Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 14.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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H 14. -1872. S.Jahrya«g. Wochell-'Schrlft für die religiösen und soeialeiu r Rebafmajl Erscheint jeden Mittwoch. Preis vierteijLhrlich 20 Stlbergrojchen. SifMtoMfiHtr |K Mt Mfpaltlgc Petttzeile oder deren Raum 1'/, S«r. veranrwoetlichir RedatteuEi d Herautgetxr Rabbiner Dr. 31. trailj kl» in Stettin. Inhalt, kettende Vrtifris Wider den Strom. — Bl bürg. Lud Rheinhessen. Lu» Württemberg. Oesterreich: Nitolbburg. », Berlin. Polen. Roqasm. Probtau. Prag. Saaz. Pest. Pari». £m» New-Aort. — AentNetonr Steifcbricfe au» dem Orient. — ftv s>! tznttgernde» Vnfct. — ©rirffafttn »er sttrdactio«. — BtriiWui Interessen des Jndenthnvrs. Zu beziehen durch all» Buchhandlung« und Postan stallen. Inserate«»Anaah«s k de» Magdeburg, 3. M>ril 1872. Hof» Buchdruckerei von Earl Fries« in Magdeburg. <porrespondeuzeui Deutschland: Stettin. Berlin. Hamnkreich: Pari«. — VrrmiMtt und neueste Stachel ritten r London, llmala. Odessa. Jerusalem. Alerandria. vomda». da» «,id! — Vakanzen»List«. — Inserate. — Für die Wider den Ltrom.*) „lieber de» Fall deine« Feinde« freue kidi nicht. Und wenn er strauchelt, so judele nicht dein Herz." <€pi. «al. 54, 17) Die entschiedene Wendung, welche die innere Politik Preußens und des deutschen Reiches genommen har, zieht die Blicke aller denkenden Lritgenoffen in allen Theilen der grblldeten Welt auf sich. Sie vollzieht sich, oder kommt doch am entschiedensten und schärfsten zum Ausdruck, gerad.: auf dem Gebiete dei öffentlichen Leben-, welches nach deutscher Art Dem stampfe, den der Reichskanzler mit den Ultramontanrn und ihren Bundesgenossen und ihren Schleppttägern aufgenommen hat. folgen Alle mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, seinem Borgehen zollen Alle, mit Ausnahme der ebengenannten Parteien, lauten Beifall, Bismarck hat inner- und außerhalb Deusschlands, dies- und jenseits des Meeres, eine größere und, wie sehr Biele sagen werden, eine viel besser verdient:: Popularität gewonnen, als je zuvor durch die wunderbar glänzenden Erfolge seiner Politik, seiner stühnheit oder seine- Glücke-. Das Alles ist unfern Lesern insgesammt nicht neu, und wir haben umsoweniger vor, darüber im Allgemeinen zu reden, als die Angelegenheit nicht in den Bereich dieses Blatte» fällt, und man weder Mittheilungen über die Thatfachen noch Leitartikel über dieselben in der „Israel. Wochenschr." suchen wird. WaS ist denn vom jüdischen Gefichtspunkte über die obschwebenden Kragen, Vorgänge und stämpfr, über die neue Wendung dieser Dinge zu sagen? Anscheinend nur ganz Selbstverständliches. Es kann gewiß gar nicht fraglich sein, auf welcher Seite wir Israeliten mit unsren wärmsten Sympathien und Wünschen stehen müfien; es ist für uns augenfällig, daß der stampf, den die StaatSregierung ausgenommen hat, ein stampf des Lichte» und des Rechtes gegen deren Feint»», und daß er zugleich gegen die uralten, erbitterten Feinde der Juden und de» Iudenthum» gerichtet ist. Somit feiert unsre Sache gleich mit dem Beginne diese» stampfe» einen erhebenden Triumph und hat einen Bundesgenossen gewonnen, wie wir wohl nie einen mächtigern gehabt haben. Unsre- Erachtens ist diese •) Um unser Leser nicht durch Einerlei zu ermüden und um für andere Segen-ind« Raum zu «ewinnen, legen wir den Schluhrrttkel über di« „Wiener BorgLnge" »sch zurück. enossenjchaft um so schätzbarer, weil sie eine unillige, wenigstendurchaus nicht direct beabsichtigte ist. Idee ist mehr, weit mehr werth als ein Mann, als chen überhaupt; in der Welt der Wirklichkeiten aber und neu gegebenen Zeitpunkt verhält sich die Sache umgeda ist ein energischer Bertretrr und Bersechter bedeutender « bloße Idee, und es ist für den Erfolg ziemlich gleichwelche innern Beweggründe den Bersechter lei'en. So en di« west-europäische» Juden ihr« Befreiung au» __ ler«az und di« praktische Durchführung und Verbreitung dieser Ideen aber verdanken sie Napoleon, der, ebensowenig wie heul Bismarck, nach seiner ursprünglichen Anlage, nach seinem innern Selbst ein Verfechter und Verbreiter der Toleranz und Gleichberechtigung gewesen ist. ' E» sind also unser« Feinde, welch« Niederlagen erlitten haben, und die bisherigen Sieger sind, mag die» in ihrer Absicht liegen oder nicht, unsere Bundesgenossen. Aber nun erinnern wir an da» Motto dieses Artikel», ein Wort, dessen Wahrheit wir nicht zu erhärten brauchten, wenn es auch nicht in der Bibel stände. Wir hätten freilich einen Grund mehr, un» über daS Fallen oder Sinken unsrer Feinde zu freuen. Denn wir könnten unfern alten Hassern und unfern neuen Bundesgenossen zurufen: „Ihr habt c» um un» verdient!" Den Letzter» nämlich in dem Sinne, daß sie durch das Unrecht, welches sie an uns verübt, ihre sjeinde groß gezogen und gestärkt haben. Hättet ihr, könnten wtt sagen, in Preußen nicht durch spießbürgerliche Engbrrzigkeit vor 1840, dann in romantischer Verkehrtheit und raffinirter Gehässigkeit gegen Juden bis 1848 und dann wieder in reaktionärem Uebelwollen und Uebermuth, in falscher rückläufiger Polittk bis 1868 den ConfefsionaliSmus, die exclusive stirchlichkeit gemehrt und de» Juden Luft und Licht gewehrt, so würdet ihr jetzt nicht diese schweren stämpfr zu bestehen haben. Aber ftehlockm können, dürfen wir nicht. Zunächst hat der stampf erst die allerersten Stadien durchlaufen, die ersten Erfolge tragen nur einen sehr provssorffchen Charakter, das End« liegt noch fern und ist nicht abzusehen; nur sapguinffche Liberale werden den Ausgang als sicher betrachten und des I