Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 10.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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freundes ausspricht. Möchte Ihn Gott noch recht viele Jahr« dem Zudenthum« und der Menschheit in seiner bisherigen jugendlich« Frisch« und in voller Lebenilkraft schützen und erhalten I Irantfnrt a. ZK., 29. Januar. Ein unerhörter Raabanfall, vielleicht Raubmord, da der Angegriffene tödtttch verletzt ist, ist am Hellen Mittag mitten in der Stadt, auf dem Hausstur eine» frequenten Gasthofes verübt worden. Das Opfer desielbm ist «in betagter Zsraelit au» Offenbach, der für die Viehhändler die Gelder einzucasstren pflegte. Die geraubte Summe ist sehr beträchtlich. DerThäter ist bereits ergriffen. Straßtnrg im Elsaß. Die im December v. I. vorgenommene Volkszählung ergab für unsere Stadt die Zahl von 3088 Israeliten. (Im Zahr« 1866 zählte st« 3126 Zsr.) M. Kawsurg, 14 Febr. (Orig.-Corresp.) (Schluß). Bei dieser Gel^mhett will ich nicht unerwähnt lasten, daß der Vorgänger des seligen Oberrabbiners Ettlinger nicht Akiwa Egrr geheißen, wie ihn irrthümlicher Weise Profeffor Grätz im 11. Band« seiner Geschichte, S. 424, bei Erwähnung des Tempelstreites nennt, sondern: Akiba (den Xnigäor) Wertheimer;*) derselbe bekleidete das Amt in Altona von 1819 bi» zu seinem Tod« im Jahre 1835. Ein in Flensburg vorgekommener Fall macht auch in Hamburg viel von fich reden. Am 2. Februar starb in Flensburg eine dort sehr bekannte Persünlichkett, Namens Burchard Meyer, der Religion nach Jude, «ährend seine bereits verstorben« Frau sowohl, wie auch seine noch lebenden Kinder, di« noch minderjährig sein soll«», Christen sind. Die christliche Familie des verstorbenen wollt« die Leich« nach ihrem Ritt« beerdigen kaffen, während auch von jüdischer Seite die Leich« reclamirt wurde. Man wandte fich deshalb an das Ober« rabbinat in Altona, rvelches denn auch bet der zuständigen Hörde gegen die Beerdigung auf christlichen Kirchhof remonstrirte. Es erhielt darauf den Bescheid, daß di« Regierung fich nicht für befugt hatte, in dergleichen Angelegenheiten sich zu rrischen, da die Art und Weise der Beerdigung de« Angehörigen de» verstorbenen überlaffen bleibe» müsse. Die Leiche wurde denn auch nach christlichem Ritus an 6. Februar auf dem christlichen Kirchhof beerdigt. — Die Entscheidung der Behörde scheint prinzipiell bedeutungsvoll za sein und ich zweifle nicht daran, daß da» Oberrabbinat kommender Fäll« halber fich nicht damtt beruhigen und die Sache weiter verfolg« wird. (Aber ist das der Müh« werch? Red.). Kawsurg. Zur Unterstützung armer Kreise besteht hier fett fast 80 Zähren in der israelittschen Gemeind« ein Verein „Misch eneth Eekenim", der von sehr bescheidenen Anfängen ausgehend, allmälig zu ein,.r umfangreicheren Wirksamkeit durchgedrungen ist. Der Umsicht der Letter und dem in der Gemeind« herrschenden Wohtthätigkettsfinne ist e» zu danken, daß namentlich in den letzten Jahren die Zahl der Contriduenteu unausgesetzt gewachsen und dadurch die Möglichkett der Hülfeleistung erweitert worden ist. Dennoch ist da» Bedürfniß nach Unterstützung im Steig« und der Verein ttotz feiner nicht unerheblichen Mittel außer Stand«, der Mehrzahl der an ihn gerichtet«, durch das AVer und die Bedürftigkett der Bittsteller begründet« Gesuche zu genüg«, zumal da der Mangel eines Siechen Hauses täglich fühlbarer hervortritt und und die Leidend« um so nachdrücklich auf di« Humanität der Privat« anwetst. Zm Hinblick darauf hat fich der genannte Verein aufs Neue an di« vielbewährte Mildthätigkeit der jüd. Gemeind« gewandt und zur Spendung von Beiträgen aufge¬ •) 4t («O* «Mersch«»» fich «RI« vrchk». (Mj fordert, die hoffentlich hier, wo es gttt, dir Last de» nothgs» gtteugtrn Alters zu erleichtern, recht reichliche fließ« werd«. M) . (AuS der in demselben Blatt« veröffentlich« Bilanz ersetz« wir, daß die Einnahmm 1871 rund 17,300 M., dl« Unterstützung« 1850 M. betrage»; Hab«. Zn der Einnahme steckt ein Legat von von 12500 M. und noch andere mit 720 M., welche ohne Zweifel zinsbar belegt werd« sollt»; aber di« Einnahm« an Baarbestand, Zins«, Betträgm und Spenden betrug« auch weit über 4000 M., und doch werd« nur 1850 M. vertheilt und darüber Klag« erhob«, daß 75 wohlmottvirte Gesuche nicht «füllt werden könnt« l Es wäre vorwitzig, wmn wir, ohne Kenntniß der verhältniffe, tadeln wollen, aber wir ergreifen diese Gelegenheit, da» moderne Stteb« jüdischer Vereine, zu capitalisiren, statt zu spenden, hier zu rüg«. Wir Hab« auch in unserer Gemeind« oft gegm diese Sucht zu kämpf« gehabt. Züdisch-gesetzlich ist da» nie und nimmer. Wer einem Verein etwa» zum Grundfonts sch«km will, der thue es, und „es komme auf ihn Segen"; wer aber schmkt oder brittägt, will wohlthun und nicht Capttal mehren, vielleicht hat man in H. besonder« Zwicke — wir meinen nicht speziell dm gedacht« verein. Red.) Oesterreich. * im Febr. (Orig.-Corresp.). Die wichtigste und für die Zukunft, für da» Heranwachsende Geschlecht, bedeutungsvollste Frag«, die der Schule und des Unterrichts steht jetzt in Galizim zur Entscheidung. Die Frage ist eine doppelt«, einmal die des Unterricht« überhaupt, dann dt« der Unterrichtssprache. Die erste ist in fortgeschrittener« Lände« fett Generation« erledigt, die andere in glücklicher sttnirt« taAdcmf. Daß die Dummheit, — von Orthodoxie zu red«, wäre Unrecht, — die Dummheit im Bund« mtt Eigmnutz, bös« Leidenschaft« und dem hier so mächtig« Chassidismus, die Chcherwirthschast erhalten will und alle« andere Lehr« und Lern», selbst dmffch oder polnisch Lesm und Schreib«, verabscheut; ist leider selbstverständlich. Nun ist aber ein Gesetz über dm Schulzwang für alle Kinder von 6—14 Zahr« ergänz«, in welchem jene Elem«te natürlich eine böse Geserah erblick«. Hier in Lemberg will man nun die Talmud-Tora-Schule dahin umgestalt«, daß durch besonder« Lehrer in bestimmt« Stund« Unterricht in dm Elemmtarfächem ertheitt werd« soll. Unter dem Vorsitz de» Oberrabbiners Nathanson hat eine Berathung stattgefund«, in der dt« Orchodoxm, sowie die „Fortschrittspartei" durch Delegirte vertret« war, man hat mit seiner Zustimmung eine aus beid« Partei« bestehende Commission erwählt, welche die nähere Organisation in dt« Hand nehmm sollte. Trotz der berechtigt« Verehrung, welch« unserm Oberrabbiner zu Dheil wird, ist es doch geschehm, daß die orthodox« Mitglieder, von den Chasfidtm terrorisirt, wieder au» der Commission auSgeschied« sind. Da indeffm der Schulzwang einmal gesetzlich besteht, so wird di« Vernunft, durch das Staatsgesetz unterstützt, über den Unfinn siegen» wmn es auch nicht so schnell gehen sollte. (Der Herr Corresp. ührt hier die Ansicht des Zudmthums über Bildung und Unterricht «etter aus — dies ist für unsere Leser überflüssig. Ein« trefflich geschriebm« Artikel bringt der ,^embergrr Zsraelit" über dmselbm Gegenstand, er würde jedoch uns«« Lesen» nichts Neues biete». Red.). Die ander« Frage greift in die so schwierige und die Welt verwirrend« Nationalfragr ein. SoiDdie Unterrichtssprache fa.,