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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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rührt, daß Ihr Cottespündmt nur »an eitler Sette unterrichtet wird, ich aber von deidrn Setten höre, was fich ereignet, so erlaub« ich mir, Ihnen die jüngsten Thatsachen in Bezug auf Herrn vr. Güdemann mitzuthetlen. Sonntag, den 26. Januar, wurde der Beschluß gefaßt, die Reform einzuführen, und am 30. Januar reichte vr. Güdemann bei dem Prä'idmtm des Vorstandes, Kuranda, sein« Demission ein. Kuranda, von dem vr. G. sehr geliebt und geachtet wird, besuchte ihn und erklärte, er werde den Brief nicht öffnen, um ihm Zeit zu lasten, sich die Sach« noch zu überlegen. G. antwortete ihm: „Können Sie verlangen, daß ich mein Gewissen opfern soll? Geld und Gut will ich opfern, aber mein Gewisten niemals!" Der Brief mit der Demission blieb uneröffnet, die Tage vergingen, da aber vr. Güdemann nicht au bewegen war, sich eine- Schlechten» zu besinnen, so fanden die Herren für gut, fich eine- Bester» zu besinnen. Und sie thaten »vohl daran. Zn der Gemeind« entstand eine groß« Gährung, viele Mitglieder erklärten ihren Austritt. Güdemann ist außerordentlich beliebt, die angesehensten und vorzüglichsten Männer der Gemeinde lieben und verehren ihn, und wie sehr sein höchst ehrenhafter Charakter sogar den Andern imponirt, davon nur ein Beispiel: Zn der Plenarversammlung, ivelche gehalten wurde, um zu berathen, was nun zu thun sei, erklärte einer der ärgsten Reformer, ein ausgesprochener Feind Güdemann'S, der ihn schon mannigfach beleidigt hat, dieser Mann erklärte: „Me Mizwah (an der ich keinen Antheil möchte), die Reform einzufiihrm, sei nicht so groß, alS die Mizwah, Güdemann hier zu erhalten." Und so wurde beschlossen, die Reform unselig entschlafen und auf ihren Lorbeerm ruhen zu lasten, und dem vr. Güdemann versprochen, man werde auch in Zukunft nicht versuchen, sie wieder vom Tode auferstehen zu lasten. Reguieseat in pace! Und so ist wieder Ruhe in Zsrael." Vermischte und neueste Nachrichten. 'S« ist schon wieder von Judenverfolgungen zu erzählen, der Schauplatz ist diesmal ettvaS weiter nach Osten, nach Besfarabien, gerückt. Zwei Zuden werden beschuldigt, (wie auS dem Folgenden ersichtlich ohne Grund), au« einer Kirche in ZSmail eine Anzahl, der zum Gottesdienste gebrauchten Geräthe, sowie 130 Dukaten, die ein Priester in einem in der Kirche stehenden Kasten aufbewahrt zu haben vorgiebt, gestohlen zu haben. Man sagt, daß die gestohlenen Gegenstände in der Wohnung eines jener Zndividuen versteckt gefunden worden sei, und daß derselbe sofort gerichtlich eingezogen wurde. Darauf liätte sich daS Vorgehen der Autoritäten beschränken sollen, biS eS gerichtlich erwiesen worden wäre, ob die verdächtigen Personen wirklich die Schuldigen seien. ES scheint aber, daß der Beamte, der die Arretirung vorgenommen, dies mit unnöthigrr Ostentatton that, und so eine Aufregung hervorrief, die, mehr und mehr sich verbreitend, den Pöbel aufteizte und ihn zu einem Krawalle gegen die arglosen Zuden veranlaßt«. Derselbe wüthete zwei Tage und äußerte'sich durch Einiverfen der Fenster, Beschädigung der Häuser und in Mißhandlungen der Zuden, ohne Unterschied deS Geschlechter. So berichtet die „Rum. Post." Der „Times" wird auS Konstanttnopel telegraphirt, daß in ZSnail mehrere der Verfolgten getödtet und viele verwundet wurden. Vierzig Zudm flohen vor der Wuth der Volksmenge über die Donau nach Tultscha, wo die ottomanischen Behördm im Gegensätze zu dm christlichen Nachbam sie freundlich aufnahmen.; Ferner berichtet W. T. B. aus Bukarest, 9. Februar. 1 Die Zudeucrawalle in der Moldau nehmm zu. Zn ZSmail und Dilrav wurden 60 Häuser der Zudm zerstört. Zn Cahul (?) leistetm die Zudm bewaffnetm Wü>«rstand, wobei4 Personen getödtet und 10 verwundet wurden. Die Diplomatie erfordert energisch« Maßregeln. — Dis neuesten Nachrichten lautm: iSsftertjl, Mittwoch dm 14. Februar. Die hier refidtrmdm frmckländischm Cousuln haben der Regierung eine Collectivnote überreicht, worin sie dieselbe zum Schutz der belmmgtm Israeliten auffordetn und gleichzeitig für die bisher getroffenen Maßregeln ihre Anerkennung aussprech««. Zn Galacz ivnrd« ein versuch zu Ruhestörungm unterdrückt: — 14. Febmar. Laut offieiellm Berichten au» Ismail» wurden dort 250 Zudm verwundet. Fürst Karl soll sehr entrüstet sein und die Proclamirung des Belagerungszustandes in drei Districtm ist wahrscheinlich. Uebrigen» wurde die Regierung vom amerikanischm Gesandten angegangm, dm Kammern ein Gesetz vorzulegen, wonach Ercedentm bei Judenkrawallm der standrechtlichen Behandlung unterworfen werden sollen. Zur Steuer der Wahrheit muß bemerkt werden, daß der Regiemng diesmal keine Schuld trifft, sondern diese der Oppositton beizumeffen ist. Nachdem derselben die Waffe aus der Hand gewundm ist, welche dieselbe auS der Sismba^iftage gemacht hatte, so sucht sich dieselbe ein neue« Angriffmittel gegen die Regierung zu schaffen, und ist dabei wieder aus die leidigm Zudenhetzm verfallen, welche in Rumänim schon so häufig alS Deckmantel für polittsche Zwecke dimm mußtm. (Bergl. die Orig. - Corresp. aus „Verlad" in der vor. Nummer.) (Nach einer Orig.-Corresp. im „Hamaggid" war ein getaufter jüd. Schneider (aus Rußland), der auS einer Kirche > Einiges gestohlen und bei seinem Verhöre andere jüd. Eoncurrenten aus Brodneid denunzirt hatte, die Beranlaffung zu ' dieser ruchlosen Zudmhetze. Red.) AerN«. Am Sonntag fand in Berlin eine intereffante Ceremonie und zwar die Trauung zweier Taubstummen statt, welche vom Rabb. vr. Hildesheimer unter Assistenz deS Her« Rech, LehrerS am königl. Taubstummen-Institut, vollzogm wurde. Letzterer erläuterte in der Zeichensprache dem Brautpaare die Heiligkeit der Ehe und die Bedeutung der Ceremonien. Braut und Bräuttgam waren, was Bildung des Körpers anbelangt, ein schönes Paar zu nennen. 8 —. AuS dem Kreise HlyInlA-Hfkeß, den 12. Febmar. (Orig.-Corresp.) Wenn man so die letzten mannigfachm Wahlmanifeste liest — einen hat sogar unser Reichskanzler dm LandtagS-Abgeordnetm zur allgemeinm Erheiterung zum Bestm gegeben — so sollte man meinen, daß in der hiesigen Bevölkerung ein wüthmder Haß gegm die Zudm herrschen müsse, der nach der erfolgten Annahme deS Schulaufsichtsgesetzes zum mindest« zu einem mäßigen Judenkrawall führen würde. Aber an dem gesundm Menschenverstand und der Gutmüthigkeit unserer zum größten Theil katholischen Bmölkemng, scheitem alle Hetzerei« fanatischer Geistlichen, denen eS ja schließlich auch gelungen ist, dem geistlichen Rath Müller die Majorität bei der Abgeordnetenwahl zu verschaffm. Aber daS stört dm confesstonellm Frieden durchaus nicht, und verttaumsvoll wmdet sich nach wie vor der bedrängte Katholik an den Zuden, der ihm durch Rath und That auShelfm muß, und meist auch dazu berett ist. Sonach nimmt es hier nirgend» Wunder, rvenn in viel« Kriisen Juden zu Dorfschulzen gewählt und von der Regierung bestättgt werdm. — So jüngst erst wieder Herr Singer i« Plesser Kreise, schon seit längerer Zeit Herr S. Freund (Schwager drS Rabb. vr. M. Rahmer) u. A.; — sie sind die Träger der Bildung, die Rathgeber der Bmilkerung, und kräftige Stützen der Regiemng. A»g»ö«rg. In hiesiger, nicht ganz 150 Mitglieder zählender Gemeinde, sind in wmigm Togen 1025 fl. für die nothleidmdm Zudm in Persien gesammelt worden. (Syn. Bl.) Hfrag, 7. Febmar. Der al» Dichter der „Wanderungen ' des Ahasver" und als Kunstkritiker bekannte Seligm. Heller (Zsr), ist vom Vorstande des Prager HandelSgremiumS ein» stimmig zum Professor an der hiesigen Handelsakademie brmfm worden. (Wahrh.) Hfest. Zn einer ung. Stadt fand ein armer Jude einm Geldbeutel mit 1000 fl. Er lieferte die Summe der Polizei ab und erhielt dm gesetzlichen Kinderlohn. Das Geld gehörte einem Christm, welcher aber ein großer Zudmfeind »var; es - that ihm leid, daß gerade ein Jude den Finderlohn bekomm« solle und wollte dm Juden der Bemntteuung anklag en, indem er schumr, es wäre mehr Geld im Geldheutel gewesen. Das Gericht erklärte aber, daß dann da» geforderte Geld nicht ihm gehören könne, und di« Summe fiel dem FiscuS zu. (Libanon.)

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