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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 14. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 14.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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108 WortrS vergesse»: „eS rühme sich nicht, der das Schwert umgürtet wie der, der «e ablagt." W chttger jedoch mid ebenfaü» sicher scheint unS der Umstand zu sein, itztz d«k leitmide d«tsch« Smnt>ma«r über fehr ursprüngliche- Mogrivnm. UnauätzrdrL^P m«dem a»M Wir haben keinen Grund an Bismarcks Aufrichtigkeit zu zweifeln, wenn er behauptet, daß er persönlich nicht vorhabe, seine Religitm; die Religio» überhaupt, i» ihrem Snstttße zu beeinträchtigen oder sie gar zu bekämpfen. SS ist ferner wohl sehr klar, daß eS nicht in seiner Absicht liegt, die Spitze der neuen Gesetze (»anzrlstrafparagraph, SchulaufsichtSgesetz, Verfügung wegen DispenS vom Religionsunterricht) gegen die evangelisch-pietistische Geistlichkeit und ihre Patrone zu richten, daß er nur die Ultramontanen und ihre politischen Bundesgenossen bekämpfen will, daß er die Frage durchiveg nur vom staatlichen Gesichtspunkte auffaßt und nicht an die Förderung von Glaubensfreiheit oder gar ConfessionSlosigkeit denkt, und daß es daher unter den Protestanten auch nur eine verschwindend kleine urd jetzt auch ganz ohnmächtig gewordene Partei ist, welche sich schmollend zurückgezogen hat oder in ihrem Widerstande beharren wird. Aber durch die Konsequenz der Dinge und den Verlauf d«S Kampfes wird Bismarck vorwärts „geschoben werden" wohin er zu „schieben" nicht denkt, ganz so wie es ihm in seiner ganzen Laufbahn bisher ergangen ist. Das miss:» seine neuen Gegner und seine neuen Freunde auch recht gut; jene haben von ihrem Standpunkte aus ganz Recht, wenn sie ihm vorwerten, daß er doch nur die Widersacher der Kirche fördere; diese heucheln, wenn sie es verheimlichen, daß sie daffelbe wiffen und hoffen, und wir, die wir unS wohl unbefangen nennen dürfen, wissen eS auch und — nach Talk» yerand'S Ausspruch ist tout Io moaäo doch immer klüger und scharfsichtiger als der Klügste. Es kommt übrigens weder auf Bismarck noch auf den neuen Kultusminister, deffen Innere« ja noch der „unschuldigen" unaufgeschlossenen Knosp« gleicht, an; es handelt sich nicht um einen Sterblichen, „deffen Entwürfe schwinden", sondern um den Lauf, den die Ereignisse genommen haben. Sie sind im Rollen, der Einzelne kann hemmen oder beschleunigen, aber er kann sie nicht mehr regieren oder wenden. Nun handelt-«- sich direct nicht um uns. Direkte Bortheile haben wir nicht zu erwarten. Unsere „bürgerlichen nnd staatsbürgerlichen Rechte", um »och einmal den alten Ausdruck zu gebrauchen, sind endlich anerkannt und festgestellt, und (wie wir schon oft gesagt haben) wir können uns nicht sosehr dafür begeistern, wenn ein Jude mehr als Kreisrichter, ordentlicher Professor, Lehrer u. dergl. angestellt wird. Wobei Gelegenheit der religiösen Debatten im preußischen Abgeordnetenhause und vorher im Reichstage über Juden gesagt worden ist, ist recht erfreulich, aber weniger wichtig für uns, für unsre bürgerlich« Stellung, als zur Characterisirung der Situation. Welchen Einfluß wird dt« neue Wendung auf unsre inner» religiösen Angelegenheiten üben? Ueber des Feindes Fallen sollen wir uns nicht freuen, wir dürfen die Kehrseite nicht übersehen. Allerdings, e« handelt sich direct auch nicht um die jüdische Religion, aber „des Nachbar- Wand brennt" und da „handelt es sich doch (nach Horaz's Wort) um unsre Sache." Ist es eines Nachbars Wand? Droht unserm religiösen Leben Gefahr? Wir werden mit dem, was wir zu sagen haben, wider den Strom schwimmen, aber wir müssen unsre Ansicht auSsprechen. _ (Schlich Mgt) Berichte und Correspondenzen, veptschlan-. j Ftettt», 2$. März. AuS dem stenographischen Berichte über die Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 8. d. Mts., Verhandlung über die Schneidemühler Petition, (s. Nr. 12 unter Stettin) wollen wir noch einige Mittheilungen folgen lassen. Di« Commission hatte beantragt, die Petition wegen Wiederherstellung des jüd. Religions-Unterrichts als eines obligatorischen und auf Kosten der Gymnasialkasse zur Berücksichtigung zu überweisen. Ein anderer Abtrag wollte sie nur „zur Erwägung" überweisen. Röpell, LaSker und Genossen wollen die Petition theilen, das Petitum wegen der Kosten zur Berücksichtigung überweisen, das Obligatorische aber ausschließen. Die Forschrittspartei (Duncker) dagegen lehnt die Petition ganz ab, weil die Religionsunterrichtsfrage überhaupt in freiheitlicher Weise geregelt werden müffe. Zn der Debatte macht zunächst der Regierungscommiffar Wiese darauf aufmerksam, daß die Gewährung der Petitton zu unabsehbaren Consequenzen führen würde. (D. h. es würden dann Hunderte von jüdischen Gemeinden Beisteuer für ihre Religionslehrer fordern!) Auch erklärt er, daß der UnterrichtSminister entschieden gegen obligatorischen jüdischen Religionsunterricht sei. (Dies ist natürlich, da er eben den christlichen für dispensabel erklärt hak. Der Anlraq der Commission war noch unter Mühler formulirt.) Es lag nun sehr nahe, mtt Röpel l x. k. das Obligatorische fallen zu lassen, dagegen die Kosten zu bewilligen. Der Aittragsteller hebt hervor, daß man nicht mit Duncker und Gen. die Petenten auf unbestimmte Zukunft oertrüsten solle. Techowspricht in demselben Sinne. „Wenn unsere jüdischen Mitbürger zu den Tausenden von Thalern beisteuern, aus denen die ReligionSlrhrer für die katholischen und protestantischen Schulen bezahlt werden, dann bitte ich Sie, dahin zu beschließen, daß diese Summe auch mit dazu verwandt werde, um für di« jüdischen Schüler einen Religionslehrer zu besolden." Sehnlich äußert sich Reichensperger, er will von der Principienfrage absrhen und nur die Rücksichten der Billigkeit, welch« hier so sehr für die Petitton sprechen, geltend machen. — Bei der Abstimniung wurde freilich der Antrag Duncker abgelehnt, da dessen Partei aber gegen die andern Anträge stimmte, so erhielt feit: einziger eine Majorität, und doch würde jeder dieser Anttäg« den Petenten etwas gewährt haben. Wie diese Consequenzmacherei besonders uns schadet, und wie oft wir Ursache Habei« zu sagen „schütze uns vor unser» Freunden", davon habe» wir hier, in Stettin, schon manche Beispiel« erlebt. Die Fortschrittspartei dominirt hier in den städtischen Collegien. So oft die Synagogengemeind« oder jüdische Anstalten und dergl. etwas von der Stadt erbitten, wird es mtt der Motivirung abgelehnt, daß die Commuil« für eonfesstonelle Zwecke kein« Beiträge oder Leistungen gewähren könne. Für christlichen Cuttus, christliche Znstttute rc. rc. wird aber jahraus jahrein Geld aus der städtischen Steuerkasse, zu der die Israeliten beitragen, verwendet, weil es nicht ander» angeht, weil die fraglichen Ausgabeposten nicht gestrichen werden können. Es liegt hier wohl keine böse Absicht vor, aber gegen uns läßt man das Prinzip gelten, während man keine Macht hat, es für unS gellend zu machen. Bei Manchen«, ist freilich der Anti - ConfessionaliSmus nur ein bequemes Pförtchen für seine Abneigung gegen Zudeu. Nerti», 26. März. (Orig.-Sorresp.). Zn. diesen Tage»

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