Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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st schob er den» endlich all» Schuld ««»sich auf dir arme» Sprößling, den sie inzwischen geboren, am nächste« Lage verschied. So geschehen im Jahrhunderte der CiEsalton und der Hmnanitit in der Hauptstadt Galizien», in einer der größten Provinzialstidte de- Reiche«! Die Entrüstung Aller, die menschlich fühlen, muß Jene treffen, die unter dem Deckmantel nationaler Autonomie die Zustände der rohesten Barbarei zu überbieten bestrebt sind. (Die» ist sehr wahr, aber wir begreifen ebensowenig, ja »och weniger, wie dergleichen in einer Stadt, in der so und so viel tausend Juden wohnen, geschehen kann! Warum haben dies« denn die Arme umkommen lasim?! Red.) Türkei. Adrianopet. Die Alliance Zsr. Unio. veröffentlicht durch die Rev. Zsr. den ihr erstatteten Bericht de» Direktor» ihrer Schule in Adrianopel, Felix Bloch, über einen Borfall daselbst. Die Korrespondenz de» genannten Herrn mit dem engl. Sonsul Blunt und dem französischen Biceconsul Ronzevalle ist vollständig beigefügt. Der auch von der „A. A. Z." berichtete Borfall betrifft eine der schier hundertfach alljährlich in den östlichen Ländern, besonder» unter den Griechm nm diese Zeit austauchenden Aliloth-Dam (Oster-Blutgeschichten), welche Gott sei Dank jetzt in der Siegel ungefährlich verlaufen, da die Regierungen, auch die türkische, von der Unstnnigkeit der alten Mährchen überzeugt sind und den fanattstrten, exceß- und beutegierigen Pöbel im Zaume halten. Da der erwähnte Bericht s. Z. vollständig im Bulletin der A. Z. U. veröffentlicht werden wird und kaum ein besondere« Znter.-ffe bietet, so genügt eine Wiedergabe de« wesentlichen Thatbestande». Am 11. Dezember (so muß e» heißen und ist wohl überall alttr Stil gemeint) kam ein etwa 35 jähriger Armenier, Namen» Arttnne, Abend« in da» Hau» eine» Zsrarl'ten, Moschi Coust, um sech» Piaster für seine Mutier, welch« für Coust Seide gesponnen hatte, zu holen. Er empfing da» Geld, ging nach eine« Aufenthalt von etwa 5 Minuten, wie eine armenisch« Frau bezeugt, wieder fort, und — blieb seitdem verschwunden. Alsbald hieß «», die Juden haben ihn getödtet, und Coust wurde eingezogen, vor Gericht gestellt und auf» schärfste verhört. Bloch bat nun den englffchen Consul um seine Vermittelung; dieser nahm mit dem Oberrichter Rücksprache, erhielt beruhigende Zusage unparteiischer Justiz und spricht gegen Bloch seine Verwunderung au», daß der Oberrabbiner keinen Schritt gethan Hab«. Am 7. Januar wurde plötzlich da« Judenquartier von Mllttär und Polizei besetzt, alles durchsucht, die Synagogen gewaltsam erbrochen, ohne Resultat. Da auch die Häuser eine« österreichischen und eine» griechischen Israeliten gewaltsam durchsucht worden waren, so protestirten die betreffenden Consulen beim General-Gouverneur, und die Juden selbst beschwerten sich nun telegraphisch in Constaittinopel. Auf Anrufen de« Herrn Bloch remonstrirten die englischen u d französischen Konsuln ebenfalls beim Gouverneur, setzten auch ihre Gesandten in Constantinopel in Renntniß, worauf denn am 9. der Gouverneur sich mtschuldigte. Er ist, wie Bloch angibt — und das berichtet auch die „A. A. Z." — ein unerfahrener Mann» kürzlich von Constantinopel angelangt, ein Günstling des Großverziers. Er glaube nicht, sagte er, daß man Synagogen und Häuser von Notabeln durchsucht habe, ließ die Polizeioffizianten kommen, und diese läugnen es denn auch frischweg. Auf den Einwand anwesender jüdischer Notabeln, daß 500 Zeugen bestätigen würden, waS vor allen Augen geschehen sei, meinte der Gouverneur, er könne jüdische Lengen nicht annehme»; die» wurde ihm jedoch widerlegt, und Pvltzeffoldaten und deren Chef, welcher abgrsetzt wurde. Sonett der Bericht de» Bloch, welcher deutlich erkeunen läßt, wie viel Dank der „S. I. U." gebührt und wie segensreich st: dadurch wirkt, daß st« an vielen Orten im Orient europäisch gebildete Agenten hat, welche Vorkommen den Falle» bet dm Consuln und den Behörden sich zu verwenden vermögen. Bloch wird in dm gewechseltm Schriften stet» al» „Agent der All. Zsr. Univ." bezeichnet und anerkannt. Nach dem Berichte der „A. A. Z." ist inzwischen btt Leichnam de» vermißten im Fluße gefundm wordm und ist Artinne ohne Zweifel ein Opfer der großm Ueberschwemmung gewordm, welche damals Adrianopel heimsuchte. Dieser Gedrnkm hätte von vornherein sehr nahe gelegm; aber der Fanatismu» will überall keine natürlichm Erklärungm. Vermischte und neueste Nachrichten. Aerki». Der außerordmtliche Professor Geh. Medtzinalrath vr. msä. Traube ist, wie un» mitgethellt wird, zum ordmtlichm Professor an der hiesigm Universität ernannt. ES ist die» der erste Fall, daß einem der jüdischen Reltgioir Angehörigm eine ordentliche Professur an der berliner Universität ertheilt wird. (So hat dann der nme Herr Cultus» minister sich beeilt, «ine sehr alte Schuld abzuttagen. Aerti». Ein beliebter Auskunftsmittel der hiefigm Schulräthe ist e», Candidatm de» hiherm Schulamt» jüdischer Confesston, so oft sich dieselbm um eine Anstellung bewerbe«, au die Realschule nach Frankfurt a. M. zu verweism. Nun ist «» bekannt, daß Frankfurt erst im Jahr« 1866 prmßffch gtwordm ist. Was würden die Herrm wohl gesagt habm, wenn ihnm die» AuSkunftsmtttel fehlt«? Sie würdm wahrscheinlich zu dem famosen g. 7 de» Prüfungs-Reglement» von» 12. Dezember 1866 gegriffm habm, welches der Gleicht rechtigung der Confesfionm in» Gesicht schlägt. Also schreibt die „nme dmtsche Gchulzeituuß" in Berlin, die die Gleichberechttgung der jüdischm Schule in ihr Programm' aufgenommm und wacker für dieselbe eintritt. Hoffmtkich le,;t der Cultosminister von 1872 auch die beffemde Hand», an das Reglemmt von 1866. — Abgeordneter vr. Rösch, welcher seit ein paar Mo« natm erkrankt, die letzten Wochen in die Präsidialwohnung^ d«S Herm von Forckmbeck übergefledelt war, hat sich dieser Tage auf Anrathm der Aerzte in da» vorzügliche jüdische Rrankenhaus begebm, um dort, da sein Zustand sich verschlechtert hat, eine so sorgsame Pstege zu gmießm, wie sie ihm Präsident von Forckmbeck beim bestm Willm zu biete» nicht im Stande ist AerNn. Ein jüd. CommiS, der kürzlich in Wim cou« ditionirte und jetzt wieder im Baterlandr weilt, ist hier vott' dort aus wegm eines Darlehns von 100 st verklagt wordm. Er hat hieraus dm Einwand erhobm, daß dies Geld kein Tarlehn, sondern eine Anzahlung auf den ihm versprochene» Betrag von 500 st für den llebertritt zum Christenthum gewesm sei und beantragt deshalb Abweisung des RlägerS.(Z.P.) Aromberg. Dem Rabbiner vr. Gebhard hier, habe» di: städtischm Behörden in Anbetracht seiner 20jährigen Amts» sührung dahier von Communalabgabm befreit. (A. Z.d. Z.) Wie«. Educat. Zsr. erzählt von der Trauung eine» J taubstummen Paares hier, welche weit selffamer ist, al» die iui vor. Blatte au» Berlin berichtete. Eia Zstaeltt Samuel Bett, heirathete Sara Maria Schonsto, welch« vom Ratholi-