Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 11.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Wittwenuub Waisen-FondS, und den jüd. HülfSbedürfttgen, auch die städtische Armenkaffe damit bedacht. Im hiesigen „naturwissenschaftlichen Verein" wurde am 5. d. Mts. ein Bortrag über den „Darwinismus" vor zahlreicher Zuhörerschaft gehalten. Ich würde Ihnen hierüber für die „Wochenschrift" gar nicht berichten, wenn der Vortragende nicht ein Israelit, vr. Sach« aus Halb«rL-Ä, gewesen wäre, der hier und in der Umgegend als besonderer Kenner und Verehrer der Darwin-Theorie gilt. Der Bortrag war von eine.» gewählten Publikum überaus zahlreich besucht und fand großen Beifall, obwohl er eigentlich nichts Neuebot. Ewaren die bekannten Schlagwörter vom „Kampf um'S Dasein," von der „Entstehung der Arten", der nach Milliarden von Jahren zählenden langsamen Fortentwicklung, von Zelle und Protoplasma, und endlich auch der Abstammung deS Menschen vom Affen. Der Mensch brauche sich nicht der gemeinsamen Abstamv.ung mit dem Affen zu schämen re. Daß auch die „Bibel in ihrer Naivität" herhalten mußte, ist selbstverständlich. Recht bedauerlich war eS für Ihren Berichterstatter, einen so begabten „jüdischen Kopf" als Apostel deS krassesten Darwinismus erklären zu hören, daß „selbst die geistigen und sittlichen Anlagen im Menschen sich nicht qualitattv, sondern nur quantttattv von denen der Thiere unterscheiden", oder „eS wäre Blasphemie zu glauben, daß Gott diese verschiedenen Arten ckosov doa ceur geschaffen habe." Doch laffen wir Jenen ihre „Affenebenbildlichkeit", und kämpfen wir rüstig für di« „Gottebenbildlichkeit" deS Menschen und die heiligsten Güter der Menschheit — Religion und Sittlichkeit!*) — Auch in einer der hiesigen Unterrichtsanstalten hat üch ein ähnlicher Ausbruch judenhässiger Gesinnung bei einem Lehrer wir der auS „Neustettin" jüngst (in Nr. 8) gemeldete Fall gezeigt, nur mit dem Unrerschiede, daß er nicht in einer Volksschule sondern in einem kinigl. Gymnasium, nicht Seiten» einegewöhnlichen Schulmeister-, sondern eine- Professors, nicht vor Elementarschulkindern, sondern vor Sekundanern stattfand. Der Fall war folgender. Während einer griechischen Unterrichtsstunde hatte rin jüd. Sekundaner eine Arbeit für die nächste Stunde vor. Als dies vom Prof. Sch. bemerkt wurde, stellte er denselben hierüber mit folgenden Worten zu Rede. „Sie, Jude, wisien Sie nicht, daß Sie hier nur geduldet sind? Was wollen Sie hier? u. s. w. Der Fall wurde dem Direktor zur Anzeige gebracht, der allerdings nichts weiter thun konnte, als dem Professor diese Art, Unarten zu rügen, zu verweisen. Das Verlangen, der Herr Professor solle in der Sekunda gelegentlich diese gehässigen Aeußerungen wiederrufen, lehnte derselbe jedoch aus — pädagogischen Gründen ab. Aber war denn das Benehmen des Professorpädagogisch? Oder ist nur daS Zurücknehmen solcher schmachvollen Beleidigungen unpidagogisch? K««t«rg, 5. März. (Orig. - Corrrlp.). In Nr. S Ihregeschätzten Blattes beschäftigen Sie sich mit dem hies. Vereine Mischeneth Sekenim (zur Unterstützung armer Greise) um zu rügen, daß dieser Verein Capitalien sammle, statt zu unterstützen. Ohne vom Vorstand hierzu speziell beauftragt zu sein, glaub« ich doch als dessen Mitglied sie ersuchen zu dürfen, in einer der nächsten Nummern Ihrer Zeitschrift erläuternd zu bemerken, daß nach den Statuten der Mischeneth Sekenim Einzelunterstützuagen überall nicht gegeben werden. Nach den zu Ende 1870 revidirten Statuten werden die Zinsen de- Capital-fondverwandt zu lebenslänglichen Unterstützungen im Einzelbetrage von 156 Mark — 62 Thlr. 12 Sgr. Die regelmäßigen Beiträge und zufälligen Einnahmen aber werden zu Unterstützungen verwandt, die in Höhe von 62'/» Thlr. nur von Jahr zu Jahr den Betreffenden neu bewilligt werden. ES geschieht dieum bei Rückgang der Einnahmen de- Vereins nicht Verpflichtungen übeniommen zu haben, die nicht zu erfüllen sind. ES konnte demgemäß der Verein im Jahre 1871 nicht mehr als 1825 M. an Unterstützungen auSgeben, um im Jahre 1872 für die Januar 1872 ausgesprochenen Bewilligungen gedeckt zu sein. Wie nun im Jahre 1872 die Eingänge de- 71er Jahreim Ganzen an 23 Greise vertheilt werden, so werden bei gesteigerter Mitgliederzahl im Jahre 1873 die Eingänge de» IahreS 1872 voraussichtlich an 28 Greife vertheilt werden. Capitalanfammlungen aber werden nur au« den Legaten beschafft. Mit Ihnen bin ich vollständig darin einverstanden, daß die von Lebenden gegebenen Gelder auch nur für die Unterstützungen der Gegenwart benutzt werden müssen und freue mich, Ihnen sonach auch für unseren M. S.-Verein die rechtzeittge Anwendung diese- Grundsaize» nachgewiesen zu haben. L. M. Spir. (Wir haben ausdrücklich gesagt, daß es vorwitzig sein würde, Instituttonen zu bemängeln, die man nicht näher kennt, und baß wir daher den fraglichen Verein zu tadeln nicht be> absichttgten. Wir wollten eine Rüg«, ein Bedenken im Allgemeinen bei einer gegebenen speziellen Veranlassung au»- sprechi». Daß unsere Bemerkung an sich richtig sei, gibt der Herr Correspondent zu, daß sie bei gar manchem Verein zutrifft, bezeichnen wir unbedenklich als etwas Notorisches. Die in dem Bericht deS M. S. Verein» angegebenen Ziffern waren in ihrem Derhiltniß zu auffallend, als daß sie uns nicht die Veranlassung geboten hätten, jene Rüge „par I» fenttre au»- zusvrechen." Die vorstehende Rechtftrttgung de» Vereins veröffentlichen zu können, gereicht uns zum Vergnügen, und sie wird unsren Lesern, vielleicht sogar Hamburgern, die di« fraglichen Statuten nicht kennen, wohl nicht unerwünscht sein.) E. AuS Württemberg, 27. Februar. (Orig.-Corresp ). Unser württembergisches Schwaben, von gewisser Seite so viel verleumdet, als wäre alles religiöse Leben aus den jüdischen Herzen und Gemeinden gewichen, kann mit dem großen Schiller» dem schwäbischen Dichter, sagen: „das Aergste weiß die Welt von mir, ich aber bin besser als mein Ruf." Bon den beiden Kaulla'schen Stiftungen zu Gunsten Studirender üdischer Theologie wurde in diesen Spalten schon berichtet. Diese Sttpendien haben es schon ermöglicht, daß mehrere juuge Schwaben in BreSlau unter Frankel» weiser Directton an der israelittschen alma mator, sich dem Studium der jüdischen Gotteszrlahrtheit widmen konnten. Diese Jünglinge sind aber ietS zu spät dort ein- und zu früh wieder ausgetreten. DaS hoffen wir wird später besser werden, wenn diese Jünglinge noch reichlicher mit dem usrrus rsrum ausgerüstet sind. Dazu wird besonders eine neue edle Sttftung beitragen. Ich theile hier einen Bewerber-Aufruf, wie ihn der schwäbische Merkur brachte, mit: „Stuttgart. Abraham und Mar Arnold'sche Sttftung. Die Wittwe Babette Arnold in Stuttgart hat zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten Abraham Arnold und an ihren verstorbenen Sohn Max Arnold eine Sttftung im Kapital-' betrage von 6000 fl. in die Verwaltung der isr. Oberkirchenbehirde übergeben, welche den Zweck hat, Stipendien zu ver- I leihen: a) an Studirende der mosaischen Theologie, d) an 1 Sieh« da» „Feuilleton" in dieser Ar. Red.)