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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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. . Jbtt Urfpnof mk der Attaf der p»)» Affair« zeig» denttich, daß dadet nach eine« mir höllische« Bord^acht» cm». Walrttn Plane vorgegangen wurde und daß di« Judenhetz» ps \ irgend einem politischem Systeme gehören, auf dessen Durchfillttuag «tthodisch hingearbeitet wird. Die Affaire hatte ihren «ntftrnt« Ursprung in dem Diebstahl«, den ein getaufter Jude au» Rußland n der Kathedrale in Ismail beging. Dieser, wahrschemlich ad hoc gedungene Gauner, der au» der russischen Armee de-erlirt ist und seit drei Monaten in I»mail weilt, wo er bei einem Schneider arbeitete, hatte sich in die Kathedrale eingeschlichm, dort einige Löffel und ungefähr 100 Ducaten entwendet und '1$ damit eiligst auf die Flucht gemacht. Verhaftet, legte der Monn sofort da» Geständniß der Thal ab. Bald drang die Kunde zu de» Ohren der Bevölkerung und erzeugte nicht wenig böse» Blut; aber noch schien der Pöbel keine Veranlaffung zu finden, über bloße Schimpfworte und Drohungen hinau»zukommen. Da hieß e» plötzlich, der Dieb hätte auch den Altar in* tnrtbiigt, und unmittelbar daraus wurde da» Gerücht ausgesprengt, die gestohlenen Gegenstände (unter denen sich jetzt auch ein Kreuz befand) seien an einem gewiffcn Orte in dem Hause de» Rabbiner« gefunden worden. Die« wirkte. Russen, Bulgaren und Rurnäaen (die Griechen sollen diesmal wenig actioen Antheil genommen' haben) brachen in ein Wuthgeschrei über diesen Frevel au«, bald rottete sich der Pöbel aus den Straßen zusammen, und Verwünschungen erfüllten die Lust. Jetzt wäre ei an der Zeit gewesen, Maßregeln zu ergreifcu; jetzt wäre es der Polizei und der Garnison ein Leichte» gewesen, dem Gcandale vorzubeugen. Doch geschah au» Nachlässigkeit oder Absicht nicht«, ja e« wurde sogar der alte Rabbiner der Grmeirde dt» Gefängniß geworfen und noch andere angesehene Kauflente unter den Israeliten unter dem Vorwände verhafte», daß der Dieb sie al« seine Mitschuldigen bezeichnet habe. Im erster Verhöre wollte er die That blo» im Einverständnisse mit seinem Meister, dem Schneider, begangen haben» in dessen Hause sich dir Sachen befinden sollten. E« wurde bei diesem Haussuchung gehalten, doch nicht» vorgefunden. Run die Häupter der jüdischen Gemeinde verhaftet morden waren, war e» ja klar, daß die ganze Gemeind« an dem!Fp.w«l theilgenommen hatte, und er mußte daher au allen Juden geahndet werdm. 'Um 11 Uhr brach der Srurm los; durch die erbrochenen Thüren und eingeschlagenen Fenster drang die fanatische Meute in die Häuser der Juden rin, diese wurden au» Qttn Lagern aufgescheucht, g«mißhandelt, in den Schnee und den Frost hinausgejagt, um draußen wie Wild durch die Großen gehetzt zu werdm, während in dem Innern der Häuser die schrecklichste Verheerung angerichttt wurde. Mit kurzen Unterhrechurgen dauerte die Jagd eine volle Woche und zog sich über Bilcoo nach Eahul hin. Erst nach einigen Tagen gelangte die Rachricht da- »on in die Hauptstadt, und der Premier-Minister brach in der Kammer die Erklärung vom Zaun, daß er „eine schlaflos« Nacht gehabt habe, denn die Griechen au« Galatz haben einen schrecklichen Aufstand in J»mail gemacht." Ein anderer Corresp. d. Bl. schreibt au« Galatz: Ein großer Theil der jüdischen Einwohner flüchtete sich, Hab und Gut zurücklaffrnd, nach dem benachbarten Tultscha, und es mag auch al» rühmenswerth hervorgehoben werden, daß da» im Ismailer Hifen ftationirte Dampfboot „Pest" der Oesterreichischrn Donau-Dampsschifffahrt-Gesellschast den Flüchtlingen ein sichere» Asyl bot. Nicht Alke waren so glücklich, da» Ziel ihrer Flucht zu erreichen. Viele, darunter auch der dortige Rabbiner, wurden von herumziehenden - betrunkenen Bauernhorden aufgegriffm und unter Hohn und Spott in die Stadt zurückgebracht und in da» Gefängniß geworfen. Um die Situation womöglich zu verschärfe», sperrte man einige vermögende und allgemein geachtete jüdisch« Mitbürger ohne Verhör ein, um von ihnen Geld zu rrpreffen. Diese« konnte um so eher gelingen, da auf eine gesetzlich« Untersuchung nicht zu hoffen war, indem sämmtlich« Telegramme, die nach Bukarest oder dem Auslande zur Absendung gelangten, nicht befördert wurden. Eine Anfrage, die Seiten» de» judenfreundlichen nordamerikanischen General-Consul» zu Bukarest, Herr» Pnrotto, andie Gemeinde herablangte, konnte au» demselben Grunde nicht beantwortet werde». Berichte und Eorrrfpondenzen. ' De»tschla«b. A. Merls», 25. Februar. (Orig. - Corresp.) 'Gestern ging e« in brr Heibenreuther Synagoge wieder etwa» sehr lebhaft zu. Ein Thei! de» Publikum» erwiderte da» vom Herr» vr. Geiger in seiner Predigt aufgeführte grobe Geschütz, gegen die Satzungen de» Zvdenthums, mit einem Hustmau»- bruch, der in der Witterung allein keine genügend« Begründung hatte. Aber der Verkündiger de» neuen Heil», der, klüger al» sein Vorbild, sich seine Botschaft recht brav bezahlen läßt — trich e» auch ein wenig zu bunt, (kr ging davon au», daß der Beruf de» Priesterthume« in dem heutigen Abschnitte be» zeichnet sei durch da» Anzünden de» Lichte» im Tempel und durch die Urim und Tumim; daß Recht und Wahrheit auf dem Herzen de» Hohenpriester» und auch in seinem Herzen «ine Stätte haben sollten. Aber diesem Ideale haben di« Priester nie entsprochen. Keiner habe Etwa» zur Förderung de» Iudenthum» geleistet. Aaron, Elieser, Pinehas wurden mit Stillschweigen übergangen, dagegen Eli hervorgehobrn und Samuel al» Vertreter de» wahren religiösen Geistes ihm gegen - übergestellt. Der Hohepriester sei verkommen in Satzungen — er habe „mit den Schellen geklingelt", indeß die Propheten die Erhaltung de» Iudenthum» bewirkt hätten. Hierbei werde»» Zeremia und Ezechiel al» nicht in den Kram paffend, bei Seite gelaffen. Von den andern Hohenpriestern kennt Ihr „Keinen" (Echimron hazadik?) und nun werden di» Reformrabbiner der Hasmonäerzeit, die abtrünnigen Hohenpriester gegeißelt, ohne Rücksicht darauf, wir nahe die Parallele mtt den» Sprecher selbst gelegt wird. Dagegen waren Mathatta» und seine Söhne keine hohen Priester — ihre Nachkommen, die eit wurden, versanken im Formelwesen gegenüber Schemaja uni» Abtalion (hier wird die bekannte Erzählung «Ü behaglicher Breite eingeschaltet) Hillel und Schammai, dt« Talmudisten^ die Gelehrten de» Mittelalter» und der Neuzeit — sie. die Wiffe» und Erleuchtung erhalten und verbreitet haben. Also da» Priesterthum war eine verfehlte Einrichtung, e» muß mit allen Consequmzm aufhören, und daher auch die höhnische Frage, ob die Gemeinde jetzt noch in Wahrheit un» Wiederherstellung de» Tempel» und der Opfer beten dürfe?! Eingestreut wurde noch, daß alles „Acußerliche" fallen nrüff«, — soll das eine Bestätigung de» Gerüchte» sein,, daß der Rabbiner Berlin» bei dem Mahle, da» der Ban/ier P. bei der Hochzeit seiner Tochter veranstaltet, notorisch Trefa gegessen hat? — Za nur Wissen und Erleuchtung, — so bleibt vom Iudenthume nur die Besoldung eine» oder mehrerer Geistlichen übrig — denn da» Priesterlicht sollte ja nur brennen von Abend bis Morgen, und Herrn vr. G. hat e» schon „fürchterlch getagt." Zm Gebete zweifeltt er, ob die Gemeinde ihn schon al» berechtigten Träger de» Priestersegens anerkennen würde, — ein Zweifel, der wohl in der neuen Synagoge nicht ausgesprochen werdm wird.*) Sollte aber Niemand die Frage Ich vorlegen, ob die nmm „Priester" charaktervoller, würdiger sind dm Srgm Gottes über Israel zu künden, al» die einfachen Nachkommm der Männer, denen die Thorath Emmeth, *) Da» eben erschienen« Heft der G 'schm Zeitschrift geht noch «men kleinen Schritt weiter und betont, daß di« Rabbiner der Gegenwart an da» Prophetenthum anknüpsen und sich den Siuach hakodeich »indlzir«, müssen. Der „Prophet" pon Meeea, dem vr. «.'« erste ,, lehrte Arbeit gewidmet war, hat «» auch so gemocht, er hat erst die» und jene» gethan und dann den verwundert Fragenden erklärt,!daß ihm dir Wellige Geist" «» ei»»»bm hat«. (Red.)

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