Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 3 (1872)
- Issue
- 3. Jahrgang Nᵒ 8.
- Date
- 1872-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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- Mohel 2× ep/1006163
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62 einer Rechmstunde, welche doch an sich „confessionslos" ist, gemüßigr, gelegentlich der Erklärung der neuen Maaße folgende ergötzliche „demonstratio ad hominem“ anzuwtndm. Wenn chr, sprach dieser weise Rechenkünstler — nachdem er eine Vergleichung der neuen Maaße mit den bisherigen alten vorgenommen — zu seiner gelehrigen Schaar von Schülern, in einen Laden tretet, um beispielsweise 3 Ellen Zeug zu kaufen, müßt ihr vor Allem grüßen und sagen; „guten Tag Herr Jude! ich möchte gern 3 Ellen Zeug, Herr Jude, wie viel Meters sind das, Herr Jude, Adjes Herr Jude". Da es hier keine jüdische Elementarschule gibt, und ein Theil der jüdischen Zugend daher (der andere größere das hiesige Gymnasium) die Stadtschule besucht, mußte diese letztere die unverschämte Aeußerung jenes Lehrers mitanhören und aus dem Nachhausewege die höhnischen Bemerkungen ihrer unter so trefflicher Leitung stehenden christlichen Mitschüler über jene Aeußerung mit in den Kauf nehmen. Der Name dieses liebevollen Mentors verdient wegen seiner Unbedeutendheit nicht genannt zu werden; jedoch ist es ein seltsames „nomeu et omenu, daß derselbe (der Name) seinem Lautbestande nach lateinisch ist und zu deutsch übersetzt „Pfeffer" heißt. Denn ein solcher Lehrer gehört wahrlich nicht nach einer Volksschule, sondern im günstigsten Falle dahin — wo der Pfeffer wächst! Attou«, Ende Januar. (Orig.-Corresp. verspätet.) Zur Bethütigung eines ehrenden Andenkens für unfern sel. Oberrabbiner sind zwei Vereine hier in Wirksamkeit, von denen der eine sich erst nach dem Tode des Berewigtm gebildet hat, während der andere bereits vor zehn Jahren, aus Auslaß des 25jähr. Jubiläums der Amtöthätigkeit Ettlingers, gestiftet worden ist. Der erstgenannte bezweckt die Gründung eines „Beth Jakob" zu nennenden Pilgerhauses in Jerusalem. (Bereits in Nr. 3 berichtet. Red.) Der zweite, der Ettlinger-Berein, fordert jetzt die Verehrer Ettlinger's auf, durch Beiträge den Fonds zu vergrößern, damit deffen Bestand gesichert werde. Ueber Zweck und Thätigkeit des Vereinsagt daS Circular: „Die erfreulichen Resultate dieser von zahlreichen Menschenfreunden unterstützten Stiftung sind bekannt. Es wurden einer beträchtlichen Anzahl unbemittelter Kinder Kleider und Schuhe geliefert, deren nothwendige Reparaturen besorgt; außerdem vielen Mädchen, welche die Gemeindeschule verließen, ihr Fortkommen durch weitere Ausbildung erleichtert. Für dies segensreiche Wirken ist dem Verein vielfacher Dank, nicht minder die Anerkennung zu Theil geworden, daß die geleistete Hülfe nicht nur den materiellen Bedürfniffen abgeholfen, sondern auch durch die Ermöglichung eines regelmäßigen Schulbesuch» die Geistesbildung der Kinder befördert und zur Sicherstellung ihrer Zukunft beigetragen habe. In gleichem Sinne haben sich auch wiederholt hiesige, im Schulfache hervorragende Autoritäten ausgesprochen, und ihr Bedauern über den Mangel an Verein« gleicher Tendenz für andere Schulen Ausdruck gegeben." bl. Kamkurg, 14. Februar. (Orig.-Corresp.) Ich habe mit meinen Berichten von hier bis jetzt gewartet, weil ich bestimmt geglaubt, Ihnen über die Wirksamkeit der Statuten unsere« Synagogen-Berbandes, die nun schon fett 1868 auf sich warten laffen, Mittheil, machen 411 können, allein die Sache hat wohl noch etwas gute Weile, da, wie man hört, der Gemeinde-Vorstand bei dem Senat, in deffen Hände sie sich augenblicklich zur Begutachtung befinden, Bedenken gegm deren Ausführung geltend gemacht hat, was denn schließlich dazu geführt hat, die Niedersetzung einer Commission, bestehend auS Mitgliedern des Gemeinde-Vorstandes und, der Verwaltung des Synagogm-BerbandeS zu veranlaffen, welche hoffentlich die jetzt noch obwaltenden Differenzen ausgleichen wird. — Augenblicklich gibt hier folgender Vorfall Stoff zu einiger Unterhaltung. Anfang Januar wurde hier einem jüdischen Manne, der eine Proselytin geheiratl et hat, ein Knabe geborm, und wollte er denselben am achten Tage in den israelitischen Bund aufnehmen lassen, er forderte die hier fungirenden Mohelim auf, die Beschneidung zu vollziehen, allein Alle lehnten es ab, mit dem Bemerken, daß der Oberrabbiner Stern es nich: billigen zu können erklärt habe und zwar aus dem Gründe, weil die Mutter des betreffenden Kindes von dem Prediger vr. Jonas dem Zudenthum zwar zugeführt, jedoch bei ihrem Uebertritt die rituell erford:rlichen Handlungen nicht in der rechten Weise vollzogen habe. Sämmtliche hiesige Moheliin haben freiwillig eine Uebrreinkunft geschlossen, sich in zweifelhaften Fällen der Autorität des Rabbiners zu fügen. — Der Vater des Kindes brachte eine schriftliche Erklärung von vr. Jonas und einem Direktor des Tempels, daß seine Frau das Proselyten-Bad mit den nöthigen Formalitäten unter Assistenz mehrerer, daffelbe bestätigenden Frauen genommen und daß auch die Ehe gesetzlich vollzogen sei; allein man schenkte dem keine Rücksicht und so ist die Beschneidung bis jetzt unterblieben. — Aehnliche Fälle kamen hier ftüher schon mehrfach vor, da war es denn rin fremder Mohel, der sich hier länger,: Zeit aufhielt, der gegen Geld und gute Worte berett war, die Operation vorzunehmen; derselbe hat nun im jüngsten Sommer das Zeitliche gesegnet. Mit dem Beginn des Jahres 1872 traten auch die jüdischen Gemeinden deS uns benachbarten SchlcSwig-Holstein in ein neues Stadium, sie haben Ende Derember als besondere - Commune» zu sein aufgehört; die jüdische Armenverwaltung geht in die städtische über, und sie sind seitdem in sogenannte Synagogengemeinden umgewandelt, nachdem ein Theil derselben seinen Bestand wohl von ungefähr 170 Jahren herzihlm . kann. — Au« der Geschichte der Gemeinde Rendsburg, der größten nächst Altona, gehen mir von einem mir sehr nahe» stellenden Freunde Daten zu, die wohl der Erwähnung werth sind; sie könnm gewiß auf Glaubwürdigkeit Anspruch machen, da der Einsender durch amtliche Stellung mit den Verhältnis?« sehr vertraut ist. Dir israelittsche Gemeinde in Rendsburg wurde im Jahre 16)0 gegründet, zu derselben Zeit als das Neuwerk (ein Stadttheil) angelegt wurde. Bor dieser Zeit durften keine Juden daselbst wohnen. Um den neuen Stadttheil anzubauen, beroilligte die königlich dänische Regierung bestimmte Geldsummen als Prämien für den Bau der Häuser und erlaubte den Israeliten die Niederlassung daselbst. — Soweit eine Chronik darüber Aufschluß gibt, waren ein gewisser Holländer (den Ncmen hatte er wohl von seinem /GeburtSlaude) und eine Familie Levin auS Vater und mehreren Söhnen bestehend (B"T*3), die ersten Juden, welche sich hier niederließen (nicht wie in der dieSjähr. Nr. 3 der A. Z. d. I. die von eine« Lerin Holländer redet), und auch, wie auS dem Friedhofs« Register erweislich, hier ihre letzte Ruhestätte fanden. Die Fcmilim Holländer und Levin warm es, welche di« Gemeinde gegründet, einm Begräbnißplah von der Regierung erwarb« und auch ein GotteShauS erbauet«. Andenken und Geschenke von dm Lrüdem Lmin befind« sich noch manch« in der . Synagoge, als: eine Chanucca-Lamp« in aattker Form «ft Inschrift, eine große 12-armige Lichtkrour, die freilich später