Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-5935003-5935585--1117-5370752- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
87 Israelitisch« Jünglinge, welche sich einem wissenschaftlich«, künst- | lerischm, höheren - technischen oder landwirthschaftlichm Beins widmen. Der Reinertrag wird jährlich an einen, höchstens zroei Bewerber verliehen. Bewerber der ersten Kategorie halben den Vorzug vor Bewerbern der 2. Kategorie. Beiderlei S)ewerber können nur berücksichtigt werden, wmn dieselben eine Hochschule, eine Kunstakademie oder eine höhere landwirthschaftliche oder polytechnische Lehranstalt besuchen und das 18. Lebensjahr zurückgelegt haben. Bewerber, welche von Herrn Abraham Arnold in gerader Linie abstammen, gehen vor, auch wenn dieselben nicht Angehörige d«S württembergifchen Staates sind. Im Uebrigen ist die Stiftung auf Württemberg beschränft. Behufs der erstmals auf den 16. April d. I., als den TodeStag des Max Arnold stattfindenden Vergabung «erlxn nun befähigte Bewerber aufgefordert, ihre Eingaben an die K. israelitische Oberkirchenbehörde dahier zu richten. Eingaben, welche erst nach dem 1b. März — dem Todestag deS Abraham Arnold — einlaufen, werden nach tem Willen der Etifterin nicht berücksichtigt." Die beiden Verstorbenen, zu deren ehrenden Andenken diese Stiftungen gemacht worden, Vater und Sohn, sind vor kaum einem Jahre, am 1ü. März der Vater und am 16. April 1871 der einzige Sohn, in das bessere JmseitS hinübergegangen. Die beiden Grabreden gehaltm vom Kirchenrath vr. v. Maier sind im Drucke erschienen. Der Vater Abraham Arnold brachte sein Leben nur auf 63 Jahr«. Geboren in Hebenhausen, begründete er dort mit seinem Schwager die geschätzte Firma Arnold und Gutmann, die nach Stuttgart, der Metropole Schwabens, überstedelte und dort zu den ersten Handelshäusern der Residenz zählt. Die Einfachheit und Biederkeit d«S MannrS erwarb ihm die Liebe und Achtung aller seiner Mitbürger ohne Unterschied deS Glaubens und Standes. Rasch raffte ihn der Tod im schönen Mannesaltei hinweg. Der Trost der Mutter und Schwestern war der spätgeborne Sohn Max Arnold, geboren den 22. September 1853. Er durchlief daS Gymnasium in Stuttgart und erhielt in allen Klassen die ersten Preise. Seiner Neigung nach wollte er sich den Studien widmen, das väterliche Geschäft aber rief ihn zur Handelswissenschast, und deshalb trat er in das Polytechnikum über, wo er auch unter den Ersten seiner Studiengenossen durch Talente und Fleiß rühmliche Auszeichnungen davon trug. Nach dem Austritt auS dem Polytechnikum trat er inS praktische Geschäftsleben über und bewährte sich auch hier in der merkantilen Thättgkeit. Bon tiefer Gemächlichkeit belebte den begabten Jüngling ein glühender religiöser Sinn der mit der Schärfe seines kühnen Geistes nach Wahrheit und UeberzeugungStreue rang und als ein Muster religiösen SinneS und Denkens leuchtete er seinen Altersgenossen vor. Er folgte seinem Vater mit Abfluß der 30 Trauertage inS Grab nach. Die überlebend« Gattin und Mutter hat im Sinne der Hingeschiedenen diese Sttftung ihrem ehrenden Andenken gerreiht. Möge chr Andenken zum Segen gereichen I (Möchte doch von solch« Sttftung« Lebender, zum Andenken edler Verstorbmer, öfter zu bericht« sein! Sie waren vormals so häufig! „Zum Gedächtniß, zum Hell der Seele eine» Abgeschieden«" — mußte mll der GemüthSinnigkeit des Glaub«S auch das Streb« schwinden und der Seg«, den e» verbreit«, versieg«? Bleibt e» d«n nicht ewig wahr, daß Gedächtniß'und Heil der Seele so gefördert wird? Ehre der «dl« Sttfterinl Red.) Oesterreich. Me», den 26. Februar. (Orig-Eorresp). Verschiedene Blätter bemüh« sich umsonst, die Darstellung von den Vorgängen in der hiesig« Gemeinde, die Ihr Blatt gebracht hat, in Zweifel zu zieh« und zu krittstr«. Ihr heutiger Berichterstatter ist in der Lag«, jedes Wort au» dieser Darstellung zu bestätigen. Es ist allerdings begreiflich, daß gar Manchem die Entwickelung der Dinge nicht nach Geschmack ausgefallen und daß man dieselbe lieber in eine schärfe« Spitze hätte auSlaufm fehm. D«n in der That haben Sie ganz recht, wmn Sie die hiesige Anordnung als eine bloße Modifikatton des Vortrages ansehen; gestrichen ist nicht» und ein Prinzip ist nirgends aufgehoben, wa» wir unse«rseit» dem Vorstände gewiß nur zum Guten anrechnen. Allein wie Biele wünschen ganz selbstlos und in reiner Hingebung an die Dache, den Frieden? Wir wollen auf die Beweggründe, von welcher sich so Mancher in solch« Zeiten leitm läßt, ohne besondere Nöthigung nicht näher eingehen, da Ihr Blatt Persönlichkeit« zu vermeiden pflegt, aber die Wahrhaftigkeit sollte sich doch Jeder Berichterstatter zur Pflicht machen. Da ist eS nun betrübend zu sehen, wie die Dinge auf den Kopf gestellt werden. ES werden Vorstandsmitglieder als Urheber der sogenannten Reformen bezeichnet, die ihrerseits da» Meiste für einen friedlichen Ausgleich gethan haben, oder eS werden sonst Persönlichkeiten als Motoren hingestellt, die wirklich niemals von ernstlichem Einfluß auf die Gemeindeangelegenheiten gewesen sind. Die» kann der jüdischen Journalistik im Allgemeinen wahrlich nicht zum Bortheil gereichen. Inzwischen scheint da» Bedürfniß nach Ruhe für jetzt sich aller Kreise bemächtigt zuhaben und sie wird auch wohl ohne absichtliche Schürung nicht mehr gestört werden. — r — Mir», 10. März. (Orig -Eorresp.). Gestatten Sie einem Unparteiischen da» Wort zu einer Berichtigung. In der jüngsten Nummer Ihrer Zeitung machen Sie Herrn Spitzer den Borwurf, daß er in seiner Rede geflucht habe. Die» ist unrichtig,*) wie ich, der ich die Rede mit angehört habe, bezeug« kann. Ich will dieselbe keineswegs «Schutz nehmen, aber Herr S. hat nicht geflucht, sondem nur die Stelle V. B. M. 29, 19, in welcher allerdings von einem Fluche die Rede ist, vorgelesen. Ich sehe indeß von Persönlichkeiten, die hier mehr als billig in Frage kommen, ab und komme auf die Auffassung zu sprechen, welche die hiesigen Zustände in dm Journalen finden. Da ist e» nun interessant zu sehen, wie zwei ganz heterogene Zeitungen der „Jsr." und die „Ztg. d. Jdth." in dieser Sache übereinstimmen. Ersten nennt eS echt „breslauisch" daß man darauf eingegangen sei, den letzten Theil der Schmone-Esre leise zu beten und rith daher den Orthodonn, selbst dann auf der Trmnung zu beharren, wenn der Vorstand den »tatus guo wieder einführm sollte. DerCorrespondent der „Ztg. d. Jdth." bespricht einen maßvoll gehaltenen Arttkel der „N. fr. Pr.", in welchem der Gedanke auSgeführt war, daß der Vorstand keinen religiösen Standpunkt präjudicirt habe. Diese Ansicht kann der Correspondent nicht theilen, da da» Leisebeten einer Streichung gleichkomme, und er lobt *) wir haben buchstäblich nach einem Sorrespondenzbericht au» Wien im „Israelit" Skr. 7 Beilage citin. So hätte denn dieser Berichterstatter gelogen und den Rad. Spitzer oerläumdet. Und der Sied, de« „Jsr." druckt «» ab, ohne Anstand, ohne Bemerkung, ohne Fragezeichen. S» zeigt sich wieder, m» wir schon öfter angemerft haben, dah »on diesen Leuten immer einer den andern überschreit. Hat der »ine einen ver», der einen «aulsprich», verlesen, so »erwandeU die» der Zweit« in eine spezielle »chung, und der dritte rust Braool und setzt noch «in paar Flüche »der Kategorien »on zu verfluchenden hinzu. (Red.)