Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/5369809-5935003-5935596--1145-5370777
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

112 Stockholm eine Dissertation, der „babylonisch« Talmud, Tractat Synhckrin" <"75 Quartseiten) vertheidigte. Unter seinen Opponenten befanden sich der von der Facultät dazu verordnete berühmte Orientalist Pros. Lirdgren und der Rabbiner in Stockholm I)r. L. Lewysohn, ein geborner deutscher Israelit. Roch nie ist in Upsala eine Uebersetzung eines Theiles des Talmud der Gegenstand einer akademischen Disputation gewesen und noch nie ist bei einer solchen ein Rabbiner als Opponent ausgetreten. (Hamb. Nachr.) Hdess«,F18^März. Zwischen der jüdischen Fortschrittspartei und dens Ultras,Ihodoxen ist es zu Zwistigkeiten gekommen, bei denen^die Polizei einschreiter mußte. Die Letzterm suchten nämlich den regelmäßige» Chorgesang der ersten durch wüstes Schreien und Tobm bei ihren, in einem Nebmraume nach altem Rituskvorgenommenen Gottesdienst zu stören; es kam zu Handeln, denm die brwaffiete Macht ein Ende machm mußte. (Pest. Ll.) «Wir können nicht wissen, ob die Darstellung in diesem Referate richtig ist; sehr bezeichnend ist es jedoch, daß das „Trad. Jud." dasselbe frischweg unter den Rubrum „neologe Skandale in Odesfa'^bringt.) — Die Angelegennheit des in Odessa aus der Kathedrale abhanden gekommenen wunderthätigen Heiligenbildes bleibt,r wie7 der „N. S. P. Z." geschrieben wird, noch immer etwas Räthsrlhaftes. Dir äußere Thüre und der Heiligenschrein warm unbeschädigt: die kleinen goldenen und silbernen Bilder, die sich bei dem Heiligenbilde befanden, sind unberührt geblieben^Der Wächter gibt ornoorrcne Antworten; klar ist daß eir Wächter in einer dunkeln und nebligen Nacht nicht sieben Ausgänge bewachm kann. Die jüdischen Hausbesitzer sind von der Polizei angewiesm, die Aufsicht zu verstärkm, für den Fall, daß man auf tm Gedanken kommen sollte, daß Bild in das Haus irgend eines von ihnen zu werfen. Zn dem Heiligenschranke steht jept eine Copie des Bildes mir Steinen, welche den ächten Steinm nachgebildet sind. Die Panik unter den Juden ist sehr groß. Zerusakc«. Die Erbauung einer Eisenbahn von Jaffa hierher scheint nach Mitiheilung mehrerer Zeitungen gesichert. I ^Alexandria befindet sich eine durch Hrn. Dr Albert Eohn ins Leben gerufene israel. Gemeinde, welche durch dessen Bemühungen seit dnn Jahre Id54 unter dem Schutze der dortigen österreichischen Gesandtschaft steht. Jüngst sollte nun, wie Z. Ehr. erzählt, eine neue Gemeinde daselbst gegründet werden und zwar von eingebornen und solchen Juden, welche schon längere Zeit dort ansässig sind. Das österr.-ung Konsulat wurde angegangen, diese neue Gemeinde unter ihren Schutz zu nehmen, was zu thun es verweigerte. (Hierauf bezieht sich virlleichr die Arußerung unsers Hm Eorresp in den „Reisebriefeu" im heut. Feuilleton.) Kowbatz. Herr David Sissoon in Bombay hat aus Anlaß »er glücklichen Genesung des Kronprinzen von England 57,(HX' R. zum Bau einer höherm Unterrichtsantzalt gegeben. (Hamagidl Newport. Bekanntlich ging von einigm orthodoxen Geistlichen vor kurzer Zeit eine Bewegung aus, welche durch ein Amendement zur Bundeskonstirntion in den Bereinigtm Staatm eine christliche Staatsreligion uabliren wollte. Vor etwa acht Tagen reichte nun Senator Schurz eine große Anzahl von Petitionen, auch aus Boston in Massachusetts, dem alten Puritaner-Staate, im Br ndessenate ein, die mrrgisch gegen en solches Unterfangm protestirm und die Auftechthaltung des Prinzips religiöser Freiheit verlangm. Feuilleton. . Nriscbriefe ans Le« Grient. Alexandrie«, den 1. März. Die durchgreifende Wandlung, welche die europäischen Juden in dm letzten Decmnien erfahren und durchgemacht habm, kann man am sicherstm hier in der Stadt Alexander'- des Großen und Philo's wahmehmen. Als Montefiore, Cremimr und Munk vor 3 Drcennim in der Damaskus-Affaire hier waren und eine Bildungsschule anlcgen wollten, war die Gemeind« so arm, daß sie beim besten Willen nichts dafür leistm konnte. Jetzt zählen die Juden zu den hervorragendsten Männern der Stadt. Züdische Banquiers und Chefs erster Handelshäuser sind hier viele, und sie nehmen zugleich eine geachtete Stellung in der Gesellschaft ein. Der Financier Manasce gilt hier als egyptischer Rothschild; als er einen Ball veranstaltete, kam der Vicekönig mit einem Extrazug von Kairo hierher, um den Festgeber zu ehren. Manasce lebt zugleich streng religiös st I' ancien rogime. Sonst ist die religiöse Strenge hier ebenso in Abnahme begriffen wie inEuropa. Bonden 10,000jüdischen Seelen leben die italienischen, deutschen und französischen Juden wie sie in deren Heimath gelebt haben. Rur die arabisch und spanisch redenden jüdischen Gemeindeglieder haben das genre de vie nicht geändert. Man wird es in Euorpa kaum glauben, daß in der Gemeinde, in welcher Maimonides zu seiner Zeit verketzerl wurde, gegenwärtig eine jüdische Restauration eben jo' schwer zu finden ist, wie etwa in Neapel oder im lieben Deutschland in — Eisenach. Desto mehr hak die abrahamuische Gastfreundschaft Gelegenheit sich zu bewähren. Zch wünschte, ich könnte Ihnen, geehrter Herr Redacteur, de» Mann, seine Familie, seine jüd. Tafel pholographiren, der uns, von der Seereise Verschmachteten, an seinen gastlichen Tisch einlud; es gebe ein Genrebild st la Oppenheim. Die schönen Zimmer sind halb europäisch und halb orientalisch eingerichtet. Man speist aus Divan's aber mit Silbergeschirr. Die alte Mutter sitzt auf der Erde auf einem Polster. Feierlich macht unser liebenswürdiger Wirth Kiddusch im Beisein aller Frauen und Mädchen des Hauses, die sonst, in Gegenwart von Fremden, von der Tafel fern bleiben. Ein innig-religiöser Hauch durchwehle das Speisezimmer. Man fühlte sich gehoben. Di« außerordentliche Herzlichkeit des Herrn Schalom Tabi — der Name verdient genannnt zu werden — trug dazu bei, eine Stimmung in u.ts zu erzeugen, als wenn wir vor Abraham in Hebron unter der Lerebinth« gepflegt worden wären. Diese Illusion war dadurch noch gesteigert, daß wir uns mit dem Wirthe hebräisch unterhielten. Ich füge hinzu, daß derselbe nicht zu den Lamdonim gehüit, sondern von Jugend auf den Geschäften oblag. Nichts desto weniger konnte er sich geläufig hebräisch ausdrücken. Herr Tabi empfand nicht geringere Freude, Unglaubens- und stammgenössische Sterbliche bewirthcn zu können, als Abrahaui beim Empfange der Engel. Seine ganze Sorge war dahin gerichtet, uns zu beftiedigen und uns Comfort zu verschaffen. Er hat uns «inen höchst angenehmen, bleibenden Eindruck mehr von Alexandrien, dieser Stadt der Kontraste, verschafft. _ G. (Reifenotije» »on einem andern Herrn Eorrejpondenten ) Kriest hat etwa 5000 jüdische Seelen: die Juden dieser Stadl find sehr angesehen und geachtet und überaus wohl-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.