Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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diplomatischem Wege anregen zu wollen. Der Schweizerische Bundesratb hat diesem Ansuchen entsprochen, und ist demzufolge auch an die Großherzogliche Staat-regierung da- Qrr-- suchen gerichtet worden, die gewünschte Erhebung anzuordnen. Diesem Ersuchen entsprechend, beauftragen wir Sie, für jede israelitische Gemeind« Hbres Kreisebesondereine Zusammenstellnng der Angaben, welche nach dem nachstehend abgedruckken Schema gewünscht werden, in der Ordnung desselben zu fertigen und einzuienden. Die Wohlthätiqkeit-anstalten und Vereine, die Fond- und Stiftungen sind einzeln aitfzuführen, zu benennen und soweit darnach noch nöthig, deren Zweck anzugeben. Von gedruckt vorhandenen Gemeindestatuten. Synagogenordniingen und Leichenbegängnißordnungen ist je ein Eremplar anzuschließen. gez. v. Bechtold. gez. Zimmermann " ES wäre sehr erfreulich, wen» die Svnode hier ein praktisch-werthvolle- Resultat erreichen würde. Der von Dr. Engelbrrcht einqeschlagener Weg ist ein sehr guter. Wenn nur die übrigen Negierungen ebenso wie die hessische auf das Ansinnen eirgehen. Ohne Beihül'e derselben ist vollständiges Material nicht zu erlangen. — r. Ans Würtemberg im Mär;. (Orig.-Eorresp.) Dem israelitischen Oberkirchenvorsteher Elias Pflaum in Stuttgart ist das ^tterkreuz erster Klasse des Friedrichordens verliehe", der Rechtsanwalt Victor Steiner in Ulm ist unter Verleihung des Titels und Ranges eines Eollexial-Asirssors zum Vortragenden Mitglirde der israelitischen Oberkirchenbehörde ernannt, derKanzleiqebülfe Stern, Eassirer der israel. E»'tral-Kirchenkasie zum Eanzlisten befördert worden. — Herr Rabbiner Dr. Silberstein in Buttenhausen hat in MGisingen vor einem nichtjüdischen Publikum zu Gunsten der Hungerleidenden in Persien einen Bortrag über Mose- Mendelssohn gehalten, der in Druck erschienen ist. (Bon Herrn Dr. S. rührt auch das Bändchen „Geleqenheitspredigten" in der von der Schletter'schen Buchhandlung herausgeaebrnen Predigtiammlung der.) Zn Heilbronn ist der Bau einer neue» Synagoge zuin Kostenprrise von 100,006 fl. fest beschlossen. In unserm Nachbarland« Baden, und zwar zunächst durch Srnaaoqenrätlie des Breisgau, ist die Gründung von Sterbekast'en angeregt und bei einer am 2'*. v. Mts. in Freiburg abxehaltenen Delegirten-Bersammlung ein provisorisches Eomits erwählt worden. (Wir hatten diese Mittheilung bereits in süddeutschen Blättern gefunden und mit Interesse gelesen. Die Idee ist von einem aus Amerika zurückgekehrten Israeliten angeregt und es liegt das Beispiel der Bnai Berith-Logen zu Grunde. Wir werden auf das Projekt, wenn es wester gedeihen sollte, zurückkommen und die Organisatton der amerikanischen Sterbekassen blsprechen.) Oesterreich. kl. Mlioksünrg, 24. März. Kur; vor der Sudath- Purim, so lange ich noch nicht bis zu dem Grade purimhafter Nüchternheit gelangt bin, daß ich keinen Unterschied zu machen weiß zwischen Haman und Mardochai, will ich noch über die gestern Abends, am Vorabende des Festes ftattgehable musikalisch-deklamatorische Abendunterhalning berichten, die wie alljährlich, so auch diesmal am Purimabende uns erheiterte, nnd deren Reinertrag stets einem wohlthätigen Zwecke (diese- Jahr der Bekleidung armer Schulkinder) gewidmet ist. Er- | freulich ist der Umstand, daß nicht nur die jüdischen Gemeindei Mitglieder, sondern ein großer Theil der Elite der christlichen j Einwohnerschaft diese Darstellung, dir sich am Abende dej zweiten Purimtages wiederholt, frequentireu und nicht geringe Beiträge an der Kasse zahlen. — beider nehmen hier aber auch die Proletarier unter der i nichtjüdischen Bevölkerung lebhaften Antheil an der gewöhn-; lichen Purim-Ma«kerade und unter der Maske derPurim- ' ma-ke werden oft die grüßten Ungebührlichkeiten, ja Gaunereien! verübt. Wir müssen hier noch so manche bittere Pille herab»! schlucken, nnd war ich erst kürzlich Augenzeuge, wir ein kleinei kaum »jähriges Kind, seiner Mama „einen Juden" zeigte, j der vorüberginq; das Steinchen in der Hand — flog dem j Juden unerbittlich nach. i Frankreich. Hkaris. Die „Arch. Zfr." enthalten einen Auszug aus I dem Sitzungsberichte der Nationalversammlung vom 7. d. Mt-., 1 Verhandlung über das Gesetz zur Unterdrückung der „Znter- I nationale." Ein Herr' Langlois bebanotete, die Idee des „EollecttviSmus" — < Socialismus) sei in dem A. T. zuerst ausgesprochen, (fr liest die ganze Stelle 3. B. M. 25, 8 1 —17 vor; anfangs von Lachen unterbrochen, protestirt er da-! gegen und verlangt, daß man die Worte der Schritt schweigend ■ anhöre. Man dielt ihm dann entgegen, das Gesetz beziehe sich ans Palästtna, nickt aus andere Länder nnd Völker, begründe auch keineswegs einen Eollectivismus, sondern im Gegentheil setz« er das Recht des Eigenthums voraus und sankttonire es, beschränke es nur durch das Verbot absoluter Beräusierung. — Dies ist freilich ganz richtig; interessant bleibt es immer, daß man einmal wieder auch außerhalb Israels aus die göttliche Weisheit der Gesetze vom Sinai hinweist, die dem Pauperismus, der ganzen socialen Frage von vornherein vorgebeugt haben, wenngleich eine einfache Uebertragung derselben auf die heuttgen Verhältnisse nicht möglich ist Der ,.?ransLiz" genießt den traurigen Ruhm, vielleicht j allein unter allen Blättern außerhalb Rumäniens, die Juden- I Hetze in diesem Lande zu ensschuldigen und natürlich zu sinden. i Die Mischung von Inden- und Deutschenhaß, die sich in der , denkbar dümmsten Weise in dem Artikel zeigt, würde vielleicht I unsre Leser amüsiren, wenn wir für dergleichen Raum hätten; Vermischte und neueste Nachrichten. Aerki«. Am Mittwoch, den 27. v MtS., ist im jüd. Krankenhaufe der Abgeordnete Dr. Ko sch seinen Leiden erlegen. Die Nachricht wird im ganzen Baterlande ein aufrichttges und schmerzliches Bedauern erregen. Der Verstorbene, am 5. Oktober 1808 zu Lissa in der Provinz Posen geboren und seit 40 Jahren einer der geachtetften Aerzte der Stadt; Königsberg i. Pr , gehört unserm öffentlichen Leben seit 1848 ■ an. Mit Johann Iacoby anfS Innigste befreundet und dessen i Bestrebungen auf Einführung einer konftituttonellen Verfassung ■ in Preußen stets nahestehend, trat er selbst doch erst im ge-! nannten Jahre ins polittsche Leben ein, indem er in die preuß. j Nattonal-Versammlung für Vereinbarung der Verfassung gei wählt wurde. Sein bei aller Ensschiedenbeit stets mildes und j immer nur auf die Sache gerichtetes Auftreten sicherte ihm | sofort die Achtung aller Parteien. Viceprästdent der Rational- , Versammlung und dann Mitglied der zweiten Kammer, schied