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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Luk» läßt thu U«#* «# e*üx»i9ttä‘l“r) so tage erficht»«»erfolgt»ri^wen kaN»,daß fei»Schm»^' vo» Ministerttsch gnädig aufgmommm.wirb. Soweit ist e» fern leider in unfern preußischen Vaterland« gekommen, daß ft« Juden nicht Mo» in der Presse, sondern auch in Parlamnten den Ton angeben, daß sie den Christen die Regeln vorschreiben, wonach ihre Bewegung di» zu einem gewissen -Grade noch geduldet werden soll." — In eben dieser Rr. Heißt e» au» Anlaß einer, vom leipziger deutschen Priitefianten.Verein, an den Reichstag ergangenen Petition um ftu»treibung der Jesuiten: „Au» diesem und andern Vorgängen der jüngsten.Zeit äst zu ersehen, daß da» handelstreibend« Leipzig,*) welche» -schon darum einen «»»geprägt orientalischen Charaeter gepflegt hat, für die Folge im neuen Ring der deutschen Großstädte ein rühriger Heerd für antikatholische Bestrebungen zu «erden verspricht." , Und diese» Blatt wird hier von sehr „orthodoxen" Israeliten gehalten. Wir aber können daran» ersehen, wie -sehr ernst e» Herrn Abgeordn. Windthorst mit feinem gütigen Anerbieten war. Sesterreich. Mi«». Ueber dm weiteren Verlauf der FriedhofS-Angelegmheit — die Anlage eine» für alle Confesstonm gemeinsam bestimmten Communalfriedhof» — berichtet die „R. fr. Pr." (Streit um die Gräber.) „ES ist seltsam, (für un» Llber überaus erklärlich. Red. der Wochmschr.) daß der Ge- «einderath in einer Frage deS Fortschrittes, welch« weniger al» alle anderen einschneidmd zu sein scheint, bei allen Confesfionm Widerstand findet. Nachdem vom Gememderath der Emtral-Friedhof für confesfionSlo» erklärt wordm, kämm zuerst ft« Griechen, um die Anweisung eines separatm Raume» für ihre Todten zu verlangen; ihnm folgte die jüdisch« Gemeinde und bereitete der nmm Jnstitutton Echwierigkeitm; sodann «rfchienm die Protestantm mit dem Ersuchm um Trennung, und jetzt erklärtm — wa» am wenigsten überraschm mag — ftc stolaberechtigten Vertreter der Pfarreim, daß sie ihre Rechte auf die altm Friedhöfe insolange nicht aufgebm, bi» nicht für chi« verstorbmm Katholikm in der Weise vorgesorgt wird, daß ^luch deren Ruhestätten von dmm der Andersgläubigm gettennt werdm." In einem spiterm Artikel berichtet daffelbe Blatt: »Heute Abends versammelte sich die Central - Friedhcfs- Gommisston zur Berathung über dm Anttag de» GemeinderatheS Frankl bezüglich der Einleitung von neuen Berhandlungm mit dm Vertretern der israelittschm Cultu»gemei>rde zur Erwerbung eines Theile» vom Centtal-Friedhofe in daS selbstständige Eigmthum „auf ewige Zeittn." Die Commission .hat sich dahin ausgesprochm, daß der verlangte Grundcomplex dm Israeliten nur unter dmselben Bedingungm verabfolgt werdm könne, wie e» allen übrigm ReligionS-Genossmschaftm zugestandm wurde. „Auf ewige Zeiten" könne schon dMhalb nicht verkauft werden, weil nicht vorauSzusehm ist, welche .Entwicklungen und Ereignisse da» pächste Jahrhundert für i di« Stadt Wim mit sich bringen wird." — Die Gemeindepertreter haben sich hierauf mit den gestellten Bedingungm | einverstanden erklärt. , > AroLu«, 11. d., wird der „R. f. Pr." geschriebim:! -Gin unheimliche» Gerücht verbrettete sich dieser Tage in Krakau.! Bald hieß e», e» sei ein nahegelegene« Dorf überfallen, ge- I plündert und die Einwohner ermvrdet wordm, bald n»'£cr r erzählte man sich von einer »ohlorganifirtm Band«, die an vaschiedmm Ortm Gräuelthaten 'verübe, ja unsere Stadt selbst bedroh«. Daß etwa» Grausige» vorgefallm sein mußtt, wußtt jeder, Nähere« aber Niemand. Ganz natürlich, daß die Aufregung sich durch das Geheimnißvolle nur steigerte und dm Gipfelpunkt erreichte, al» mehn-rr Israelitm schwer verwundet in da» hiesige jüdische Spital gebracht wurdm und al» bald darauf einer von diesm seinm Wunden erlag. Run wollte man von einem Zudmkrawall wissen, von ennordetm Christenkindern, vergifteten Brunnen, und längst verklungme Sagm tauchten wiederum in dm erschreckten Gemüthem der hiesigen Zudengemeinde auf. Der Vorfall» der all diese Aufregung verursachte, ist, so viel bi» jetzt bekannt gewordm, folgmder: Zn das Wirthshaus von Zabierow, das von einem Iudm gehalten wird, kämm am 8. d. zwei anständig gekleidete Herren und zechten bi» spät in die Nacht. Gegen 10 Uhr AbmdS entfernte sich einer von ihnm und kehrtt bald darauf mit zwei Gmostm zurück. Da» Zechm begann von nmem. Dem Wirth gefiel da» Benehmen dieser Gäste nicht, er witterte Unrath, erst'chte sie deshalb, sich zu mtfemm, und da diese darauf garnicht achteten, erklärte er ihnen, nicht« mehr verabreichen zu wollen. Bei dieser Erklärung löschtt plötzlich einer der Unbekannten mit einem Pistolmschuß die Lampe aus, die andem warfen sich auf dm Juden. Auf diese» Zeichen, denn ein solche» scheint derPistolmschuß gewesen zu sein, drangen noch zwei andere Genossen, die wahrscheinlich sich irgendwo in der Nähe verborgen gehalten, in das einsam stehmde.Wirthshau» ein. Nun begann im Finstem ein wahre« Gemetzel. Zufälliger Weise übernachteten hier einige jüdische Kauflmte, so daß die Zahl der Angegriffmm jener der Angreifer bei Weitem überlegen war. Trotzdem die Letzterm mit Schießwaffen versehm waren, mußten sie doch nach kurzem Kampfe da» Feld räumm. Von den Ueberfallmen find viele schwer, ja tödtlich verwundet. Mer der geflüchtttm Mörder sind gestern ergriffen und dem hiesigen LandeSgerichle überliefert wordm, dm zwei andern ist man auf der Spur. Nach den Papieren, die man bei ihnm oorgefundm, find e» polnische Emigranten, mit Pässen auf verschiedene Namen versehen, au» denen ersichtlich ist, daß sie bereits die Tour durch ganz Galizien gemacht habm. Näheres wird wohl die Untersuchung ergeben, die mergisch betrieben wird. Hemberg, 12. Febr. Unter diesem Datum wird dm W. Bll. von hier geschriebm: Bor mehrerm Wochen faßte der hiesige Gemeinderath dm Beschluß, die Bekmner de» jüd. Glauben» von dem Mltgenuffe des Lemberger Wohlthätigkeit»- fonds und Anstalten auSzuschließm. Diese» polnisch-humane Princip wird auch von den anderen autonomen Organm bi» zum Landesausschuß hinauf getteulich befolgt, wie nachfolgm- Fall, der sich hier zugettagen, beweist: Eine junge Jüdin meldett sich nmlich in hoch krittschem Zustande zur Gebär- Adtheilung de» von dm Barmherzigen Schwestem geleiteten allgemeinen Krankenhauses. Nachdem sich da» arme Weib einm ganzen Tag von Instanz zu Instanz hatte herumschleppm müssen, erhielt sie zuletzt den Bescheid, daß fie in da» allgemeine Krankenhaus nur gegen Vorausbezahlung der Pflegekostm für drei Monatt im Gesammtbettage von 84 fl. Aufnahme finden könne. Run, wer über 04 Guldm verfügt, dürfte wohl kaum um dir Aufnahme in da» allgemeine Krankenhau» sich bewerbm. Da» arme Mädchen blieb buchstäblich auf ber Gasse liegen, woselbst ft« sammt de» *) Ms« der PriteftaMemvent» gehSrt zu de« HaudelSttetdmden. «. «.

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