Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 13.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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103 liger Borfall zu berichten, weil er ein schönes Zeugniß der Gemeindevertretung bildet. Die protestantische Geistlichkeit wollte i: der Sebalduskirche zu Ehren der im letzten Kriege Gefallenen eine Ehrengedenktafel «»bringen und beanspruchte dazu auS Gemeindemitteln einen «Geldbeitrag. Das Bevollmächtigten-Collegium beantragte aber, und der Magistrat trat dem Beschlüsse bei, den Beitrag unter der Bedingung rer Verzeichnung der Gefallenen aller Confessionen zu verwilligen und im Falle dies nicht beliebe, die Gedenktafel im Rathhaussaale beiverkstellige» zu lassen und alle Kostm dafür auf die Gemeindekasse zu übernehmen. Ob dies geschehen wird und wie, soll unser nächster Bericht besagen. Wir trauen unsrer protestantischen Geistlichkeit diese Toleranz kaum zu! Sie steht in diesem Stücke der katholischen wenig nach. Der sel. Professor vr. Herz in Erlangen wird einen würdigen Nachfolger haben. Für die neubegründete ordentliche Professur der Physiologie ist I. Rosenthal in Berlin, eine der bedeutendsten Eapacitäten auf diesem Gebiete, als Lehrer eben so hervorragend wie als Gelehrter und Forscher, berufe». Wie einst vr. Herz in Erlangen, konnte er bisher in Berlin nicht ordentlicher Professor werden. Bayern ist also jetzt weiter alS das intelligente Preußen! (Bekanntlich ist Preußen — mit Prof. Traube — alsbald nachgefolgt!) Wahrh. Oesterreich. Hemberg. Der hiesige Landesschulrath ernannte eine Jüdin zur Lehrerin an der hiesigen Mädchenschule des Andreasklosters. Darüber herrschte großer Jubel aller FortschrittSfreunde, welche diesen freisinnigen Akt nicht genug preisen konnten. Mit dem von unserem Bürgermeister, Vr. Dietl, unterfertigte» ErnennungSdecret in der Hand, begiebt sich nun die designirtc jüdische Lehrerin zum Direktor des obengenanc ten Institutes, dem geistlichen Herrn Chmielewski. Der Einpjang war, wie vorauszusehrn, eben nicht sehr freundlich. Anfangs wollte der Herr Direktor von einer deranigen Verfügung des Landeüschulrathes nichts wiße,,, späte» aber eines Bessern belehrt. erklärte er, dem Wunsche der L'ehraints-Candidatin deshalb-nicht »achkonimen zu können, weil schon alle Stellen besetzt seien. Kurz berichtet, nach längerem Parlamentiren muß die verblüffte Jüdin trotz des landesschulräthlichen DecrcteS dem geistlichen Hon possumus weichen. Wir stehen mithin vor einem Konflikte zwischen unserer obersten Schulbehörde und einem geistlichen Schuldirektor. Wer wohl siegen wird'/ Für unS waltet darüber kein Zweifel ob. Herr Ehmielewski gehört eben einem Stande an, von dem sich in Galizien Alles, ja selbst der Landesschulrath zu beugen gewohnt ist, und höchst wahrscheinlich wird auch der Widerstand des LandeSschulrathes nicht lange dauern. L. An« Aieder-Jlngarn, 29. Febr. (Orig.-Eorresp.) (Ein Vorschlag.) Uuter allen jüdischen Vereinen, die in unserer Zeit in Plan gefaßt oder InS Werk gesetzt worden sind, ist die „Alliance israälite universelle“ unstreitig die großartigste und von weittragendster Bedeutung. Sie ist das glänzendste Zeugniß der jüdischen Zusammhörigkeit und Solidarität, der eS in unsrer von Parteien so zerrissenen Zeit möglich ward, Reformer und Strenggläubige gleichmäßig als Mitglieder anzuerkennen. vom Cap der guten Hoffnung bis zu den Eisbergen Skandinaviens, vom äußersten Ost bis zum westlichsten Striche der Erde, überall hin ist ihr Ruf gedrungen und aus allen Erdtheilen haben sich um ihr Panier die Bekmner der Sinailehre geschaart. Za, selbst vorurtheilSlose Christen sind in den Reihen ihrer Mitglieder zu finden und so wirkt sie segensreich, großartig, einzig in ihrer Art. Und gleichwohl ist die Zahl ihrer Mitglieder, im Verhältnisse zur Gesammtzahl der Juden aller Länder keine befriedigende. Sie könnte mehr deS Großen und Segensreichen wirken, wenn sie über mehr Mittel verfügen würde, wenn ihre Mitgliederzahl ei.-.e doppelte, eine zehnfache wäre. Als ein wirksames Mittel zur Hebung der Zahl der Bereinsmitglieder erlauben wir unS FolgendS zu empfehlen: Die jüd. Gemeinden und die in ihrer Mitte bestehenden Vereine, als da sind Chewra-kadischa, Bikurcholim, Frauen- Vereine k. mögen sich als Mitglieder der Alliance aufnchmeu lassen und den Jahresbeitrag alS regelmäßige Ausgabe auf ihr Budget setzen. Den Gemeinden und Vereinen wäre eS ja ein leichte«, nach anderen Seiten den unbedeutenden Betrag zu ersparen und die Alliance würde nach Tausenden Mitglieder gewinnen. Mögen die Herren am grünen Tische diesen, unfern Vorschlag beherzigen und ihre Gemeinden und die in ihrer Mitte bestehenden Vereine je eher als Mitglieder in die Alliance isr. univ. aufnehmen lassen! Frankreich. Zkaris. Revue Isr. berichtigt unsre Angabe in Nr. 9 der Wochenschr. dahin, daß allerdings in Frankreich eine Israel. Abthcilung im Ministerium des Cultus bestehe. Die Abtheilung der nichtkatholischcn Culte, deren Direktor jetzt Guill. Guizot ist, hat eine Unterabtheilung für die israelitischen Angelegenheiten, deren Unter-Bureauvorsteher ein Herr Rozan ist. — Aber dieser ist kein Israelit, und darauf lag im Zusammenhänge unsrer Auslassung eben das Hauptgewicht. ES ist unnöthig, auf die Sache zurückzukommen. Sachliche Belehrung über Dinge, die man natürlich in Paris besser wissen muß, als wir, nehme» wir sehr gern entgegen. Gegenseitigkeit wäre erwünscht. — Die General-Versammlung der Alliance Isr. Univ. ist auf den 31. März angrsetzt. Man hofft, daß Cremieux bis dahin wieder hergestellt, werde theilnehinen können. Bei den Verhandlungen deS Prozesses über de» berüchtigten Janvier do la Motte präsidirte Julien Felix (Israelit) AppellationSgerichtSrath in Paris. — In Braune (Cöte-d’or) ist ein alter, gelähmter und erblindeter Zsraelite, welcher seit Jahren im dortigen jüdischen Hospital verpflegt worden. Als er im Sterben lag, wurde er getauft und sodann auf den katholischen Kirchhof begraben. Der Rabbiner zu Dijon, davon benachrichtigt, hat mit Erfolg gegen diesen schnöden Mißbrauch, an einem Bewußt- und Hilflosen verübt, protestirt, die Leiche ist auSgegraben und auf dem jüd. Friedhofe in Dijon beerdig» worden. (Rev. Isr.) Dasselbe Blatt berichtet, daß, an dem Rabbinerseminar zu Paris ein neuer Lehrgegenstand , die Beschneidung, eingeführt und ein Mohel - Chirurg als Professor dazu angestellt ist. Leider, wird hinzugeseht, zählt daS Seminar, in Folge der Annexion, nur noch etwa 10 Schüler mit 6—7 Pröfefforen. Lllwänirn. Aerkad, 13. Februar. (Orig -Corresp.).. .„Nicht blos die Lebenden wurden mißhandelt und niedergemetzrlt, sondern selbst gegen die Tobten wandte sich der rohe Fanatismus. Die Ruhestätten wurden aufgewühlt, die Denkmäler wurden ausgerissen und zertrümmert. *