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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1872-01-01 · 3. Jahrgang Nᵒ 8. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
3 (1872)
Issue
3. Jahrgang Nᵒ 8.
Date
1872-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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legung zu Gesichte gekommen. Wir sagen kurz und bündig: dergleichen würde denn doch heutzutage in Deutschland nicht möglich sein. Dazu stehen unsere Glaubensgenossen allgemach an sittlicher und durch Theilnahme an öffentlichem Leben geförderter Bildung zu hoch. ES könnte bet unS in einzelnen Gemeinden, in verrotteten Städtchen, Sehnliches Vorkommen, auch bei einer Clique innerhalb großer Gemeinden*), aber nicht inmitten einer größeren Gesammtheit, die flch constttuirm möchte. (Schluß folgt.) *) Merkwürdiger Weise hat die Slique, die un» hierbei vorfchwebt, ihren Faiseur und — Farceur au» Ungarn bezogen. Berichte und Correspondenzen. Deutschland. Stettin, 14. Februar. Die Verhandlungen über das Schulaufsichtsgesetz haben in Deutschland und weit über seine Grenzen hinaus die Aufmerksamkeit aller ZeitungSleser in Anspruch genommen. Eine Besprechung dersrlben gehört nicht in dieses Blatt, aber jeder begreift, daß sie einen Wendepunkt in der inneren Polittk Preußens bezeichnen und zwar in dem Punkte, dem unsere Wochmschrift gewidmet ist, in dem religiösen Leben, also in der confessionellen und interconfessionelleu Polittk des Staats. Darum haben jene Verhandlungen, insbesondere' die Reden des Fürsten Bismarck, der wohl noch in keiner Debatte so oft wie in dieser zu längeren Auslassungen daS Wort genommen, für uns, als Juden, eine eminente Wichttgkeit, obgleich es sich direct durchaus nicht um uns gehandelt hat. Es mögen daher, obgleich unseren Lesern Ltttarttkel über jene Verhandlungen genug geboten sein werden, ein paar Zeilen am Platze sein, die wir auS den Arttkeln eines uns nahestehenden polittschen BlatteS wiedergeben. „Wir haben oft genug die Widersprüche beleuchtet, in welche die Kreuzzeitungspartei durch Unterstützung der Polittk deS Ministerpräsidenten gerathen war. Sie hat nach und nach so ziemlich Alles, was sie von willkürlich erfundenen sogenannten Principien sich zurecht gemacht hatte — und nur solche Phantasmagorieen waren es ja, auf denen sie beruhte — aufgeben müssen, um an der Seite der Regierung bleiben und die Dortheil; des Staatsregiments weiter genießen zu können. Je mehr nun aber der preußische, zum deutschen gewordene Staat zur wahren Entfaltung und Bethättgung seiner Lebenskrästc vorschi eitet, um so weniger ist er natürlich im Stande, alle Dortheile des Regimens noch wie bisher ausschließlich in den Händen einer kleinen Partei zu lasten, welche nur unter ganz ungewöhnlichen Umständen dazu gelangt, den Staat für flch al- Domäne auszunutzen. Der wiedergeborene preußischdeutsche Staat muß alle Lebenskräfte, welche ihm tteu sich zu widmen bereit sind und insbesondere alle vorzugsweise fähigen Kräfte in seinen Dienst nehmm. DaS aber ist nicht nach dem Geschmack derer, welche die Fleischtöpfe des stiatlichen Regiments für sich in Beschlag nahmen und welche sich eben deshalb die konservative, d. h. die Regierungspartei nannten. Diese Partei hatte widerwillig ihre sogmannten „Principim" preisgegebm, so lange sie sich von der neum Entwickelung noch vermehrte Vortheile für ihre Genostm versprach, ist nunmehr aber, da sie sieht, daß der Staat sein Regiment auch außerhalb ihrer Reih« rekrutirm muß, nicht der biShertgm prmßstchm Verfassung und Sesetzgbung organtfirtm WiderstandSmittel, welch« die Ministerien der letztm zwanzig Zahre ausschließlich in ihre Hände gelangm ließen, gegen die StaatSregierung zu gebrauchen." Daß sie in diesem Kampfe nicht flegm wird, unterliegt kaum einem Zweifel, und daS ist daS für un» wichtige Resultat, daß nunmelsr unsre Gegner, Fmdale und Ultramontane, auch die der Regierung sind. Nerti», 12. Februar. (Orig.-Corr.) Auch der zweite der im vor. Zahre alS Feldprediger in Thättgkeit gewesenen jungm jüdischm Theologen, Herr vr. Lewin (gegenwärttg hier verweilend), hat eine Anstellung alS Rabbiner in Kozmtn erhaltm. Wrerkau, 8. Februar. (Orig.-Corresp.)!llls ein Zeichen der Zeit und alS eine Probe deS Treibens und Schreibens derjenigen Ultramomanen, welche ihr Aufhetzen gegm Juden und Liberale in elegantere Formm zu bringen und in quasi verblümter Weise vorzutragen verstehen, theile ich Zhnm einm Absatz aus dem hiesigen (infallibilistischm) „Schles. Kirchenblatt" mit. Dieser Blatt wird vom Lic. P. Storch, Consist.-Rath und Rector des fürstbischöflicher klerikalen Seminars Hierselbst redigirt. Zn Nr. 5 vom 8. d. M. bei Gelegmheit der Besprechung des Ministerwechsels heißt es: „— Znterestant ist hierbei die Zärtlichkeit, mit welcher die Liberalm für die Zntrreffm der jüdischm Mitbürger besorgt sind. Dm» während sie mit aller Energie für die Beseittgung des obligatorischen Re!.-Unterrichts <m den höheren Schulen etntreten, ist die Petitton der jüdischen Gemeinde zu Schneidemühl um Wiedereinführung des jüdischen Rel.-Untrrrichts am dorttgm Gymnasium al» eine» obligato»! rischen LehrgegmstandeS auf StaatSkostm der Regierung zm° Berückstchttgung überwiefm worden. Der Zusammmhang ist für jeden Unbefangenen freilich einlmchtmd. Uebrigens ist diese Bworzugung deS jüdischen Elemmtes der Bevölkerung wenigstens vor dem katholischm Theile derselben ebm nicht» neues oder auffallendes mehr. Als im vorigm Zahre unter der jüdischm Bevölkerung des Elsaffcs eine große Besorgniß in Betreff ihrer bürgerlichen Gleichstellung entstand und Biele auch, allerdings auch wegen ihrer französischen Sympathien, I sich zur Uebersiedelung nach Frankreich rüsteten, da erließ da»! Gouvernement eine Bekanntmachung, in welcher es diese Be-; sorgnisse der elsässtschen Zuden zu beseitigm sich bemühte —! für die Katholikm, dm Haupttheil der Bmölkerung, hqtte man! nur Drohungen und Vergewaltigungen. Freilich sind sie ja auch nach dm jetzt beliebtm Schlagwörtern Vaterlands lose, Welfen, ja Reichsfeinde, wozu die Umstände? u. f. w. —z. Aenftetti«. 12. Februar'. (Orig.-Corresp!) Zm Anschlüsse an die Correfpondenz aus Hinterpommem, in der Nr. 6 dieser Wochenschrift gestatte auch ich mir aus hiesiger Stadt, welche ebenfalls das unnennbare Glück hat, dm krautjunkerlichen „Zone" anzugehören, eine kleine Mittheilung zum Besten zu geben. Zwar handelt es sich hmte nicht um die Collecttv-Petttton einm um ihre ehemaligen Privilegien de» Wegelagerns und „Baargeld-Abnehmms" trauernden, Zunft, sondern nur um eine winzige, ebmso alberne als vmbiffme Erpectoratton eines kaum nennmSwerthen Schulmeister- „intra maros" der hiefigm Stadtschule, gegenüber einer unmündigen Schuljugend; welche darum öffentlich gebrandmarkt zu wmdm vmdient, «eil sie zeigt, wie him zu Lande schon bei unschuldigm «ach seelenretnen Kindern in „Zudmhaß" gemacht wird. »ehr gewillt mitzugehe», sondern zeigt sich rntschloffm, Mt i» | Dm in Rede flehende saubere Pädagoge sah sich nämlich in

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