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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 13. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 13.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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101 aufgestellten Ziele de» SemeindebundeS hegen wir die Hoffnung, daß in allen Gemeinden, in welchen ohne Unterschied der religiösen Parteirichtung ein pietätsvoller Sinn für gemeinsame jüdische Angelegenheiten herrscht, unsere Anregung Lnklang und da« Beispiel so vieler und so hochanschnlicher " Gemeinden allseitig« Nachfolge wecken werde. Leipzig und Dresden, den 12. März 1872. Der gtschäftSführende Ausschuß deS erste» deutsch-israelitischen GrmeindetageS Moritz Kohner, Vors. Adv. Emil Lehmann, Schriftf. (AuS der Beilage.) Die Zwecke de« Gemeindibundes, vorbehaltlich der Beschlüsse der constituirenden Versammlung sind: 1. Vertretung der Interessen des ZudenthiimS und der Judenheit bei den Negierungen und den Factorrn der Gesetzgebungen in den deutschen Ländern. 2. Gegenseitiger Austausch von Erfahrungen In der Verwaltung. 8. Organisation der Armenpflege mit Beseitigung der Wanderbettelei durch zweckmäßige Wohlthäiigkeit nach Außen. 4. Schaffung eines richtigen Systems der Penstonirung der Gemeindelieamten. 5. Förderung der Kiliane« inraelite universelle. Besondere Bemerkung. Eine statistische Zusammenstellung der seither in den deutschen Gemeinde» für die „Wandei bettelet" verausgabten Beiträge ivird ergeben, welche hohe Summe einer zweckmäßigere» Verwendung entgegen steht. Es wäre daher sehr «wünscht, wenn eine jede Gemeinde, die geehrten Vorsthnde und Ausschüsse der Fremden - Unterstützungskassen die Ziffer der jährlichen Ausgaben für die Wanderbettelei I. aus der Grmeinde-Kasse, 2. aus den freiwilligen Beiträgen und 3. möglichst aus den Gaben Einzelner (abgeschätzt) an den Vorsitzenden des Unterzeichneten Ausschusses mittheilen wollten. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Stettin, 19. März. Der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde hat eine Eingabe an den Reichskanzler, Fürst BiSmarck, gerichtet und ihn um seine Verwendung für die Juden in Rumänien bei der dortigen Regierung gebeten. Da von Schritten anderer, großer Gemeinden in dieser Richtung nicht« verlautete, so hat man geglaubt, selbst voranzugehen zu müssen. Ueber die Petition und ihren Erfolg, wenigstens darauf ergehenden Bescheid, hoffen wir berichten zu können. Der hiesige „Bruder-Verein" veranstaltet heure Abend ein Eoncert zum Besten der Juden in Persien. Aresta», 5. März. (Orig.-Eorresp.) Der lebhafte Aufschwung, den der Verkehr in Handel und Gewerbe nach Beendigung des Kriegs, wie überall so besonderin unserer Stadt genommen hat, äußert seine erfreulich« Rückwirkung auch auf dareligiöse Leben der Gemei id«. Es war in diesen Blättem vor kurzem die Synagogennot!) zur Sprache gebracht worden, welche hier an die hohen Festtagen herrscht. Der iHemeindrvorstand hat durch die reichlichen Hilfsmittel, welche ihm in Folge der Hebung de« kommerziellen Lebms zu Gebote stehen, unterstützt, einm wesentlichen Schritt zur Abhilfe gethan, indem er die bis jetzt von der Reformpartei benutzte (Storch-) Synagoge nebst einem großen Häusercomplex, innerhalb dessen die Synagoge sich befindet, für 140,i)00 Thlr. angekaust hat. Der Preis wird allgemein für außer ordentlich niedrig gehalten und Ref. erfuhr von Sachkennern, daß es dem Vorstand ein^Kletnigkeit wäre bei wetterm Verkaufe 40,000 Thlr. mehr zu erzielen. Natürlich liegt dies nicht in der Absicht der Behörden, aber man sieht daraus, daß eS doch nicht gleichgültig ist, wenn auch erfahrene Geschäftsleute an der Verwaltung parttcipiren. Nur sollte bei den Wahlen das kultuelle und religiöse Moment nicht ganz bei Seite geschoben werden. Di« Synagoge wird, wie mir hören, renovirt und erweitert werden; sodann wird man in derselben einen konservativen EultuS einrichten, der alle diejenigen, denen da- Schreien nicht für obligatorisch beim Gottesdienst gilt, zufriedensteUen wird. l)r. Zoöl soll, so sagt man, abwechselnd in beiden Tempel» predigen, und «S sind hierbei jedenfalls Vorfälle, wie sie'Ihr Blatt leider auS Berlin zu berichten hatte, nicht zu befürchten. Ein zweiter Prediger würde dann Herrn I)r. ZoSl zur Leite gegeben werde», doch ist hierüber noch nicht« Positives festgestellt. — Außerdem habe ich Ihnen die erfreuliche Thaisache zu melden, daß eine Sammlung für die Familie deS sei. Prof. Levy, welche im engsten Kreise unserer wohlhabenden Gemeindemitglieder stattgefunden hat, zu einem Resultat geführt hat, welches die Zukunft dieser Familie völlig sicher stellt. Die notabelsten Männer stellte» sich an die Spitze und bekundeten durch ihren lebhaften Eifer ihre Dankbarkeit ^ür die Dienst«, welche durch ein ganzes Menschenalter hindurch der Professor Levy der Gemeinde geleistet hat. Allgemein wird hierbei der Name des Herrn ZuliuS Schottländer rühmend hervorgehoben, der, obgleich er mit dem Verstorbenen in gar keiner persönlichen Beziehung gestanden hat, dennoch die Summe von 1000 Thaler gezeichnet hat. Dieser Herr zeigt sich außerordentlich splendid und rege betheiligt überall wo es mildthätig« Zwecke gilt. So lasen wir jüngst, als die Liste derer, welche zum jüdischen Krankenhaus in Warmbrunn beigesteuert haben, veröffentlicht wurde», daß Herr Schottländer für diesen Zweck gleichfalls 1000 Thlr. hergegeben hat. Die Sammlungen für dieses so nolhwendigeInstitut nehmen übrigens keinen schlechten Fortgang; es sind bis jetzt nahezu 13,000 Thlr. gezeichnet hauptsächlich auS Breslau und Berlin, und wir sehen bis jetzt in der Liste noch viele hiesige reiche Israeliten, „welche nicht da sindl" Neustem«, 10. Mär; 1872. (Orig.-Eorresp.). Einer der hervorragendsten deutschen Schriftsteller und Dichter feierte am 26. Februar er. seinen 60. Geburtstag. Der große KreiS seiner Verehrerr von Nah und Fern ließ es sich angelegen sein, durch die freudigsten Kundgebungen aller Art, seine Theilnahme an dem Festtage des nunmehr in daS Alter, aber noch mit voller jugendlicher Frische des Geistes und deS Körpers in dasselbe hineinschreitenden Ehrenmannes zu bezeugen. Die deutschen Tagesblätter verfehlten nicht, „dem Sohne der Grazien und Musen" ihre Huldtgnngen darzubringen. ES ist aber auch die Reihe an uns, dem Gefeierten, der zugleich unser Glaubensbruder ist und in die „Gallerie der ausgezeichneten Israeliten" gehört, unsere freudigen Gefühle zum Ausdruck zu bringen und Ihm dm tiefempfundenen Dank auszusprechen für da«, was er Segensreiche« in seinen Werken und seinem Wirken auch unserer Judenheit geleistet. Es gilt diedem noch mitten in der rüstigsten Production stehenden, eben so bedmterden wie allgemein berühmten Schriftsteller und Dichter Berth old Auerbach, der seinm Gesinnungen und Handlungen nach ein eben so treuer Jude wie ein edler freier Dmffcher sst. Auf dem jüdisch-rrligt-sm Bodm erwachsm und an den Brüstm jüdischer Wiffenschast gmährt, vertauschte er zwar später die letztere mit dem Studium der Clasfiker und der Philosophie und entfaltete sich zu einem, vom Schaffmsdrange erfüllten Geiste, der dazu berufm war, dm lieblichen Gartm dmffcher

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