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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 11. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 11.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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88 deswegen mit schlecht verhüllter »bficht die „Entschiedenheit" der Orthodoxen, die ebenfalls diesen Standpunkt perhorxe-cire. Zm Grunde findet die eine dieser Anfichten ihr Correctiv an der andern, da eS doch nicht anzunehmm ist, daß ,Lsr." und „Ztg. d. Zud." auch jin der Absicht übereinstimmen. Aber ich geh« auf die Sache selber eia. Nun kann doch wirklich Niemand behaupten, daß in einer Synagoge, in welcher vom Cantor "TH roS und Stellen wie *p*?On 'HO. lJTTöto und hundert andere mehr vorgetragrn werden, mit den in Frage kommenden Prinzipien tabula rasa gemacht worden ist, wie der Eorrespondent der „Zig. d. Zdth." sich ausdrückt. Ebensowenig erscheint das Leisebeten von Wichtigkeit. Dieses würde mit Recht eine Streich mg genannt werden können, wenn man für die betreffenden Stellerleise beim würde. Das geschieht aber nichl, man betet auch CTIO u. s. w. am Wochentage j:in nnx u. s. w. leise, die doch gewiß Zeder gern laut gebetet sehen möchte. Hierzu kommt, daß unser Siddur der alte ist und daß der Kantor keinen andern vor sich hat, ebensowenig wie sonst Jemand, daß also stillschweigend eben nur daS jetzt leise gesagt wird, was im Siddur steht. Störend bei der ganzen Sache ist nur der vor zwei Zähren gefaßte Beschluß. Aber abgesehen davon, daß wohl kein echter Reformer denselben in der jetzigen Einrichtung durchgeführt betrachtetwird, ist der Borstand in seiner Bekanntmachung gar nicht mehr darauf zurückgekommm und hat bekanntlich sogar das Wort „Reformen" vermieden und „Modifikationen im Bortraqe des Cantors" an dessen Stelle gesetzt. Was wird aber der „Zsr." sagm, wenn wir ihm erklären, daß dir orthodoxe Partei kein Wort von Lostrennung fallen gelassen hätte, wenn der Borstand von den Bestimmungen seines als orthodox anerkanntm Rabbiners nicht abgegangen wäre, d. h. aber, da derselbe den SabbathgotteSdienst in der Kürzung concedirt hatte, wenn nur der WochmgotteSdimst erhalten worden wäre! Aber selbst mit dieser Einbuße scheint mir, das Möglichste erreicht zu sein. Hier ist Niemand im Zweifel darüber, daß der Borstand sich einfach verrannt hat, und der „Zsr." sollte, wenn es ihm wirklich mit dem Zudenthum ernst Ist, sich gratuliren, wenn es Herrn vr. G. gelingt, die Reform bri der jetzigen Einrichtung festzuhalten. Denn darüber kann wohl selbst dem „Zsr." kein Zweifel brikommen, daß die Orthodoxie, wie sie sich, losgelrennt, hier entfalten wird, selbst die seivige weit hinter sich läßt und daß andererseits eine solche, von den Cchomre hadath beeinflußte Entfaltung den bei Weitem größten Theil der Gemeinde einer völligen Reform in die Arme treiben wird. Daß dies die letzten Absichten derjenigen sind, welche, wie es in der „Ztg. d. Zdth." geschieht, der Orthodoxie jetzt Beifall spenden, darüber ist hier Niemand im Unklaren und vielleicht achtet auch der „Zsr." auf diesen Wink eines Unparteiischen, der weder ein BreSlauer, noch rin Ungar, sondern ein echter Wiener ist und bessere Tage alS die jetzigen gesehen hat und wieder herbeiwünscht. Vermischte und neueste Nachrichten. . Zirantgurt «. M. Unter dm durch den Häusereinsturz in der Zudmgasse am Morgm des 1. März todt Gefundmm befindet sich ein Zsrarlit (Carl Rosmthal), unter dm Verwundeten eine Zsraelitin, die Mutter des Genannten. Kannoner. Herr EoSwann Berend hat dem Beth. ha» widrajch, drssm Bibliothek sehr unzureichend gewordm ist, ZOOTHlr.zur Anschaffung nothwmdiger Werke geschenkt. (Z.Pr.) Z>Kßtßa«se« (Elsaß). Der Redact. des „Journal d* Altkirch“, Böhrer, ist wegen Ehrmkränkung des dortigm Rabbiners durch da» hiesige Zuchtpolizeigesetz zu achttägiger Gefängnißstrafe verurtheilt worden. (lln. Zsr.) Mit«. (Israelitische Kinderbewahr-Anstalt). Die israelitische Kinderbewahr- Anstalt feierte, wie alljährlich am 8. vor. Mts. ihr Gründungs- und das Geburtsfest ihrer hohen Beschützerin, der Kaiserin Carolina August«, durch eine kleine Prüfung, Ausstellung von Kinderanzügm und Spielzeug. Selbst prinzipielle Gegner aller Schauprüfungen, zumal bei kleinen Kindern, konnten gegen die von Herm Dirrcwr Fischer vorgenommmm Sprechübungen nicht» einwenden, indem der Stuss für dieselbm dem Anschauungskreise der Kinder entnommen war. Nicht geringe» Verdienst um di« Hebung unddas Gedeihen des Znstitutes erwirbt sich der Vorstand desselben, bestehend aus den Frauen: Baronin Sophie Todesco, Henriette v. Wertheimer, Emilie v. Schnapper, Louise Beyfus, Rosa Schiff, Sarah Stern, Ottilie Bondy und dem Herrn Zo>eph Ritter v. Wertheimer. (N. fr. Pr.) — (Kinigswarter-Stiftung). Herr Moriz Freiherr von Krnigswartcr hat zur ehrenden Erinnerung an seinen verstorbenen Vater fünfzigtausend Gulden zur Errichtung einer Stlstusig gewidmet, au» deren Erträgnissen zunächst unversorgte Witwen und Waisen von Bedimsteten und ment, ausj derlei durch Siechthum erwerbsunfähige Bedienstete selbst mit UnterstützungSbeiträgen betheilt werden sollm. (Das.) Sfcri*. Die Zeitungen machen unter drnjenigm, welche Beiträge zur Befreiung des Landes zeichnm, viele Israeliten namhaft. Dies ist selbstverständlich. Einen hervorragenden Platz nimmt jedoch H. BischoffSheim ein, welcher auf jede 100 Millionen wirklich eingehenden Gelder 10,000 frS. zu zahlen anbietet, also bei 3 Milliarden, um welche Summe es bekanntlich gilt, 300,000 frcs. (Rev. Zsr.) (Es darf nicht vergessen werde», daß es Cremieux war, der die Nationalsubscriptton gleich im März oder April v. Z. angeregt und mit 100,000 frcS. eröffnet hat. Red) 3tott. Die Rabbinereommisston erläßt einen Aufruf „an die Brüder in Ztalirn" zu Gunsten des Talmud-Tora-Znstitrls in Rom, der zahlreichsten Gemeinde des KönigSreich» und der ältesten des Occidents. (Corr. Zsr.) Ancona. Bei einem Maskenaufzuge ist die jüd. Religion durch eine carrikirte Darstellung deS Jom Kippur öffentlich verhöhnt wordm. (Das.) Htzefsn. Die sechs Rädelsführer der Ostern ausgeführten Zutenhetz« sind von den Geschworenen frei gesprochen wordm. (Die Excedenten sind, wie wir vor etwa 5 Monaten berichtet haben, in großer Zahl gerichtlich verurtheilt und bestraft worben. Die Rädelsführer werden von Geschworenm absolv-rt. Nicht übel!) Jsntnrest, 29. Februar. Zn der Abgeordnetenkammer intn-pellirte vorgestern . Herr Bolliak, der Red. der judmfeindlichen „Trompetta", den Zusttzminister über „die Maßregel, welche von Seiten der Zustiz bezüglich des Zuden getroffen worden, der in Zsmail die „„Rumänische Religion"" entheiligt habe,!n Folge dessm alle Distrikte in Bessarabien in einen Zustand äußerster Erregung versetzt worden sind." Diese nach Form und Inhalt charakteristische Znterpellatton beantwortete der Minister dahin, daß die Zustiz in voller Thättgkeit sei; der Angeklagte Zude (?) sei verhaftet, und um die Untersuchung verläßlicher zu machen, habe er auch einen Staatsanwalt und einer- Gmeral-StaatSanwalt dahin abgefmdet, um dieselbe zu überwachen und ausführlich zu berichten. Der Rabbiner (A. Brande») und noch einige Israeliten (darunter der Borst. D. Goldschläger) sind bereit» von der UntersuchungScommission frei gesprochen worden, und hat dieser Umstand eine solch« Aufregung hervorgebracht, daß viel« Bewohner Zsmail» eine Adresse zur Unterschrift habm circulirm lassm, welche an die Kammer abgefmdet wordm ist. Die Adresse — von meist Russisch und Griechisch klingmden Namen unterzeichnet — fordert 1) die Erlassung eines Strafgesetze» gegm dm Frmel und 2) die Berjagung der Zudm aus der Stadt. Der alte Redactmr der „Trompetta", ein in den Aufhetzungm gegm Zuden ergrauter Sünder, onpstehlt diese Petition nach feiner Weis:. _

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