Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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113 thätig, es werden jährlich circa 10,000 fl. an Arme vertheilt. Zwei Hauptfynagogrn befinden sich in dem früher nur von Juden bewohnten Viertel, sie sind nach sefardifchem und italien. Ritus. Letztere mit Orgel war Freitag Abend schwach besucht. Seit dem Tode des Rabbiners Tedesco wird die Stelle von einem seiner Schüler Namens Mily provisorisch bekleidet. Die italien. Sprache ist auch unte>7den Juden vorherrschend und selbst die deutschen Familien müssen sich dem Gebrauche der italien. Sprache fügen, was eben auf die jüdische wissenschaftliche Bildung nicht günstig wirkt. Für rituell lebende jüdische Reisende die Notiz, daß eine vorzügliche jüdische Restauration von Signor Luzzato am Ende des Corso gehalten wird.*) AteLandrie» hat 7 Synagogen, und zwar eine herrliche im Innern noch nicht ganz vollendet, Beth hakneteth Elia hanabi, prachwoll gelegen in der blähe des Mrcres, von einem großen Hofe und Garten umschlossen, in welchem Valmen den Besucher schon in das Land der Urväter zurückversetzen, und in die Zeft, wo Deborah unter Palmen das Richteramt übte. Der Eabbathgottesdieust war nach italienischem Ritus. Bemerkenswerth ist, daß die Mussaf-Schmone esre sofort laut vom Ehasan vorgetragrn worden. Die Mizwoth wurden verkauft, jedem Aufgerufenen von der Gemeinde „Chasak" zugerufen. Herr Manas« läßt eine Synagoge und Hospial auf seine alleinige Kosten bauen, für den Platz allein sind ihin von einer eng'"chen Gesellschaft 10,000 £ geboten worden. Die Gemeinde wird von 12 Xesiim verwaltet, augenblicklich herrscht ein Conflict der jedoch durch eine auf heute, den 2. März berufenen Waad (Versammlung) geschlichtet werden soll. Der Gottesdienst in der Synagoge Elia hanabi. Der Ehasan begann mit baruch scheamar, hodu wurde von einem Knabenchor und der Gemeinde ganz durchgesungen, ebenso einig« Halleluja und die Schiro. Der Verkauf der Mizwoth war ein förmlicher Markt. Beim AuSheben der Thora stellten sich die anwesenden Pekidim reihenweise auf. Der mit dem AuSheben Beehrte trug die Thora durch. Zen« und an der Spitze der Raw, folgten, während bsn bv gesungen wurde bis zur Bftna, wo dieAufstellung derThora erfolgte. Diese wird nämlich «ncht hingelegt, auch nicht aus dem sie umhüllenden armdicken Futteral genommm, sondern aufgestellt, geöffnet und vorgelesen. Während so für Gottesdienst gesorgt ist, scheint für Belehrung und Unterricht der Kinder eS an dm nöthigen Anstalten zu fehlen. Leider besuchen die meisten Linder, jüdischer Eltern die katholischen, mgl. und deutsch« Missiousschulen. So sind von einigen 90 Kindern, welche dir letztem ftequentirm, 60 jüdischen Eltern angehörig; sie erhaltm neben dem Elemmtarauch Unterricht in der bibl. Geschichte, und man weiß, was das in einer Missionsschule bedmtet. Vielleicht führt uns unser Weg zurück über Alexandria und gibt unS Gelegenheit, darüber mit dm Leitem der Gemeinde zu sprechm. Jaffa wird von 250 jüdischen Familien bewohnt, die größtentheilS auS Arbeitem, Schuhflickern, Schuhputzern bestehm und in gedrücktm Derhältniffm leben. Einige Gelehrte •) Möchten doch jüdische Zeitschriften die Eoscher-Restaurationen der besuchtesten Städte angeben. Dem Aussuchen eurer solch« in Alerandrien verdankte Schreiber freilich «ine Einladung zu einem Souper bei. einer magrebischen Familie, die ihm und sein« Gefährten sehr interessant« Unterhaltung gewährte. leben von den Unterstützungen, die ihnen fteilich nur in geringem Maße zu Theil werdm. Einige Familim, womnter die Familie Plattner, haben sich durch Intelligenz und Sprach - kmntnisse in eine beffere Lage zu versetzen gewußt, haben Handelsgeschäfte, wie sie denn auch als Dragomane Geld zu verdimen wiffm. Jaffa, vom Meere aus gesehen, einen herrlichen Anblick gewährend, ist schon eine vollständig orientalische Stadt, enge Gaffen, schmutzig und winklig. Durch die günstige Lage auS der sie inmitten des ftuchtbarsten Theils von Palästina, wo die herrlichsten Früchte, Orangen, Gemüse, Oelbänme, Weizm, Gerste angebaut werden und Schake reichlich vorhanden sind, könnte hier durch den Handel mit Landesprodrukten zahlreichen jüdischen Familien reichlicher Erwerb zu Theil werden, wmn nicht die meisten Juden auf so niedriger Bildungsstufe ständen und wenn das nöthigeCapttalvorhanden wäre. Wenn ein europäisches jüd. Handlungshr us hier eine Niederlassung errichtete, könnte er bei selbstlohnendem Erfolg vielen jetzt in Dürftigkeit und Elend verkommenden Brüdern Brod Erwerb verschaffen. Diesen Zweck verfolgt auf langsamerm aber sicherem Wege, die von der Alliance Israälite gegründete, */4 Stunden vor Jaffa gelegene Ackerbauschule des H. Charles Netter. Dieser edle Mann, welcher aus Liebe zu seinem Volke eine sichere Existenz aufgeben, und mit eigenm bedeutendm Opfem die Anstalt ins Leben gerufen, ist als Lohn dafür vielfach verleumdet worden. Es ist eine Freude, das Schaffen und Wirken zu sehen; sowohl das schon Vorhandene wie das noch im Werden Begriffme ist erfreulich. Die Anstalt zählt 12 Zöglinge die, wie Hr. N. versichert, mit Lust und Liebe sich dem Garten- und Ackerbau widmen. Es isi ein großes Untemehmen, und Schmach auf diejenigen, welche in verkehrtem blinden Eifer jeder socialen Verbesserung der Juden im heiligm Lande mtgegentreten. Was vor Allem im Orient Roth thut, ist Bildung der Jugend; sie soll und muß religiös erzogen werdm, aber sie soll und muß auch die Kenntnisse erwerben, welche sie befähigt, sich aus dem Elend emporzuhebe:: und dem schmachvollen Almosennehmen zu entsagen. (Fortsetzung folgt.) wo blieb dar Sold! Ein hochgesrellter Beamter, der jedoch ttotz seiner hohen Stellung, oder gerade wegm dieser, sein Vorurthell gegm die Jaden nicht verhehlen konnte, sagte zu einem solchm einst im Laufe de« Gespräche«: „Ihr Juden müffet doch aber überall eucrn Profit habm, ohne Gewinn geht e« einmal bei Euch nicht! Selbst euer Priester Ahron hat e« nicht verschmähet an seinem eigenm Volke sich zu bereichern! Da heißt e« in der Bibel, daß Ahron, nachdem er vom Volke gedrängt, diesem einm Götzm machen sollte, sich dm Schmuck de» ganzen Volke« aurliefern ließ, um ein goldene« Götzenbild zu verferttgm. Und wa« that er? Au« dem Schmucke von mehr al« 800,000 Leutm goß er nicht mehr al« — ein Kalb! Mindestm« einm ganzm Ochsen hätte er au« diesem Golde verferttgm könnm, doch — er nahm gewiß seinm Profit für sich vorweg!" Der Jude, um dir Antwort nicht verlegen, dimtc ihm hierauf mit folgmdm Wortm: „Ja! meinst du dmn, der Ahron habe ganz allein dm Schmuck von so viel« Lmtm übernrhmm könnm? Dazu mußte er „Beamte" habm, die ihm einsammeln halfen, und nun wirst du dir leicht erklärm könnm, wohin der größte Theil de« Golde« gekommm ist!" Betroffm brach der Beamte da« Gespräch ab. — Leo. -L--II--14--