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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 10. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 10.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— Bei seinem Aufenthalte in Lyon erfuhr der Kaiser Mn Brasilien, daß ein Franzos«, I Norat, welcher in Portugal wohnt, sich mit einem Frtulein auS Lyon verheirathete. Sr hatte die Gewogenheit, sich bei der Trauung im Israel. Tempel durch seinen Minister, Baron de Buen Betiro und die Herzogin de Sam», Ehrendame der Kaiserin, vertreten zu zu taffen. Den Hochzeitsball beehrte Se. Majestät mit ihrer Gegenwart und beglückwünschte das jung« Paar. (Reo. Zsr.) — Die Wochenschrift der reformirten Kirche in Frankreich „le Christianieme an XIX* stecle“ erzählt, „die Unitarier halten einen Missionär nach Calcutta gesendet, aber eS kommt oft anders, als man glaubt. Der Missionär wurde durch diejenigen, welche er bekehren wollte, selbst beehrt. Er fand, daß die düstische Sekte der Bramo-Somai ganz vorzügliche Lehren habe und wurde ein Anhänger deS berühmten Babn- Xeechul-Chnnder-Sen. (Das.). — Aus la Cöte-d’or, einem klerikalen Journal, in Dijon, thellt „Rev. Zsr." einen länger« Artikel mü» aus welchem wir die Notiz entnehmen, daß die Stadtbehirde zu Dijon der etwa 301 Seelen zählenden dortigen israel. Gemeinde einen Platz, den das Blatt auf 25—30,000 frcs. schätzt, geschenkt habe, um auf demselbm eine Synagoge zu erbauen. Die Bosheit, mft der jenes Blaü dies bespricht, mit der es darüber klagt, daß man für die Zudm enorme Opfer bringe, während man die für 40,000 Katholiken bestimmten Gebäude in Trümmer zerfallen lasse, der attische Witz am Schluffe des Artikels; „woher diese Zärtlichkeit unserer Stadträthe für die Kinder Mösts? Man sagt sogar, doch möchtm wir'» nicht glauben, daß sie zum Dank für jme Gunstbezeugungm für sich selbst di« Wohlthat der Beschneidung erbet« hätten" — alles dieses könnte urd würde vorkommend« Falles ganz ebenso in d«tschm klerikal« Blättern zu lesm sein. Wir Hab« dies schon oft gesagt, und es bestätigt fast jede Nummer ftanzöstsch-jtbischer Blätter, (besonders des im Registriren solcher Dinge sehr fleißig« Unio. Isr.) daß die Klerikal« rc. in Frankreich gerade so judenfeindlich find, wie ihre HestnnungSgenossm bei uns. Dir find wahrlich nicht so verkehrt, so niederträchtig, darüber Schadenfreude zu empfind«. Wir find« es andrerseüs erklärlich, wenn unsre französisch« Glcubmsgenossm auch darin ihr« tief« Groll gegm Deutschland Lust mach«, daß fl« ihr« Lesern von allerlei „deutscher Intoleranz" erzähl«. Nur um das Eine möchten wir unsere Herr« Collegm noch einmal bitten, (möchte es doch zum letzt« Male sein!) daß sie sich vcn ihrem Haß nicht blenden lass«, daß st« auch Tinge, die st« nichts angehm und von ihn« nicht verstand« werd«, auf fich beruh« lassen. So bemängelt R«. Zsr. die Aufhebung der katholisch« Abtheilung im preußischen Cultusornisterium, eine Maßregel, die von allen Liberal«, d« gemäßtgstm wie dm redikalstm, mit Freude begrüßt ward« ist. „Man steht, sagt das Blatt, wie man in Deutschland die Zdeeu der Gerechttgkeit und Gleichhett durchführt, man weiß, daß die Katholik« dort in der Minderheit find. Wenn man das katholische Departement unterdrückt, so könnm wir unglücklicherweise nicht mehr hoff«, daß man ein ffraelitisches «nicht«." — Hat es denn in Frankreich eine israelitische Abthcilung im CultuS-Ministerium gegck«? Dort ist die EultuSveirvaltung ein Zweig der Zustizverwaltung, und diese hat kernerlei confesfionelle Abtheilung; so wollm es die Liberal« auch bei uns, »nd so verzichten wir daher vollständig auf eine tsrrelittsch« Sbtheilung! Wir lern« und adoptirm ge«, was wrxrswo gut oder besser ist. Wir Deutsch«, nicht bloß wir deutsch«« Zud«, wiffm ganz gut, daß bet uns längst nicht alle» trefflich und «nverbefferltch ist; es ist von jeher unsre Art govesm, das Nützliche und Zweckmäßige, da» Schön« und Wahre bet all« Völkern, dm Franzos« und Englinde«, wie Ruff« und Türk«, zu erkenn« und anzuerkennm, und daß die Franzos« immer gemeint Hab«, in alle« über All« er» haben zu sein, daS erkenn« wir als die Ursache ihre» Unglücks. Wozu also daS Hofmeistem? Ebenso beglettet di« Sk«. Zsta. die nach unser« Blatte mitgetheiftm Worte Bismarcks ür seiner Red« gegen die Cmtrumsftaction mit allerlei Anmerkung«. '„Aber die Worte d«S Herrn Bismarck find eine' Thatsache, sie begründ« kein Recht; der Kanzler ist ein Mensch und kein Prinzip, er ist nicht unsterblich, er kann verschwinden und ein« Nachfolger Hab«, der andrer Ansicht ist, als Sehr richtig! so richttg und unbestreitbar, daß man bei uns sich gar nicht damtt befaßte, solch« allgemeine Sätze mit Pathos vorzuttc^en; die Hauptsache aber, daß BiSmarck, daß die Regierung durch dm Gang der Entwickelung und der Geschicke über den ehemalig« Standpuntt hinausgedrängt ward« ist, wird durch jme Sätze nicht berührt. Wir haben es daher nicht mit einer Phrase zu thun, sondem mit einem neu« Prinzip. „Wir fürchtm sehr, schließt die Revue, daß ungeachtet des liberal« Aufsatzes des Her« von Bismarck, noch lange Zeit vergeh« wird, ehe Deutschland ... fich über die Vorurtheile erheb« wird, um die Zudenftage durch eine einfache und erhabme Formel zu lös«, wie sie au der Spitze unsrer Gesetzbücher steht: „alle Franzos« find vor dem Gesetze gleich." — Jawohl, die erhabenen Formeln! Dieselbe Formel steht fett Jahrzehnt« in der prmßischm und ander« deutsch« , Bsfaffungm; sie ist auch keineswegs französischen Ursprungs. Daß st« in Frankreich und Nordamerika schon lange in'» Lebe» gettetm ist, daß diese Länder dm and«« ein« Vorsprung darin algewonn« Hab«, das bestreüet bet uns niemand, jeder Schulknab« weiß es. Aber wir komm« vorwärts. Wmn jedoch ein seit langem wohlhabender Mann gegmüber seinem sich langsam emporarbeitmdm Bruder bei jeder GelegmheÜ auf sein« langbegründetm Wohlstand pocht und dabei andeutet, daß die Bermögensverhältuiffe des andern noch sehr schwankend und unsicher sei«, so sieht da» allem «her ähnlich, als brüderlicher Gesinnung. Zum Glück ist der Satz B*12T» *"2 nicht bloße Phrase und zum besonder« Glücke ist sie — hebräisch! fttnmhtta». Urb er die Vorgänge in Beffarabim stell« wir weiter folgend« Nachricht« zusammm. Die „Rum. Post" schreibt: „Es wurde vorgegeben, daß ein in der Kathedrale zu Zsmml verübter Diebstahl von einem Zudm begangm worbe» sei, daß seine Mitschuldig« verhaftet wurd«, dm Raub ein» gestanden und die Orte angegebm hält«, wo die gestohlm« Gegmstände versteckt ward« seien. Diese Gegmstände find von unansehnlichem Geldwerth«, Hab« jedoch, dem Gottesdienste geweiht, einen inner» Werth, kt nicht in Geld geschätzt werd« könne. ES sei also klar, daß das Motiv nicht Diebstahl sondern Ktrchenschändung ge» wes« sei I Diese Geschichte wurde dem Volke so mitgetheilt, und verfehlte dies nicht dieselbe zu all« möglich» Ausschreitung« aufzurrizea. Am Abend des 25. v. Mts. rottete sich der Pöbel zusammen und begann die Häuser der unschuldigen», nichts ArxeS ahnend« Israelit« «stürm«. Vir setzt« ihre Gewaltthötigkeitm zwei Tage fort. Häuser ward« aagegrffsm»

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