Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. G. offieiell »och anerkannt, dm „Baud ewige» Priest» chums" gegeben hat? damüßt« um so «ehr Wunder nehme», al« ja die Personalien hier'nicht unbekannt und unbemerkt geblieben find. Wollen Sie Ihr Blatt rein von Skandalösem erhalten, so könnm Sie darüber freilich nicht berichten, auch nicht von einem Ekandalproceß voller Rabbulisterei auf der Gegenseite über einen delikaten Gegenstand (Schadchengelder) der nicht geeignet ist, die „Liberalm" von dem Einfluß, den strenges Festhalten an religiösm Formen auf die Erhöhung der Sittlichkeit üdm sollte, zu übrrzeugm. P. Aresta«, 25. Febr. (Orig.-Corresp.) In diesm Tagen erschütterte ein Trauerfall unsere Gemeinde, der um so heftiger di« Gemüther traf, je unerwarteter und plötzlicher er hereinbrach. Herr Professor Levy, Lchrer an der unter Leitung de« vr. Zoöl stehmdm Religionsschule, wurde am Mttwoch dm 21. Febr. Nachts, durch einen Herzschlag aus dem Kreise der Lebenden geriffm. Noch am Dimstag vorher hatte er in der Schule dm Pflichten seines Berufes obgelegm, noch um 11 Uhr des Abends, da ihn der Tod ereilte, im 1kreise seiner Familie frmndlich geplaudert — einige Ctundm später war er eine Beute des Todes. Dieser Unglücksfall erweckt die lebhafteste Theilnahme in allm Kreisen der Gemeinde; Herr vr. Levy vertrat bekanntlich sehr freie religiöse Ansichten, ein um so reineres Zmgniß für seine Tugmd und seinen Charakter, für die ttefflichm Eigenschaften, welche ihn persönlich auszeichnetm, ist es, daß die Trennung der Meinungen das lebhafte Gefühl der Rührung nicht abschwächtt, welches allgemein für dm bescheidenen, anspruchslosen Gelehrten sich geltmd machte. Aber er besaß auch keine Spur jenes unliebmswürdigm Freisinns, der überall sich hervordrängt und Propaganda macht; seine Stellung in der Schule oder als Vertreter des vr. Zosl auf der Kanzel, wie mancher hätte in gleichem Falle der Versuchung nicht mtgehm können, dm Einfluß, dm diese Verhältnisse ihm gestattete«, zu Gunsten seiner Ueberzmgungm zu verwerthen. Herr Professor Levy jedoch besaß zu viel pädagogischen Takt, um in seinen Zöglingen die Achtung vor dm religiösm Heiligthümern durch liberalistrende Diatriben zu vermindem und auch auf der Kanzel wußte er, ohne seine Selbstständigkeit aufzugebm, ohne sein« individuellm Meinungen zu verleugnm, mehr di« allgemein religiösen, von Parteigeist unangefochtenen Momente hervorzuhebm, so daß sein Wirkm in der Gemeinde trotz seiner extremen Gesinnung die Religosilät wesentlich gefördert hat. Besonders wußten seine Schüler in der Geschichte unsere- Volkes gut Bescheid, und die Prüfungen liefertm nach dieser Sette zuweilm geradezu erstaunliche Resultate. Ader nicht nur innerhalb der Gemeind« war die Theilnahme eine tiefgehend«; innerhalb der gebildetm Kreise unserer Stadt wird der Verlust, der di« gelehrte Welt getroffen hat, ttef beklagt, und der Dahingeschiedene hat durch seine gelehrten Arbeitm, dmen ein warm empfundmer Nekrolog in der „Schl. Ztg." einen mropäischm Ruf vindicirt, dafür gesorgt, daß über die Grmzm unserer Stadt hinaus jüdische und christlich« Gelehrte seinm Tod schmerzlich empfindm werden. Sein« Arbrttm über phönizische Alterthümer und Znschriftm, sein« Geschichte der jüd. Münzm, seine jüngst erschienen« Bearbeitung de» Munk'schen Palästina mtt werthvollen eigenen Beiträgm (diese- Werk ist leider noch nicht vollendet) u. s. w., dazu seine ausgebreite Thitigkett in gelehrtm Zournalm, trugen die Bermuthung, daß dessm Nam« in Frankreich, in England, , kmz überall wo ernste Gelehrsamkeit gepflegt wird, hochgeHrt Ist. Es war kein« Gelehrsamkeit, die sich auf dm Markt des Tagedrängte, sie waltete im Stillen für Wenige, aber darum nicht weniger wirksam. Besonderförderud war sein Umgang für jung« Studirmde; er besaß unter Andrrm eine Kmntntß, die zwar von keinem mtscheidmdm Werthe ist, aber lange nicht < so unscheinbar ist, als sie aussieht; er war ein Bücherkenner erstm Range-; man nannte ihm den mtlegmstm Stoff, und er nannte fofort eine ganze Reihe von gelehrtm Arbeiten mtt " einer gründlichen Kritik ihres Werthes; seine bibliographischm Kenntnisse warm enorm und standm wie überhaupt sein wissenschaftlicher Rath jedem zur Seite, der ihn begehrte; entsprechend diesm mannigfachm Vorzügen, seiner Gelehrsamkett, seinem Lehreifer, seiner Bescheidmhett war die Erregung, welche die bre-lauer Gemeind«, die dm wackem Mann zu ihren Beamten zählte, über seinen Tod empfand und die sich bei dem heute stattfindenden Begräbniß in imposanter Wesse äußerte. Eine kaum übersehbare Reihe von Wagen folgte der .Bahre; die Sttaßm, durch welche der Zug sich bewegte, warm bedeckt mtt einer zahllosen Menge, welche dem geachtetm Gelehrten, dem verehrten Lehrer, dem wackern Bürger die letzte Ehre gab. Die Universität, die städtischen Behörden, die Höhen, Lehranstalten, in deren einer der Dahingeschiedene al- Reltgionslehrer gewirkt hatte, sie alle waren in dem Zuge zahlreich vertreten: die Gemeindekorporationen fast vollständig. Am Grab« gab Herr Rabbiner vr. Ioöl der wehmuth-- vollm Stimmung, welche die große Trauerversammlnug bewegte, einm ergreifenden Ausdruck; er sprach zuvörderst von der collegialen - Gesinnung des Verschiedenen, welch« das Zusammenwirken mit demselbm so wesentlich erleichterte unb förderte; wie dieser sein Leben zwischen dm Lenkbar edelstm Beschäftigungen getheilt hat, zwischen Lehrm und Lernen, nie er unbekümmert um Ehre und Erfolg, einzig im Dimste der Wiffmschaft gerungen habe, bis ihm Ehre und Erfolg von selbst in dm Schoß gefallm seien. — Es steigerte noch das Schmerzgefühl derTrauerversammlung, welche dieLeiche d«S wackem MavneS umstand, daß in demselben Momente, wo man deff« irdischen Reste in die Erde senkte, auch das einzige Enkelkind des Dahingeschirdenm beerdigt wurde. Ewar einm Tag nach dem Tod« seine- Großvaters gestorben. 6. Ao» derA«ßr, 25. Febr. (Orig.-Corresp ) Da» „Düsseldorfer Volksblatt", ein Organ der EmtrumS-Fractio», bringt unter dem Titel „Landtagsbriefe (eigene Correspondeuz)" also jedenfalls dir Auslassung eine« ihrer Partei zugehörig« Abgeordneten Folgendes: Nachdem die Unzweckmäßigkeit der, von der Regiemng eingebrachten Steuerreform dargelegt ist, ährt da- Blatt wörtlich fort: .höchst interessant war e«, daß Abgeordneter Richter (Fortschritt) auS friüherm Dmkschristm de« jetzigen Finanzministers einm bedmssamm Widerspruch mit dessm heuttger Aufstellung nachwieS und nicht minder erfolgreich dm nationalliberalm' Abgeordneten La«ker bekämpfte, der neuerdings regelmäßig al- Vorspann de- Ministerium» auftritt und dabei eine Schulmeisterei entwickelt, die mit jedem Tage unerträglicher und mißfälliger wird. Frölich hat der kleine Mann nach der augebornen Eigenthümlichkeit seine- Stammes, (wmn er von der „großm Natton" spricht, so denkt man unwillkürlich seinm Ramm in weit« Land«, uud wer dm schlichten, in sich gekehrtm Mann auf der Sttaße sah, der kam schwerlich auf au da« ausenvählte Volk de- Orient«), kein Berständniß für die abstoßend« Wirkung seinefabelhaften Selbstgefühl- und sogar ein Hohngrlächter, oder derb« Abfertigung von recht- oder b.