bei dem Religionsunterricht in Schneidemühl handelt. Das eine dieser Religionsbücher enthält eine einfache und klar ausgeführte Glaubenslehre: der zweite größere Tbeil eine sehr speciell eingehend« Sittenlehre. Vom allgemeine» Gesichtspunkt ist meine Meinung die, daß die Honorirnng des Religionsunterrichts nach diesern Leitfaden der König!. Staatsregierung keine Unehre bringen würde, so wenig Unehre, als, wie ich glaube, daß es ihr bringt, wenn sie den Religionsunterricht der evangelischen und katholischen Confession honorirt. M. H, das andere Lehrbuch aber umfaßt dazu etwas Anderes und fordert noch besonders auf zu einem Blsck auf dasjenige, was dort innerhalb der Religionsstunden vorgettagen wird. Es ist dies rin Leitfaden, eine sehr klare Uebersicht de« Entwickrlungsgonges der jüdischen Geschichte und Literatur, und es ist mir daran« folgender größt» Gesichtspunkt entgegen getreten, von dem ich wohl wünsche, daß er maaßgederd ivär« auch auf anderen Gebieten des Unterrichtswesens, der große Gesichtspunkt nämlich, daß keine Scheidung gemacht ist zwischen sogenannter heiliger und vrofann Literatur. Der Entwickelungsgang erscheint al« ein Ganze- und führt uns ebensowohl die früheste als die spätere mittelalterliche Fortentwickelung und Bewegung de« hebräischen Bolksgeist« vor. M. H.. ich bin so entsernt davon zu wünsch«», daß insbesondere dieser Dheil des llnterrichtes am Gymnasium zu Schneidemühl ohne Weiteres dem Belieben preisgegeben würde, daß ich vielmehr wünschen möchte, auch di« christlichen Schüler daselbst hätten einige Gelegenheit, davon für sich etwas zu profittren, damit von da einige Kenntniß dieser Literatur auigehen könnte und zugleich darauf gegründet, einige Achtung tür den ttefsinnigen, großartigen und herrlichen Inhalt der mittelalterlichen jüdischen Poesie. Zch habe Gelegenheit gehabt, sie kennen zu lernen, spreche also darüber nicht bloß obenhin." Vermischte und' neueste Nachrichten. AerN«. Zn einer an das Haus: d«r Abgeordneten gerichteten Petition beanttagten 28 israolittsch« Elementar-Schul, lehrer de» Reg.-vez. Lasset, der kgl. StaaGregierung zu empfehlen, daß di« Elemerstarlehrer au den tffentlichen israelitische» Volksschulen hinsichtlich ihrer Gehaltsverhältnisie den christliche«, Lehrern der Provinz gleichgestellt werde» möchte«. — Zn der Unterrichtkommission^ wurde aiwrkmntt. deß rin Mißstand vor-

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