Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 12.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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SS Anterrichtsanstalt ringrräumt erhalten, für welches Lokal ich | bisher der Magistratskasse einen jährliche» Miethzin» von SO Thlr. zahlte, die Hälfte der Miethe, dt« ich bis verflossenen Michaeli» anderweitig für rin Schullokal gezahlt hatte. Zu Ostern sollte ich diese Klassenzimmer räumen, weil die städttsche Schulverwaltung dies zu anderweitigen Schulzwecken zu verwenden von Näthen hat. Diesem zufolg« machte ich eine Vorstellung beim Magistrate, mir rin besetztes Klassenzimmer einzuräumen, zumal mein Unterricht ja immer nach den iffentltchen Schulstunden ertheilt wird, ich wäre sehr gern erbötig, den bisher gezahlten Miethszin«, oder «inen von der Schuikommtssion festzusrtzenden Mehrbetrag zu zahlen', da ich ja dann'der Last der Anschaffung von Brennmaterialien, Licht und Bedienung enthoben wäre. Hierauf erhielt ich am 8. I». den Bescheid, daß ich von Ostern ab «in Klassenzimmer in demselben Schulgebäude durch den Vorsitzenden des Schul» Euratortums der evang. Schulen, Herrn Rector vr. Bach, angewiesen erhallen werde und dürfte ich diese» Unterrichtslokal zum Ertheilen von hebr. Unterricht unentgeltlich benutzen. t Nur daß ich, im Falle ich Gasflammen im Winter benutzen sollte, für je eine Flamme per Stunde 6 Pf. der städttschen Gasanstall zu zahlen hätte. vr. P. Neustadt. Ktsemutz. Ueber die Wahl des neuen Landrabbiners wird der Magdeb. Ztg. von hier wie folgt geschrieben: Bor Lahr und Tag erhielten di« jüdischen Gemeinden des Landes di« Aufforderung, da» ihnen zustehend« Präsentationsrecht geltend zu machen. Die Einigung der sich mehr oder weniger schroff gegenüber stehenden Richtungen wollte nicht gelingen, die Wahl zog sich hinaus, wurde auch vorgenommen und wieder zurückgezogen, so daß das Präsmtattonsrecht der Gemeinden wiederholt verscherzt war und da» der Regierung zustehend« Eruennungsrecht schon längst hätte geübt werden können. Dieselbe aber verzichtete nicht darauf, möglichst eine freie Vereinigung und Uebereinstimmung der jüdischen Gemeinden zu erzielen; ei wurde ihnen das Präsentationsrecht wiederholt zurück gegeben, und stehe, die Humanllät hat einen schönen Sieg errungen! Bor einigen Tagen versammelten sich die Wähler unter der Leitung der Aufsichtsbehörde über da» israelittsch« Gemeindewesen noch einmal und kamen dabei zu einem einstimmigen Resultate. Die Wahl fiel auf den Seminardirector vr. Kroner in Münster, der von einigen Autoritäten empfohlen war. (K. erhielt sein« Ausbildung am Breslauer Seminar.) Wenn, wie nicht zu bezweifeln, derselbe den weiteren gesetzlichen Anforderungen entspricht, wird seine B«> stättgung sicher erfolgen. Die Regierung hat dabet die groß,! Genugthuung, durch Hochhaltung der Freihell der Gemeinden und gurch eine ihrerseits bewahrte humane Resen« die Versöhnung der widerstreitenden Elemente herbeigeführt zu haben. E. Au» Württemtzerg. Ende Februar. (Orig.-Corep.) Eine social« Umwälzung in unferm jüdischen Gemeindeleber: vollzieht sich, die unserem intensiven religiösm Lcken nicht zum Heile gereicht. Die Cultur der Israeliten, sowett man darunter wissenschaftlich« Bildung, Hebung der Industrie, de» Börsen- Handel», Börsenspiels, Börsen- und anderen Schwindels versteht,, wird gewinnen; aber die Innerlichkeit des religiösen Gemüthsleben» „geht durch die Latten." Unsere Landgemeinden Hörern auf zu existiren; die jüdische Einwohnerschaft ist in ein«' Völkerwanderung vom Lande in di« Städte begriffen. Stuttgart, vor drei Jahrzehnten, von Höchstens IM Israeliten bewohnt, zähll jetzt nahezu 2000. Hellbraun und Ulm au» deren Bereich die Juden im Mittelalter mit Feuer und Schwert verjagt oder verttlgt wnrden, erbauen Prachtsynagogen, deren Kuppeln hoch über die Giebel und Zinnen der Städte ragen und dennoch ist darüber vom jüdischen Standpunkt kein Jubelpsalm zu singen und eher ein Klagelied anzuftimmen. Unsere Landgemeinden veröden, ihre Synagogen stehen leer, die Schu» len lösen sich auf. Mehere Zsraelittsch« Volksschulen sind eingegangen, btnn wo nicht 60 Familien einen Schulcomplex bilden, ist die polllische Gesammtgemeinde ntch tverpflihtet, die Dchulkosten zu tragen. In den Sttdteu, wo ans Kosten de« städtischen Aerars israelttische Volksschulen auf verlangen gegründet werden müßten, wollen es die israelttischen Bürger nicht, ihr« Kinder sollen sich in den christlichen Anstalten mit der städttschen Jugend amalgamiren. Der Eulminattonipunkt der städttschen Gemeinschaft gipfelt in einem Prachtsynagogenbau. Ein Umstand ist es, der die Existenz der jüdische» Landgemeinden ganz zu oerntchten droht. Bi» jetzt hatten die Uebergestedelten in Städten die sogenannten Domtctlanten die Hälfte ihrer Vermögenssteuer an ihre ftüheren Heimath gemeinden zu bezahlen; dagegen remonstriren die Städtebewohner und die israelttische Obrrkirchenbehörde hat ein Uebergangsftadium von 10 Jahren beim Kultministertum beantragt. Nun haben aber die Städte eine Deputatton an den Herrn Cultusminister entsendet und beantragen, daß die Domleilanten ihre ganze Steuer an ihrem Wohnorte entrichten. Dadurch würden die Landgemeinden finanziele rutnirt. Gerade die Weggezogenen, reicheren Israeliten haben in den Landgemeinden die ' LuxuSbautcn der Synagogen rc. veranlaßt, wodurch die Gemeinden in Schulden geriethen und nun überläßt men sie ihrem Schicksal. E» gibt ein Auffehen bet den Landgemeinden und sie mögen sich vorsehen und nicht müßig sein. Oesterreich. «te»terg. Bet Gelegenheit der Debatten über die polnische Resolutton im RnchsrathSausschuffe legte Kuranda ein warmes und scharfes Wort für die galizischen Juden und gegen die vergewalttgungen ein, welche die fanattsch engherzigen Nationalpolen gegen die jüdische Bevölkerung üben. „Au» den Kreisen der jüdischen Bevölkerung, sagte er, die ein Zehntheil der Gesammtbevölkerung de» Lande» bildet, ertönen Schmerzensruf« über die Bedrückung, vergewalttgung und Härte, mit welcher die eigentlichen Polen die Concessionen und die Autonomie-Erweiterung, welche die Decemberfaffung dem Langebracht hat, auSüben.—" „Die Nachrichten, welche die Zeitungen unwiderleglich au» Galizien bringen, schildern die dorttgen Zustände derart, daß die einfachsten Gesetze der Humanität verletzt erscheinen, daß kranke Frauen an den Stufen de» Hospital« liegen bleiben u. s. w." — E» ist, wie wir erst im vorigen Blatte gesagt haben, bei allen diesen „edlen" Nationen daffelbe Spiel: für sich fordern sie jegliches Recht, klagen beständig über Unterdrückung und Rechtsentziehung und apelliren an da» Mitgefühl Europa'». Gegen die Minoritäten unter ihnen aber kehren sie die Rohheit der Barbaren herau», und dann beklagen sie sich wiederum über verläum'oung einer feindseligen Presse. Treffend sagte hierüber die „Wahrheit": „Freilich wenn die Herrm polnischen Abgeordneten daheim nur etwas ungehinderter wirthschaften und die vermaledeiten Schreibschwabrn wegbekommen könnten, wie sollten da die vielen Krawalle verschwiegen, die alten Gettho'» und noch neue dazu eingerichtet, wie viele Iudmküpfe je gegen Erlag von Einem Pfund Pfeffer eingeschlagm werdenl" — Unv