Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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111 Losch au« btm parlamentarischen Leben, al« 1849 das Wahl» gesetz oktroyirt wurde. Erst 1862 trat er wieder ein und hat seitdem ununterbrochen die Stadt Königsberg im Abgeordnetenhause al« Mitglied der Fortschrittspartei vertreten. - Hier wurde er jederzeit von allen Parteien mit Achtung, von seinen jümzern Freunden mit Ehrfurcht gehört. Seine edle Persönlichkeit hat wesentlich dazu beigetragen, dem Anspruch auf politische Gleichberechtigung des Judenthuins auch da eine Stätte zu bereiten, wo die Vorurtbeile einer überwundenen Zeit am längsten festgehalten zu werden pflegen. Die Lücke, welch« der Tod Kosch'S in dieser Hinsicht im öffentlichen Leben gelassen bat, wird nicht sobald auSgeküllt werden. Sein Andenken wird in wchlverdienten Ehren bleiben, wo immer der freiheitlichen Entwickelung des preußischen Staategedacht werden wird. (Rat.Z.) Der Gemeindrvorstaud zeigte dem Präsidium des Abgeordnetenhauses an, „daß die Leiche des Dahingeschiedenen zwar testamentarischer Bestimmung gemäß, nach Königsberg übergeführt, zuvor jedoch nach der neuen Synagoge gebracht und daß daselbst am Sonntage den 31. d. Mts. Bormittags 11 Uhr eine Trauerfeier abgehalten werden wird." Aus "Nosen berichtet die dortige Ostd Ztg.: am Sonnabend fand ein Abschiedsessen für Herrn Oberlehrer vr. J utroszinski statt, welcher zum Director des Reichenheim'schen Waisenhauses in Berlin gewählt worden ist. Herr vr. Jutroszinski, seit 12 Jahren unser Mitbürger, bekannt durch den jahrelangen parlamentarischen Streit über seine Anstellungsfähigkeit als Hude, hat sich hier einen großen Kre s von freunden und Verehrer» e»m>orben. Htogase«, 7. Adar II. Heute, am Todestage unseres Gesetzeslehrers Mose, wurde hierder hochbetagte, als talrrudische Autorität weithin bekannte Rabbiner M. Feilchenseld zur Erde bestattet. Der Berstorbene erreichte das hohe Alter von 78 Jahren, und bekleidete daS Rabbinat hierselbst 32 Jahre. S. Pleßner aus Posen hielt ihm die Leichenrede. Nrorka», den 17. März. Als Euriosum wollen wir erwähnen, daß unter den Bewohnern der neulich hier ringeäscherten Häuser sich auch eine jetzt 105 Jahre alte Israelitin befindet, die sich noch kräftig und wohl fühlt, vor zwei Jahren leider ihr „kleines noch unverheirathetes Töchterlein" im Älter von 80 Jahren durch den Tod verlor, trotzdem ater noch immer beim „Zählen der Häupter ihrer Lieben" die Genugtuung empfindet, an Kindern, Enkeln und Urenkeln rc. die gewiß recht ansehnliche Zahl von 250 Individuen zu den Ihrigen rechnen zu können. (Brsl. Ztg.) Am verwichenen Sonnabend hatte ein Dieb sich über Mittag in die KlauSsynagoge ringeschlichen und verschiedene silberne Torageräthe onneftirt, eS gelang jedoch desselben habhaft zu werden, als er über den öffnenden Synagogendiener Hinwegstürzen und entfliehen wollte. Saaz. Am 19. d. Mts. wurde der neue isr. Tempel eingewriht. Die „Saazer Hopfenzeitung und Lokalanzeiger" enthält einen ausführlichen Bericht, dem wir einige Sätze entnehmen. „Unter den Thoraträgern befanden sich der Saazer Kreisrabbiner vr. Sachs aus Kommotan, der Lokalrabbiner vr. Frank und der Rabbiner vr. Bogelstein aus Pilsen u. s. w. Außer verschiedenenen (den üblichen) hebräischen Gesängen wurde vom Saazer Gesangverein Beethovrn's Hymne „die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" vorgetragen. Die Prttngt, welche der Rabbiner Herr vr. Frank hielt, behandelte die Themata: Liebe zu Gott, Liebe für die Glaubensbrüder, Liebe zu den > Fremden oder Andersgläubigen und Lieb« der Wahrheit und des Frieden-, Diese Texte waren schwungvoll, zeitgemäß und von wahrhaft tolerantem Geiste durchweht, wie er nscht besser von einem Priester der „Religion der Liebe" gedacht werden konnte. Die Ehöre wurden durch unseren Musikinstitutsinhaber Herrn Witek auf dem ausgezeichneten und majestätisch j tönenden Harmonium des Tempels in würdigster und virtuoser j*90Beif« begleitet. | Der Feier wohnten die Gemeinderepräsrntan, der Stadt Saaz, die Herren Borstände der k. k. Behörden, der Herr Regimentskommandant der hier garnisonirenden Hußaren, eine Vertretung des Gymnasiallehrkörpers, de« Schützen-OffiziercorpS, die Herren Vorstände des Veteranen-, deS Feuerwehr¬ und des Gesang- und Musikvereines und eine große Menge hiesiger wie fremder Israeliten und Katholiken bei. Die musterhafte Leitung und daS gute Arrangement der ganzen Festivität hatte der Eultusvorsteher Herr I. Lederer in Gemeinschaft mit dem Ausschüße, dem Tempel bau- und dem Festcomitö in die Hand genommen und diese schwierige Aufgabe in vollkommenster und befriedigenster Weise gelöst." Die Ung. jüd. Wochenschrift wird mit Ende d. Mts. zu erscheinen aufhören. Die seit dem Tode des sel. vr. Meisel erledigte Stelle eines Vorsitzenden des Rabbinatscollegiums (Y'3"1) ist dem R- Ass. S. L. Brill übertragen worden. Naris. Die diesjährige Generalversammlung der Alliance, die zehnte seit ihrem Bestehen, wird, wie Cremieur nunmebr selbst anzeigt, am 12. Mai stattfinden. L«»do«. „Jew. Chron." vom 22. d. Mts. widmet einen ausführlichen Arttkel dem „Aria-College." Dieses ist freilich selbst den Engländern noch unbekannt, denn es soll erst gegründet werden. Der verstorbene Lewis Aria hat durch Testament von 1855 eine Summe von (jetzt) mehr als 20,000 Pfd. St. zur Gründung eines College für junge Leute, welche Rabbiner und Prediger werden wollen, auSgesetzt. Das wäre sehr gut und ausführbar, aber der Testator hat bestimmt, daß die schule nur in Porffea eingerichtet und nur für junge Leute aus der Graffchaft Hampsire, in der Aria geboren war, brstimint werden dürfe. Schon die erste dieser Bedingungen ist so unpraktisch wie möglich, die zweite macht die ganze so treffliche Idee zu einem reinen Hirngespinst. Da jedoch die Erecutoren des Testaments natürlich an die Bestimmungen gebunden find, so setzt I. Chr. auseinander, daß man sich an den Court of Chancery wenden und in richtiger Darlegung der Absicht des SttsterS eine Abchtderung der schlecht entsprechenden Clauseln zu erlangen suchen müffe. sto«do». Professor Theodor Goldstücker ist in Folge eines vernachlässigten BrustübelS im Alter von 50 Jahren gestorben. Goldstücker, ein Jude, ein Muster von Ehre und Wahrheit, war Professor an der Londoner Universität und einer der gründlichsten und genauesten Kenner deS CanSkrit, dessen Lexikon er bearbeitete. Wie englische Blistter berichten, soll er angeordnet haben, daß sein reicher hhndschriftlicher Nachlaß, die Arbeit von drei Decennien, verbrannt werde. G.'s Verlust wird nicht nur in allen wissenschaftlichen Kreisen, sondern auch am Hofe und in mancher eingeborenen Familie Indiens schmerzlich empfunden. (Dergl. die „Liter. Beilage" zu dies. Nr.) Zn A»sckka fand am 13. März ein ungewöhnlicher Disputattonsactus statt, indem zur Erlangung der Doctorwürde in der philosophischen Facultät der Candidat A. Fehr aus