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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 12. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 12.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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96 Vinn verlangt man wieder, daß die Juden „national" gesinnt sein sollen und klagt sie mangelnder Sympathien für die edlen Polen (desgl. Rumänen, Czechen x s. w.) an! NuKlausi. A. Aarscha«, 3. März. (Orig.-Eorresp.) In hiesiger Stadt giebt es zwar eine große Zahl von Synagogen, aber die jüdische Gemeinde als solche besitzt keine einzige. Würde nun auch für die gewaltige Zahl der hiesigen Israeliten die Einrichiung von Gemeindesynagogen, welche für alle Raum böten, schier unmöglich sein, so würde ebensowenig den verschiedenen Cultusbedürfnissen, welche hier zugleich einer gleichgroßen Verschiedenheit der Culturzustände entspricht, gleichmäßig genügt werden können. Man unterscheidet hier unter den Israeliten drei Hauptgruppe»: Chassidim, Misnagdim (d. h. Richtchassidim, eine eigentliche Bezeichnung giebt es für sie nicht) und Deutsche, d. h. diejenigen, welche sich „deutsch" kleiden und einen von den Auswüchsen polnischer Wildheit gereinigten Gottesdienst nebst Predigt in deutscher Sprache wünschen; polnisch zu predigen, ist freilich auf das strengste untersagt. Diese Fraktion ist ernstlich darauf aus, eine angemessene Synagoge zu erbauen un> steht einstweilen mit der Behörde wegen Erwerbung eines Bauplatzes in Unterhandlungen, welche dem Abschlüsse nah«! sind. Auch im günstigsten Kalle wird freilich kein Gebäude zu Stande kommen, welches mit den neuerdings in Deutschland errichteten Synagogen würde verglichen werden können, aber einem der schreiendsten Mißstände würde doch abgeholsen sein; der Einheimische oder Fremd«, welcher in einer 70—£0,000 Juden zählenden Stadt eine Synagoge besuchen will, würte doch ein Gebäude finden, welches diesen Slawen in einer so großen Stadt und Gemeind« anständigerwrise führen kann. Vermischte und neueste Nachrichten. N««the» H.-Sch., im Februar. Der Gerichtsassessor Herr Ltvi, bisher Hilfsrichter zu Schrimm, ist an das hiesige Kreisgericht zum Kreisrichter ernannt worden. Es ist dies der zwete israelische Richter in unserem Kreise. (I. Pr.) Atrutau» Zum 1. April cr. tritt der hiesige zweite jüdische Lehrer in den Ruhestand, nachdem er einige dreißig Jahre an der Schule gearbeitet hat. Seine Pension ist jährlich auf «0 Thlr. als V* seines bisherigen Gehaltes festgestellt worden. Darum ordnete die königl. Regierung die Vernehmung der Grmeillde an, ob dieselben nicht vielleicht in Erwägung der langjährigen Wirksamkeit des Lehrers einen Pensionszuschuß bewilligen wolle In dem zu diesem Zweck abgehalrenen Termine ist iudeß die Erklärung abgegeben worden, daß rin Zuschuß nicht gezahlt werden könne» weil die Gemeind« mit jedem Jahr mittelloser werde, indem die wohlhabenderen Mitglieder derselben nach anderen Orten verziehen. (N. d. Sch.-Ztg.) Ztie Jude» 1« ZSaudrßeL, von denen viele bisher freiwillig die Steuern der jüdischen Gemeinde daselbst entrichteten, erhielten jüngst vom dortigen Gemeindevorstand die Aufforderung, im Verhältniß ihres selbst zu bestimmenden Vermögens eine regelmäßige Steuer zu den Kosten der Gemeindeverwaltung zu entrichten. Trotzdem die Waudsbecker Juden vorbrachten, daß sie zum Hamburger Gemeindevrrband gehörten, beharrte der Gemrindevorsiand bei seinem Verlangen, worauf die Betheiligten sich an een Landrath zu Stormarn wandten. Dieser decretirte auf Grund des Holsteiner Spezial- Gesetzes vom 10. Mai 1863, daß die WandSbeckrr Juden nicht nur verpflichtet seien, zu den Kosten der Gemeindebedürfniffe mit beizuttagen, sondern auch jeder Einwohner Wandsbecks jüdischen Glaubens gehalten sei, der dortigen jüdischen Gemeinde beizutreten. Die durch die Entscheidung bettosfenen Juden wolle» sich nunmehr beschwerend an daS CultuSministerium wenden. (Ref.) Mir«. An zwei städtischen katholischen Schulen finV Juden als Lehrer angestellt, ein Lehrer an eine Knabenur>6 ein« Lehrerin an einer Mädchenschule. Der „BolkSfreund" klagt in seiner Weise darüber und will erfahren haben, daß: kirchlicherseits Protest eingelegt worden sei. Der Erfolg steht abzuwarten. jtfottal (Böhmen), 10. März. (Orig.-Eorresp.). vr. G. Perlitz aus Prag, ist hier einstimmig zum Rabbiner erwählt worden. Derselbe ist ein Zögling des Seminars zu Breslau. ssroppa«. Hier hat der Gemeinderath trotz heftiger Opposition einen Israeliten zum Lehrer an der Volksschule ernannt. Mreß5»rg, 3. März. Zn Folge der bereits erwähnten Proteste gegen die Rabbinerwahl und die Amtsführung des Vorstandes hat sich eine etwa IM Mitglieder zählende Separatgemeinde gebildet. Starte. Der (katholische) Univers widmet den Vorgänger in Wien einen Artikel und freut sich, daß jetzt auch in der Iudenheit ein Schisma zum Ausbruch gekommen sei, welches sich wahrscheinlich überall verbreiten werde. Ihm dient das natürlich als Trost, bei den gegenwärtigen Wirren in der kotholischen Kirche. (Rev. Zsr.) cftttbow. Sir Moses Montefiore hatte zum Behusc seiner Reise nach Persien bei dem Ministerium des Augwärtigen um Empfehlungen nachgesucht. Das Amt hat ihn jedoch s» eindringliche Vorstellungen über die Beschwerden und Gefahren einer Reise in jene Länder, zumal für einen Greis von fast 88 Jahren, zugehen lasten, daß er seinen Plan aufgegeben hat. (Jrw. Ehr.) (Ein amerikanisches Blatt hatte von vornherein die Hoffnung ausgesprochen, daß der Board die Reise unter keinen Umständen zugeben werde; Sir MoseS habe für seine Glaubensgenossen genug gethan, es sei ein Frevel, sein Leben noch weiter in ihrem Dienste direct zu gefährden.) Mnnin-sa»»« Rev. Emanuel hat am 10. d. MtS. gegen die Bildung der projektirten ^uti-6onr«r»ioui«t-8ooietze gepredigt. Er nahm Ies. 66, 22 —23 zum Text und zeigte, daß di« Missionsgesellschaften Israel keine Gefahr bringen könnten; ein Verein, wie der beabsichtigte, könne unsrer Sache nur schaden, leg« den gegnerischen Bestrebungen eine Bedeutung bei, die sie jetzt am wenigsten besäßen und stelle unsre Gemeinden in ein schiefe- Licht. (Das.) Hitrnktnr hat nach neuester Zählung 1533 Israeliten und ungefähr ebensoviel Protestanten. (Iew. Zsr.) Metlo»r»e. Kürzlich ist hier ein Verein von Jünglingen zusammengetteten um etwa 2 Stunden wöchentlich über jüdische Literatur Vorttäge zu hören, letztere sollen zunächst von Mitgliedern selbst gehalten und religiöse Themata dabei besprochen werden. Gründer des Vereinist ein junger Manu aus Ealvarie (Rußland). (Hamagid.) Kiid«»erita. Die wenigen Israeliten, welche in Buenos-Ayros leben, haben sich jüngst zu einer Gemeinde am-- stituirt und den Minhag derdeutsch-polnischenZuden angenommen.

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