Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Wort*.’ Da» Eeutr.-Lomitä der ,,ä.Ui«mo« I«-. Vati ." wrfciutt einen Aufruf zur Gpendensammlung für die Juden in Persien. Wir machen dasselbe« in dankender Anerkennung e>e» Streben«, darauf aufmerksam, daß in Deuschland (und ßlaNd) Sammlungen im Gange sind, deren Ertrag nach London dirigirt wird, von wo schon End« Mi I. die Anregung au»gegangen. Doch wird auch die schöne Idee, gerade am Purim die Persischen Juden — deren Borfahren mir ja da» frohe Fest vrrdanken - mit „Schlachmonau»" zu bedenken, allenthalben Anklang finden und zu erneueten Sammlungen anregen. Ftaltzko«. In einer der Städte in der Näh« der Ruinen von Babel überfielen zwei mit geladenen Gewehren versehme Männer eine jüdische Frau, die sehr schön war, um ihr Gewalt anzuthun. Die Frau war jedoch beherzt, nahm schnell mit großer Energie dem einen Mann das Gewehr ab, schoß «» auf ihn ab — u :b tobt stürzte er nieder; hierauf Fefirte sie das Gewehr um und schlug, noch ehe ihr Gegner recht zur Besinnung gekommen, mit aller Kraft mit dem Kolben auf ihn loS und bald hatte sie auch Diesen unschädlich gemacht. Sogleich zeigte sie das Geschehene bei dem Gerichte an und daffelbe, nachdem es sich von der Richtigkeit der Aussage der Frau überzeugt hatte, belobte sie noch für ihre Tapferkeit. (Habazeleth). Zdetaide. Herr I. M. Salomon, Mayor von Adelcide, hat eine mit 300 Unterschriften versehene Adresse erhalten, in welcher er ersucht wird, die Würde eines Mayors -um dritten Male annehmen zu wollen. Gewiß ein ehrendes Zeichen von großem Vertrauen, da» derselbe unter seinen Mitbürgern genießt. — Neue Synagogen werden im Aucland und Sandhurst errichtet. (Australian Jsr.) Feuilleton. Iwauzig Dukaten für Lösung der „Zudeufrage." Es war im wunderschönen Monat Mai vor zwei Jahren, als da« kath.-patr. Casino in Wien die große Frage ventilirte: Wie könnte man alle Juden todtfchlagen, ohne daß die Polizei etwa» dagegen sagen könnte? Da riethen sie nun hin und her. „Laßt uns ein« Petition a» dm Reich»rath rickiten sprach der Eine, damit dm Juden da» Reichwerden untersagt «erde." „Geht nicht an, ward ihm erwidert, denn die Gleichberechtigung, diese» infernale Prinzip des modernen Staute», würde dann auch den Klöstern und christlichen Wucherern »a»- selb« Gesetz vorschretben — und — nun daS Uebrige versteh r sich von selbst. Da trat ein Herr Weber auf und sprach: ,^Laßt uns die Juden zrrheirathen. Christliche Jünglinge, christliche Jungfrauen, bringt der Kirche diese» schwere Opfer. Laßt euch von reichen Jüdinnen und Juden heirathm und dringt unS ihr Geld und ihre Seelen oder doch mindestens da» erster«, da die letzteren ohnehin nach Knoblauch duster:, in .dm Schoß der Alleinseligmacherin." Man kann sich denken, «st welcher Entrüstung der tollkühne Antrag ausgenommen wurde. Nicht als ob der erhabene Zweck nicht auch dieses Mittel zu heiligen vermöchte, sondern weil das Experiment gar ^zu gewagt schien. Dmn wie, wenn die in die Misch-Eh: gelocktm jüdischen Individuen den Spieß umkehrtrn und dt« respektive» Gatten und Gattinnen in dm Schooß Abraham'» htnüberzigm? Schon der Gedanke an solche Möglichkeit mußte jede» gotteSfürchtige Haar emporsträubm und alle frommen Leiber mit einer infalliblm Gänsehaut überziehen. Endlich kam man überein, einm literarischen Judenkrawall zu r«ran- . stallen, die Aufforderung dazu in Form einer Preisausschreibung guf die Bmntwortung der großen Frage, die sie „die I überfrage" nmam, in di« Welt hinauszuschicken. Auf die glückliche Entbindung von diese« geruckten Judenzacherl stehen mm zwanzig Ducatm, welch« die letzte Phase i» G«rrati»usr»echs«l der groß« Seeschlange, „Emaneipation von den Judm" genannt, darstellm. Im Mittelalter hieß diese Kundgebung christlicher Liebe: Todtschlag, Dcheiterhaufm, später „gelber Fleck, blauer Hut", alljährlicher officieller Fußtritt, dem Judenvorsteher durch einen römischen Cardinal versetzt, dann; Ghetto, Hepp-Hepp und in Böhmen „Ltridro", in Galizlm Faustschlag — und nlssr zwanzig Ducatm al» Preis für eine nationalökonomische Abhandlung. Aber siehe da, Monde vergingen, sie wurden zu Jahrm, und die zwanzig Ducaten sind noch nicht erlöst. Herr Weber verliert fast den Kopf und will vor Verzweiflung eiste schöne, vor Allem aber eine reiche Jüdin he rathen, selbst auf die Gefahr hin, daß sich ein jüdischer Millionär im Wege der Repressalim ein armes runzeliges Kerzelweib zur Gatttu nehmen ollte. Die zwanzig Ducaten bleiben zwanzig Ducatm und wollen' kein gedruckter Scandal werdm. Denn leider ist Alle» schon verjudet. Die Verfassung, das Ministerium, die Presse, das Talent und sogar der Anstand. In dieser Noth schreibt daS patriotisch-katholische Casino wieder einen Preis, aus, und abermals die zwanzig Ducaten sind es, die auf füstf Fragm die Annvort bringen sollen, was vier Ducatm für eine jede Lösung ausmacht. Die Fragm sind nun präcisirt und lauten also: 1. Haben die Juden das Recht darauf, in christlichm Staaten Bürger zu sein? 2. Ist nicht der Liberalismus die Hauptstütze der unberechttgtm Juden? 3. Könnte man dsn Föderal istm nicht wnsmachen, daß die Juden die Autonomie der Landtage schädigen, und wäre da nicht ein Geschäftchm mit den Nattonalen zu machen? 4. Wie wären die Juden in der Presse und .im socialen Leben mundtodt zu machen? 5. Wie könnte man die Inden todtmachen, ohne der Intoleranz beschuldigt zu werden? DaS famose Schriftstück ist gefertigt vom 5. Januar 1872, und ist am 12. desselben Monats wiederum im Wege der gutgesinnten Blätter in Erinnerung gebracht worden. Da sich aber bisher noch immer kein Bewerber um dle zwanzig Ducatm eingestellt hat, erlauben wir uii» hiemit, in die Competirung um jene zwanzig Ducatm einzutreten, indem wir hiermit die endgiltigr Lösung dieser Fragm dessi katholischm Casino submisseft unterbreiten. '(Schluß folg« ) „Es kommt wohl auf die Ankcht av." In M. bestand und besteht auch noch jetzt! eine Judengasse, die in der guten alten Zeit ummauert und an dm Eingängen mit Thoren versehen war, welche jeden Abend und während der ganzen Dauer der jüdischen und christlichen Feiertage geschloffen wurdm. Wir denken mit Schaudern an die Zeit, in der man unsere armen Borfahren, gleich schädlichm Thieren, hinter Schloß und Riegel halten und wiederum sie > durch Mauer und Thor vor ihrm, gleich Raubthierm ihnen auflauernden, Mitmenschen schützm zu müssen glaubte. Indessen der alte R., ein Bewohner und Eingrborner von M., dachte anders. „Ach, sagte er, wie war das früher so schön! Frettag Abend ist daS Thor an der Gasse zugemacht worden,! und bis Montag früh ist es verschlossm geblieben, uud durste kein Mensch herein. Da hat man doch Ruhe gehabt!" Sc erzählte mir vor Jahrzehntm ein greiser Freund, der jene Arußerung steilich in seiner Jugend von dem damals schon: betagten R. gehört hatte — und er setzte hinzu: „Sehen Sie, es kommt eben auf die Ansicht an." Das ist dmn auch, wie die arabischm Fabeldichter sagm, die „Meinung" dieser Anekdotc, und die Anwmdung liegt im heutig« Leitartikel. In Betreff de« Pauler'schm Gesetzes ko» int es auch auf die „Ansicht' an.