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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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; ^- u I chmgegoflen worden, von der jedoch eine große Kugel mit In» fchrist erhalte» blieb, ferner eia kleine- Häuschen mit tot tarin oberhalb der Hau-thüre eingegrabenen Worten: N"N^> .PIN N1ZUS 121 ^2^1 Der Styl de- Hebräischen, sowie die Graveur- und Steinhauerarbeiten bei den noch vorhandenen alten Gedenktafeln und Grabsteinen zeugen von Kunstsinn und Sprachfertigkeit, so daß der daraus zu ziehende Schluß, daß unsere Vorfahren hier nicht ganz ohne Bedeutung waren, ein wohl berechtigter ist. — Bauspeculation war wohl die Veranlassung, die die Luden nach Rendsburg führte, denn viele Häuser in Neuwerk find von ihnen erbauet und alsdann verkauft wordm (worauf auch die Angabe in der A. Z. d. I. Nr. 3, daß die ersten Luden Baumeister gewesm seien, zurückzufühnn ist). Selbst da- Arsenal scheint von einem solchen erbauet zu sein, denn noch heute steht über dessen Eingang mit großer Schrift: Ezechias Levin von Ahrenskiold. *) — Gleichfalls war die Mühle in Neuwerk Eigenthum eine- Zsraeliten und soll sie früher eine hebräische Anschrift getragen haben. — In späterer Zeit scheint aber kein lohnender Enveri mehr für sie hier zu finden gewesen sein und sind die Wohlhabenden wohl nach und nach wieder fortgezogen, da eine Spur der ältesten Familien in Rendsburg nicht mehr zu finden ist. — Allmählich traten Gewerbsbeschränkungen ein, bis endlich i. Z. 1819 König Friedrich VI. den Juden das Rech: gewährte, ein Handwerk lernen zu dürfen, wenn sich ein Mei ster bereft finde, einen solchen in die Lehre nehmen zu wollen. — Anzunehmen ist, daß die Familienzahl der Luden immer zwischen 30 bis 60 abwechselte; vor ungefähr bO Jahren war die Stadt Aufenthalt vieler ftemden Juden, so daß an jüdischen Feiertagen die Anzahl der Familien eine doppelte Höhe erreichte. Auf den täglichen Synagogenbesuch wurde sehr strenge gehalten und seit dem Beginn deS 19. Jahrhundertverwandte man auf den Schulunterricht recht vielen Fleiß, so daß die hier gebildeten Knaben überall gerne in die Lehre bet Kaufleuten ausgenommen wurden. Seit reichlich 60 Jahren besteht hier eine Talmud-Thorn- Schule, in welcher Tüchtige« geleistet wird; der erste, noch jetzt lebende Lehrer Herr N. Jsaacsohn hat nun seit 67 Jahren mit vielem Erfolg an der Schule gewirkt und wieder manchen wackern Lehrer ausgestellt. — Im Jahre 1867 wurde die Schule, in Erwägung ihres langjährigen Bestehens, mit einem Regulativ von der Königlich Preußischen Regierung »ersehen und es wurde im Jahre 1871 mit Genehmigung derselben festgestellt, daß die Juden in Rendsburg, so lange fit ihre Schulangelegenheit selbst verwalten, zu den Eommunallasten nur V, ihrer Beitragsquote als dauernd und vom Staat anerkannt, entrichten sollen. Die Zahl der Gemeindeglteder hat sehr abgenonnnen, so daß circa 30 Familien mit kaum 200 Seelen noch hier vorhanden sind. Eine Geineinde- Ordnung wird demnächst von der Regierung zu erwardm sein, wonach die Vertretung der Gemeinde, au- 3 Vorstehern und 2 Beisitzern bestehen soll und sollen diese dem Magistrat der Stadt Rendsburg untergeordnet sein. — Der Schulvorstand besteht schon jetzt au» 3 Mitgliedern, welche der König!. Aufficht-behörde: dem Bürgermeister und dem Profesior des Gymnasium« untergeordnet find. — Die Gemeindesteuern werden •) van» würde die >ngad« der >. Z. d. I. ater doch richtig sein. n«i jedoch dieser ®. £.». tL. Jude gewesen sei»? Der Siam« Leon tr&mt »ach tet Christen all Varna«« Mt. Red. i in Zukunft auf den Vorschlag der Regierung nach der stlaffeusteuer erhoben werden, so daß ein eigentlich jüdische« LchätzungS» Collegium überflüssig wird, eine Einrichtung, die gewiß in noch manchen anderen Gemeinden Nachahinung verdient". (Schlug folgt.) Gesterreich. Wie». Denjenigen Lesern, u-elche sich gern selbst ihr Urtheil bilden mögen, glauben wir durch wortgetreue Mittheilung der vom Wiener Vorstände erlassenen CultusänderungS- Vorschriften einen Dienst zu leisten. Der Erlaß Iahtet: Modifikationen im Dortrage einiger Gebetstücke durch den Cantor — welche von dem Vorstände in seiner Sitzung am 28. Januar 1872 angeordnet wurden. ' 1. An Wochentagen, Sabbathen und Festtagen, mit Ausnahme von Rofch Ha-Cchana und Jom Kippur, werden bloß die drei ersten Benedictionen der Tephilla: mE7P rtJötf vom Cantor laut recittrt. 2. In dem Gebete: .121 .12.1* beginnt der Cantor die laute Necitation bei den Worten: «ine bx *2 3. An Montagen und Donnerstagen wird dgs Gebet: '21 21V ^RIV' \"6* "n u. s. w. vom Cantor nifht recittrt. 4. Ebenso wird an Montagen und Donnerstagen das Gebet pan ’iT u. j. w. vom Cantor nicht recittrt. 5. Bei Verkündigung des Neumondes beginnt oer Canto sogleich mit der Ankündigungsformel des bezüglichen Monats. 6. Im PN 112 (Segen der Kohanim) beginnt der Vorbeter die laute Recitatton mi: den Worten: 11212 K"1K .12122 7. Am Jom Kippur wird das RvN IV-Gebet vom Cantor nicht recittrt. 8. Im Mincha-Gebete des Jom Kippur wird in der Thora-Vorlesung daS 18. Cap. 3. Buch Mosche durch dar- 19. Capitel, 3. Buch Mosche, DerS 1 bis 23 incly ersetzt. Der Vorstand der israelitischen CultuSgemeinde. Also ein überaus diplomatische« Aktenstück. ES handelt bloß von Modifikationen der Vortragsweise, also etwa wie von dem Singen dieser oder jener Leoda-äoäi-Melodie. Der Dorbeter soll hinfort dieses oder jene« nicht mehr laut sagen, aber leise mag er und jeder Beter eS sprechen. Damit wir» also kein Prinzip berührt, obgleich die betteffenden Stellen eben die streitigen Momente deS Bekenntnisses enthalten. Wie kann jemand so — toll sein und darüber Stteit anfanger,, ob der Chasan in der 2. Benedictton de» Morgengebetes bist ^vlv bx '2 oder eine Zeile ftüher zu singen anheben fot(? Und wie kann man da« Singen de« Mi acheoso nisaim zu einer CabtnetSfrage machen? Abei: .... doch der Leser weiß schon, was wir sagen wollen, und er erkennt, selbst wenn er persönlich den Reformen als solchm zustimmen soslti, so er Ehrlichkttt für ein gutes Ding hält, die Ehrlichkeit, derjenigen an, die diplomattsche Fineflen in religiösen Fragest nicht am Platze finden, und, wenn sie auch keinen Bruch herbetziehm Vollen, doch offen erklären, daß sie durch jene seinen Auswege sich nicht täuschen lassen. Wir schließen hieran noch folgend« Wiener Corresp. (auS dem Israelit", der im Leitartikel und in mehrerm Correspondenzarttkeln für „Spaltung" und .Losreißung" apittrt, aker doch nicht umhin kann, auch diesem Art. Aufnahme zu gewähren, der freilich mit der LoSttennungstendenz nicht harmonirt): — „Da es häufig geschieht, daß in Jhrsn Berichten von hier sich manche- Unrichttge findet, was vermuthlich daher *) Ich kitte um gef. vekersendimg der «rwihntm Rmstmer». (Sied.)

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